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Sylt leidet unter dem Andrang der Punks – „Es geht um Existenzen“

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Von: Jakob Koch

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Auch dank 9-Euro-Ticket sind 2022 viele Punks auf Sylt. Es kam bereits zu Zwischenfällen. Die Politik reagiert nun.

Westerland – Die Urlaubssaison auf der Insel der Schönen und Reichen ist auf dem Höhepunkt – der World-Cup im Beach Polo auf Sylt ist gerade vorbei, die schillernde Lindner-Hochzeit auf Sylt steht in Kürze an. Alles wie immer also auf der Promi-Insel möchte man meinen. Nicht ganz, denn in diesem Jahr ist vieles anders – denn einige Gäste passen so gar nicht ins Bild. Pünktlich zu Pfingsten enterten Hunderte Punks die Insel. Viele von ihnen sind geblieben und leben mehrheitlich friedlich auf der Insel.

Doch immer wieder kommt es zu Zwischenfällen und Polizeieinsätzen. Vor allem die Geschäftsleute in Westerland, Kampen und Co. sehen in den bunten Gästen eine Gefahr für ihr Sommergeschäft. Die Worte sind mittlerweile drastisch gewählt. Das hat auch die Politik erkannt – ein Runder Tisch soll nun helfen.

Insel:Sylt
Einwohnerzahl:Ca. 18.000
Fläche:99,14 km²
Besucherzahl vor Corona:Ca. 800.000 (2019)

Sylt leidet unter dem Andrang der Punks – „Es geht um Existenzen“

Grundsätzlich freut sich die Insel über seine zahlreichen Gäste. Doch immer Falle der Punks ist das nicht bei allen so. „Das Problem ist, dass Toleranzgrenzen überschritten werden, und die haben wir schon sehr weit erweitert“, zitiert das Hamburger Abendblatt den Vorsitzenden des Hauptausschusses, Holger Flessau (CDU). Er kritisiert Sachbeschädigungen und permanente Verunreinigungen durch Kot und Urin infolge des Alkoholkonsums – das sei den Geschäftsleuten nicht zuzumuten, es gehe um Existenzen. Der CDU-Politiker fordert: „Wir brauchen eine Lösung. Bis Ende August halten wir das nicht durch.“

Sylt: Ein Gruppe von Punks feiert in der Fußgängerzone von Westerland auf Sylt.
Sylt: Ein Gruppe von Punks feiert in der Fußgängerzone von Westerland auf Sylt. © Axel Heimken/dpa

Diese Lösung soll nun ein sogenannter Runder Tisch mit Polizei, Ordnungsamt, dem Bürgermeister und dem Bürgervorsteher sein, der Maßnahmen einleitet. Die Zeit drängt: Bereits für Ende Juli hat sich eine neue Gruppe für die Insel angekündigt: Rechte wollen auf Sylt demonstrieren, auch das wird aller Voraussicht nach zu neuen Herausforderungen führen – denn auch der militante „Schwarze Block“ will dann anreisen.

Sylt: Punks zufrieden: „Toll, dass wir hier feiern und unsere Musik hören können“

Die angekündigte Demo der Rechten hat auch die Punks bereits in Alarmbereitschaft versetzt. Man sei schon jetzt nachts immer in Kleingruppen unterwegs, da man Ziel möglicher Attacken sei, hieß es vor Ort gegenüber 24hamburg.de. Grundsätzlich fühle man sich aber sehr wohl auf der Insel. „Toll, dass wir hier feiern und unsere Musik hören können“, sagen die Punks auf Sylt, die bei den Reichen chillen und feiern.

Letzteres ist auch dem Ordnungsamt ein Dorn im Auge. Im Hauptausschuss sagte der Bürgermeister der Insel, Nikolas Häckel: „Wir haben aktuell das Problem einer Großstadt und sind ausgestattet wie ein Dorf.“ Er berichtet vom schwierigen Kampf gegen Wildcamper – regelmäßig werde den Ordnungsamt-Mitarbeitern Prügel angedroht. Eine Attacke auf einen Restaurant-Mitarbeiter auf Sylt hatte kürzlich für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Chef des Tourismus-Service wird von der Sylter Rundschau mit den Worten zitiert: „Ich kann nur empfehlen, der Gruppe nicht durch Dinge wie extra Toiletten entgegenzukommen.“

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