Tausende Euro für eine Braut

Stieftochter verkauft? Pinneberger wegen Zwangsheirat vor Gericht

  • Jan Knötzsch
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  • Annabel Schütt
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Schwere Vorwürfe gegen einen Pinneberger: Hat er seine Tochter wirklich verkauft? Jetzt muss er sich vor Gericht wegen Zwangsheirat verantworten.

Pinneberg – Liebe? Fehlanzeige! Ein 50 Jahre alten Pinneberger soll seine Stieftochter für sage und schreibe 6.000 Euro an die Familie ihres späteren Ehemannes verkauft haben. Die Ehe wird im Mai 2019 in Rellingen in der Nähe von Hamburg geschlossen. Dann erstattet die Stieftochter Anzeige. Deshalb sitzt der 50-Jährige auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Er soll die 19-Jährige rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung zur Ehe genötigt zu haben. Der Tatbestand der Zwangsheirat – er kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Stadt in Schleswig-Holstein:Pinneberg
Fläche:21,54 km²
Bevölkerung:43.667 (Stand: 31. Dezember 2019)
Vorwahl:04101
Bürgermeisterin:Urte Steinberg (parteilos)

Anzeige gegen türkischen Staatsbürger: Pinnerberger verkauft Stieftochter für 6.000 Euro

Trotz der Anklage wird das Verfahren gegen den türkischen Staatsbürger fallen gelassen, da Aussage gegen Aussage stand. Die Begründung dafür: Auch die Tochter, die zum damaligen Zeitpunkt minderjährig war, soll der Eheschließung zugestimmt haben und einen Anteil des Geldes kassiert haben. Der Stiefvater muss 300 Euro in sechs Raten in Höhe von je 50 Euro an die gemeinnützige Organisation Pro Asyl spenden.

Ein Pinneberger soll seine Tochter für 6.000 Euro an die Familie ihres späteren Ehemanns verkauft haben. (24hamburg.de-Montage)

Der Prozess ruht vorerst, kann aber – wie das Hamburger Abendblatt berichtet – wieder aufgerollt werden. Denn im Laufe der Anhörung stellte sich mehr und mehr heraus, dass es einige „Profiteure“ dieser Hochzeit gegeben hat. Die vom Angeklagten getrennt lebende Ehefrau belastet ihren Mann, sich selbst und ihre Tochter. Und zwar schwer. Die Ehe mit dem jungen Mann aus Elmshorn sei nur zum Schein geschlossen worden. Der Mann habe nicht im gemeinsamen Haus vor den Toren der Hansestadt Hamburg gewohnt.

Prozess gegen Pinneberger wegen Zwangsheirat: Tochter wird vom Gericht gar nicht gehört

Die Tochter habe eigentlich kein Geld erhalten, stattdessen habe sie es sich während eines gemeinsamen Aufenthalts mit der Mutter in Izmir und Istanbul genommen, berichtet das Hamburger Abendblatt. Sie habe der Eheschließung nach einem anfänglich klaren Nein zugestimmt. Damals war die Tochter noch minderjährig. Später soll es Bedrohungen und auch physische Gewalt gegeben haben. Vor Gericht wurde die Tochter nicht angehört. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am Freitag, 4. Juni 2021, um 20:27 Uhr aktualisiert.

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