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Sylt: Gastronomen und Anwohner wollen Punks vertreiben – grundlos und übertrieben?

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Punks auf Sylt halten vor allem Sylter auf Trab. Wie ist mit ihnen umzugehen? Eine Debatte auf der Insel bemühte sich um Antworten.

Westerland / Sylt – Deutschlandweit ist das Interesse der Punks, die Anfang Juni mit dem 9-Euro-Ticket auf die Nordsee-Insel Sylt reisten, zwar merklich abgekühlt. An den Sorgen der Anwohner, insbesondere der Gewerbetreibenden Sylts, ändert das zurückgegangene Interesse naturgemäß allerdings nichts. Bei der Einwohnerfragestunde des Hauptausschusses der Gemeinde Sylt diskutierten nun Bewohner und örtliche Politiker die aktuelle Situation. Die Ankunft der Punks auf der Promi-Insel Sylt, die schon vorab in Form von Memes ganz Deutschland amüsiert hatte, hat sich mittlerweile für viele Sylter und Sylterinnen offenbar zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit entwickelt. Die Diskussionsrunde soll daher auch relativ großen Zuspruch gefunden haben.

Name:Sylt (dänisch Sild, friesisch Söl)
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:rund 18.000
Davon Punks:Unbekannt

Punks auf Sylt: Aus der Ferne kaum zu beurteilende Situation

Im Mittelpunkt hätte die Frage danach gestanden, wieso gegen die Punks nicht härter durchgegriffen werde. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Das Problem, derjenigen, die sich ein rigoroses Handeln der Behörden wünschen, ist schon seit der Ankunft der Punks mit Einführung des 9-Euro-Tickets am 1. Juni 2022 das gleiche: Auch wenn von Pöbeleien, dem wilden Urinieren oder nicht gezahlten Kurabgaben zu lesen ist, zu flächendeckenden, anhaltenden und wirklich strafrechtlich relevanten Handlungen kommt es vonseiten der Punks offenbar nicht.

Doch vor allem Gewerbetreibende stören sich an der bloßen Präsenz der bunt frisierten Kutten-Träger und fürchten um ihre Existenz. Inwieweit die Sorge begründet oder bereits messbar – zum Beispiel in Form von Umsatzrückgängen – ist, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen. Das betrifft auch zahlreiche Aussagen der Punks, wie die, der angeblich lebenslang erteilten Strandverbote.

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Punks auf Sylt: Emotionale Aussagen – kaum Fakten

Denn die in den Medien getätigten Aussagen der Händler, Gastronomen und Bewohner sind mehrheitlich emotional eingefärbt – subjektiv sowieso – und bedienen sich teils drastischer Wortwahl. Statt Belege in Form von Zahlen zu nennen, werfen sie oft so gar Fragen aus.

Punks auf Sylt
Herzlich Willkommen: Ob die Begrüßung der Kunden dieses Edeka-Marktes in Westerland auch für die Punks gilt? Die ungewohnten Gäste sind jedenfalls nicht bei allen Syltern willkommen. © Eibner-Pressefoto / Imago

Tom Knuths, Inhaber von Crepes Deluxe an der Dicken Wilhelmine soll bei der Versammlung gefragt haben, „Wie kriminell muss es noch werden?“ – bis die Politiker durchgreifen – und bezieht sich dabei auf zwei mutmaßliche körperlicher Angriffe von Punks auf Passanten. Diese wurden allerdings bisher nicht zur Anzeige gebracht, schreibt das Abendblatt weiter. Warum das nicht geschehen ist, bleibt unklar.

Sylt: Verhalten der Punks rechtfertigt kein härteres Vorgehen

In der hitzigen Debatte werden unter anderem Forderungen nach einem Alkoholverbot oder der Räumung des Stadtparks in Westerland, in den die Punks umgezogen sind, laut. Den Forderungen erteilte der Bürgermeister eine Absage – und argumentiert unter anderem mit der fehlenden rechtlichen Grundlage.

„Wir können nur tun, was wir im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten dürfen.“ 

Nikolas Häckel, Bürgermeister Gemeinde Sylt

Am Beispiel des geforderten Alkoholverbots bedeutet das, dass es „keine Gefahrenlage, die ein pauschales Alkoholverbot rechtfertigt“ gibt. Oder anders ausgedrückt: das von den Punks gezeigte Verhalten, rechtfertigt kein härteres Vorgehen. Teile der bei der Versammlung Anwesenden fühlen sich dann auch von der Politik im Stich gelassen.

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Westerland: Bei Gemeindesitzung – Punks des Rathauses verwiesen

Apropos Alkoholverbot: Mitten während der Debatte erschienen drei Punks im Saal, stilecht mit Bier in der Hand. Sie seien – denn trotz einer öffentlichen und damit für alle offen stehenden Versammlung gibt es immer noch das Hausrecht – von dem Sitzungsleiter wegen ihres Alkoholkonsums in dem öffentlichen Gebäude, der Veranstaltung verwiesen worden.

Diese kleine Anekdote, die sicher irgendwo aufgebauscht zu lesen sein wird, veranschaulicht die unübersichtliche Lage vor allem für Außenstehende und Medien gut. Nach dem Verweis ließen sich die Punks „nicht auf größere Diskussionen ein“ schreibt die Zeitung. Auf dem Flur hätte ein „vermutlich klärendes“ Gespräch mit Bürgermeister Häckel stattgefunden, das „hinterlässt den Eindruck, zumindest ohne weitere Zwischenfälle verlaufen zu sein.“ Wenig Handfestes, viele Vermutungen also und erst recht kein Skandal.

Sylt: Umgang mit Punks weiter unklar – Idee eines Streetworkers verworfen

Wie genau mit den Punks umgegangen werden soll, darüber ist man sich auch nach der Sitzung nicht einig. Seit Wochen ist ein Sicherheitsdienst gegen Punks auf Sylt im Einsatz. Auch das Ordnungsamt stattet den Punks „im Schnitt fünfmal am Tag“ einen Besuch ab. Die frühere Idee eines Streetworkers für die Punks habe man hingegen verworfen. Ein Streetworker stehe Menschen zur Seite, die mit sich und ihrem Leben nicht zufrieden seien und nicht imstande, sich selbst zu helfen. Nikolas Häckel dazu: „Aber die Punks haben kein Problem mit ihrem Leben. Sie sind mit sich und der Welt zufrieden.“

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