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Strandhaus Norderstedt: „Sie wollen uns in die Pleite reißen“

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Betrieb im beliebten Restaurant Norderstedt steht seit Monaten still. Pächter und Stadt zanken sich vor Gericht. Urteil noch diesen Monat.

Hamburg – Das Restaurant Strandhaus Norderstedt im Stadtpark der 82.000-Einwohner-Stadt vor den Toren Hamburgs erfreute sich bei Besuchern stets großer Beliebtheit und genoss auch weit über die Grenzen Norderstedts hinaus Bekanntheit. Doch seit mehr als zwei Jahren steht die beliebte Location direkt am Stadtparksee nun bereits leer.

Statt in ihrem Lokal trifft man die Pächter jetzt regelmäßig vor dem Landgericht. Dort liefern sich Geschäftsführerin Janett Farhadi und der kaufmännische Leiter Christoph Clauß einen erbitterten Streit mit den Stadtwerken Norderstedt. Hintergrund ist die Kündigung des Betriebes durch die Stadt.

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Name:Norderstedt
Kreis:Pinneberg
Fläche:58,1 km²
Bevölkerung:rund 82.000 Einwohner

Strandhaus Norderstedt: Streit um Vertragsverlängerung durch ehemaligen Arriba-Chef

Wegen Uneinigkeiten über das gastronomische Konzept des Restaurants kündigte die Stadt in Form der stadteigenen Stadtwerke als Besitzer des Gebäudes den Pächtern den Vertrag. Doch der war erst kurz zuvor um weitere 20 Jahre verlängert worden – plus Option auf weitere zehn Jahre. Verantwortlich für die Vertragsverlängerung ist der damalige Chef des Freizeitbades Arriba, Ruud Swaen. Arriba betreibt nicht nur das mit 3000 Quadratmetern und jährlich 800.000 Gästen größte Erlebnisbad Schleswig-Holsteins, sondern auch das Strandbad im Stadtpark.

Das Strandhaus Norderstedt am Stadtparksee
Konnte sich hier noch in seinem vollen Glanz zeigen: Das beliebte Restaurant Strandhaus am Norderstedter Stadtparksee. Seit zwei Monaten ruht der Betrieb. Pächter und Stadt streiten sich vor Gericht. Ein Urteil wird noch im Oktober erwartet. © Strandhaus Norderstedt

Das Restaurant wiederum ist ein Teil davon. Ruud Swaen, der eigenmächtig den Vertrag ohne das Wissen seines Arbeitgebers verlängert hatte, musste danach gehen – nach 26 Jahren im Unternehmen. Nun streitet sich das Strandhaus-Team und die Stadtwerke um die Wirksamkeit der Kündigung. Ein Urteil hätte eigentlich längst fallen sollen – wurde allerdings bereits drei Mal verschoben.

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Strandhaus Norderstedt: „Sie wollen uns in die Pleite reißen“

Beliebt war das Restaurant vor allem auch bei Hochzeitsgästen, doch heiraten dürfen schon seit Monaten nicht mehr ohne Zustimmung der Stadtwerke stattfinden. Das hatte das Landgericht Kiel bereits in der Vergangenheit entschieden. Auch den Tagesbetrieb haben die Pächter mittlerweile eingestellt. Seit Monaten steht das Strandhaus leer, nichts tut sich. „Sie wollen uns in die Pleite reißen. Damit wir zahlungsunfähig sind und freiwillig rausgehen“, so Christoph Clauß gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Nach Clauß‘ Auffassung habe der Streit vor Gericht lediglich den Zweck, die Pächter „auszutrocknen“. Die Stadt würde vor Gericht immer wieder versuchen, die Vertragsverlängerung zwischen Ruud Swean und den Strandhaus-Pächtern ungültig zu machen. Unter anderem mittels Räumungsklage – und so auch das Verfahren in die Länge ziehen.

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Strandhaus Norderstedt: Ist Vertrag nachträglich abgeändert worden?

Ein wesentlicher Punkt der Klage ist der Vorwurf der Urkundenfälschung. Die Stadtwerke werfen den Pächtern vor, den Vertrag nachträglich gefälscht zu haben. Sie hatten bei dem ersten Vertrag Formfehler beanstandet, die in einer zweiten Fassung, welche die Unterschrift Sweans trug, behoben wurden.

Doch in den Unterlagen des geschassten ehemaligen Arriba-Chefs fand man diese überarbeitete Version nicht – die ursprüngliche fehlerhafte Version allerdings schon. Die Stadtwerke bezichtigen die Pächter nun, die Papiere im Nachhinein gefälscht zu haben.

Strandhaus Norderstedt: Gerichtsurteil noch diesen Monat

Noch diesen Monat soll es zu einem Urteil in der Angelegenheit kommen. Der Richterspruch wird für Dienstag, 25. Oktober 2022, erwartet. Dann wird klar sein, wie es nach mehr als zwei Jahren Stillstand mit der beliebten Norderstedter Location weitergeht – falls das Urteil nicht doch wieder aufgeschoben wird.

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