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„Hölle auf Erden“: Punks sorgen auf Sylt weiter für Chaos – vorläufige Festnahmen

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Von: Kevin Goonewardena

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Auch nach Pfingsten halten sich noch viele Punks auf Sylt auf. Sie sorgen für Chaos, vorläufige Festnahmen und harsche Kritik – aber nicht bei allen.

Sylt – „Saufen, saufen, jeden Tag nur saufen!“ heißt ein Song der Deutschpunkband Betontod. Es ist auch das Motto der Anarchistischen Pogopartei Deutschlands (APPD). Auf der Promi-Insel Sylt nahmen einige der Punks, die sich dort aktuell aufhalten, das in Versform verfasste Verlangen nach dem goldenen Gerstensaft offenbar allzu wörtlich. Sie schlugen über das erlaubte Maß hinaus.

Die Nordseeinsel hat gerade das verlängerte Pfingstwochenende hinter sich – und damit einen ersten Ansturm an Gästen, die mit dem 9-Euro-Ticket auf die Insel gelangt waren, da ist es auch in den Tagen danach zu Auseinandersetzungen auf Sylt gekommen, bei denen die Polizei zur Hilfe gerufen werden musste.

Name:Sylt (dänisch Sild, friesisch Söl)
Kreis:Nordfriesland
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:rund 18.000

Punker entern dank 9-Euro-Ticket Sylt: Polizeieinsätze führen zu zwei vorläufigen Festnahmen

Vor Pfingsten hatten auch zahlreiche Punks zu sogenannten Chaostagen auf Sylt aufgerufen. An Pfingsten sorgten sie nach der Anreise mit dem 9-Euro-Ticket dann für ikonische Fotos in der Fußgängerzone Westerlands – und den ein oder anderen Einsatz der Sylter Polizei. Pfingsten ist nun längst vorbei, die Punks sind immer noch da – und mit ihnen offenbar auch das Chaos. Und Unmut bei dem einen oder anderen Insulaner. 30 bis 40 Punks halten sich nach Medienangaben zurzeit noch auf der Insel auf. Und sie bescheren laut Informationen von t-online und der Bild-Zeitung der Polizei auf Sylt, wo am Nach-Pfingstwochenende die Harley Days stattfinden, weiterhin Arbeit.

Punks in Westerland im Hintergrund das „Cropino“
Punks am Pfingstwochenende in Westerland auf Sylt. Laut „Cropino“-Wirt Mickey Schreiber herrsche auch jetzt noch rund um seinen Laden die „Hölle auf Erden.“ © Axel Heimken/dpa

Unter anderem einen Einsatz in der Fußgängerzone von Westerland, nachdem ein Punk die vor einem Restaurant gehisste Sylt-Fahne kurzentschlossen gegen eine Flagge der APPD ausgetauscht hatte. Als die Polizei anrückte, um die APPD-Flagge wieder einzuholen, meckerte der Punk, bekam einen Platzverweis ausgesprochen und wurde, nachdem er dem keine Folge geleistet hatte, in Gewahrsam genommen. Zudem wurde, so berichtet es das Hamburger Abendblatt, ein 29-Jähriger wegen einer Schlägerei in Gewahrsam genommen. „Zur Verhinderung weiterer Straftaten“, so die Polizei.

Punks sorgen für Chaostage auf Nordseeinsel Sylt: Gastronom beschreibt es als „Hölle auf Erden“

Direkt an dem Platz „Dicke Wilhelmine“ an dem die ikonischen Bilder der Sylter Chaostage Pfingsten 2022 entstanden sind, liegt das Lokal „Cropino“ – und dessen Wirt Mickey Schreiber macht seinem Ärger über die für Sylt ungewöhnlichen Besucher, die mit dem 9-Euro-Ticket gekommen sind, Luft. Es sei die „Hölle auf Erden“ so Schreiber gegenüber t-online.de. Er könne „es nicht anders beschreiben.“ Im Vergleich zum Pfingstwochenende hätte sich auch die Zusammensetzung der Sylt-untypischen Gäste noch mal geändert.

Es sei „nun ein ganz anderes Kaliber“: die Punks schon mittags betrunken, viele aggressiv, um den Platz herum werde wild uriniert. Schreiber, der sich Sorgen um seine Existenz macht, richtet seine Kritik auch an Politik, Polizei und die Medien, die die Situation verharmlosen würden.

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Doch nicht alle teilen die Einschätzung Schreibers zu den Chaostagen auf Sylt, die durch das 9-Euro-Ticket entstanden sind. Zumindest laut einer t-online-Umfrage unter Sylter Gastronomen und Geschäftsleuten. Denn der Tenor der Umfrage lautet, dass die Punks, die sich zurzeit in Westerland aufhalten, zwar betrunken seien, aber friedlich und entspannt. Und auch die Polizei kann chaotische Zustände auf Sylt infolge der Punk-Invasion, die das 9-Euro-Ticket ausgelöst hat, nicht bestätigen.

Sylt: Lage mit Punks laut örtlicher Gastronomen, Geschäftsleute und Polizei entspannt

Denn t-online zitiert eine Polizeisprecherin mit folgender Lagebeschreibung: „Mit den allermeisten kann man gut reden, bis auf die zwei Personen, die jetzt in der Ausnüchterungszelle sind. Da haben sich ein paar Leute mehr oder weniger häuslich eingerichtet. Wir beobachten die Lage mit regelmäßigen Streifenfahrten, das ist alles.“

Doch ist das nur die Ruhe vor dem Sturm? Und die Pfingst-Chaostage auf Sylt nur der Anfang gewesen? Das 9-Euro-Ticket ist gerade erst gestartet, der Sommer noch lang – und weitere Chaostage auf Sylt vorprogrammiert?

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