„Unkontrollierter Ansturm“

Sylt: Corona-Ausbruch bei Gosch – Gastronom gibt Urlaubern die Schuld

  • Christian Einfeldt
    vonChristian Einfeldt
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Auf Sylt bestätigten kürzlich zwei Gosch-Restaurants mehrere Corona-Infektionen unter ihren Mitarbeitern. Waren die Urlauber Schuld an dem Corona-Ausbruch?

Sylt – Vor wenigen Tagen suchte das Corona-Virus die Nordsee-Insel Sylt auf. In den Gosch-Restaurants „Knurrhahn“ und „Vogelkoje“ hatten sich sieben Gosch-Mitarbeiter infiziert. In der Folge drohten über 1000 Urlauber die Quarantäne*. Die Meldung schlug bundesweit große Wellen. Auf der Insel war es der größte Corona-Ausbruch seit der Lockdown-Rückkehr. Jetzt meldet sich der „Vogelkoje“-Gastronom zu Wort und macht ausgerechnet den Urlaubern schwere Vorwürfe.

Insel:Sylt
Bundesland:Schleswig-Holstein
Fläche:99,14 Quadratkilometer
Bevölkerung:15.169 (2012)

Corona-Ausbruch auf Sylt: Gastronom muss Restaurant wieder schließen

Am Freitag, dem 28. machte eine Nachricht die Runde, die auf der Nordsee-Insel Sylt für großes Chaos sorgen sollte: Sieben Restaurant-Mitarbeiter wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Folge: 29 Mitarbeiter und 55 Gäste aus Nordfriesland mussten sich in Quarantäne begeben. Doch die positiven Corona-Befunde sollten noch weitere Konsequenzen haben.

Innerhalb weniger Tage musste der schleswig-holsteinische Landkreis Nordfriesland 1100 Kontaktpersonen ermitteln. Den abgereisten Urlaubern droht demnach genauso die Quarantäne wie den nordfriesländischen Mitarbeitern.

Der Vorfall war nicht zuletzt für die Sylter Gastronomie ein großer Rückschlag. Seit dem 1. Mai durften Urlauber aus ganz Deutschland wieder die Insel besuchen*: So wurde Sylt zum Modellprojekt auserkoren*. Doch kurz nach der Wiedereröffnung musste Inhaber Gerhard Diehm sein Lokal „Vogelkoje“ direkt wieder schließen.

Im Gegensatz zu anderen Sylt-Wirten, die dreist gegen Corona-Regeln verstoßen, hätte sich sein Betrieb an die geltenden Auflagen gehalten. Fehler sucht der Geschäftsführer nicht bei seinem Lokal, vielmehr seien für den Gastronomen die Urlauber Schuld am Corona-Ausbruch.

Corona-Ausbruch auf Sylt: Waren die Urlauber Schuld?

„Unkontrollierter Ansturm“: Sylt-Gastronom sucht Fehler bei Urlaubern

In einem Interview mit der „Sylter Rundschau“ findet Gerhard Diehm deutliche Worte: „Bei dem unkontrollierten Ansturm auf die Insel war doch nichts anderes zu erwarten“, leitet der Vogelkoje-Betreiber seine Kritik ein. „So gut wie jeder“ könne ohne Problem auf die Nordsee-Insel, die bei Sotheby‘s zu Verkauf steht*, gelangen.

Erst in den Hotels fordere man die Vorlage eines negativen Corona-Tests. Diehm kommen Zweifel und deckt gravierende Lücken im Corona-Konzept seiner Insel auf: „Warum werden die Leute nicht direkt bei der Ankunft oder vor der Abfahrt getestet?“

Bei dem unkontrollierten Ansturm auf die Insel war doch nichts anderes zu erwarten

Sylt-Gastronom Gerhard Diehm

Darüber hinaus kann der Lokal-Inhaber die Corona-Lockerungen*, die auch auf Sylt gelten, nicht nachvollziehen: „Man hätte das alles erst mal in sichere Bahnen lenken sollen“, sagte er. So hätten alle Restaurant-Mitarbeiter gegen Corona geimpft werden müssen, ehe Urlauber massenhaft die Insel strömen. Der Gastronom ist sich sicher, so hätte man den großen Corona-Ausbruch vermieden. Doch Diehm weiß auch: „Hinterher ist man immer schlauer.“

Sylt-Restaurant „Vogelkoje“ bestätigt vier weitere Corona-Fälle

In seinem Lokal war es zunächst nur eine Person, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Mittlerweile ist dem „Vogelkoje“-Inhaber klar, wie sich das Corona-Virus derartig auf der Insel verbreiten konnte. So soll sein infizierter Küchenarbeiter Kontakt zu den Mitarbeitern des Gosch-Restaurants „Knurrhahn“ gehabt haben. Dort griff das Corona-Virus noch drastischer um sich: Gleich sechs Mitarbeiter steckten sich mit dem Virus an. In der „Vogelkoje“ und im „Knurrhahn“ musste die Arbeit niedergelegt werden.

Ging Gerhard Diehm am Donnerstag, dem 27. Mai, noch von nur einer einzigen Person aus, die sich das Corona-Virus einfing, sind es mittlerweile vier Angestellte. Laut Diehm hätten sich seine Mitarbeiter zweimal pro Woche im Testzentrum testen lassen, doch auch das sollte den Corona-Ausbruch nicht verhindern. Gerhard Diehm zeigt sich erschüttert: „Es ist immer so weit von einem weg gewesen, und plötzlich ist es bei einem selbst im Laden passiert“, so der „Vogelkoje“-Besitzer.

Für Diehm ist es aktuell eine Phase, die er aufgrund der Geschehnisse nur schwer überblicken könne. Doch gleichzeitig versucht er Hoffnung zu schöpfen. Einige seiner Mitarbeiter seien mittlerweile vollständig geimpft und die aktuellen Testergebnisse seiner Mitarbeiter fallen bisher alle negativ aus. So sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die „Vogelkoje“ ihren Betrieb wieder aufnehmen könne. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / localpic

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