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Seilbahn Sylt: Irre oder genial? „Möchte nicht, dass Sylt zu Disneyland verkommt“

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Von: Susanne Kröber

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Entspannt mit der Seilbahn übers Wattenmeer statt genervt mit Fähre und Bahn vom Festland nach Sylt? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Die Reaktionen sprechen Bände.

Sylt – Aktuell ist die beliebte Nordseeinsel Sylt mit der Bahn, mit dem Autozug, mit der Fähre oder auch mit dem Flugzeug zu erreichen. Oft kommt es dabei zu Verspätungen, langen Wartezeiten und Staus. Da klingt die Möglichkeit natürlich verlockend, bequem mit der Seilbahn von Niebüll oder Klanxbüll einzuschweben, Aussicht aufs Wattenmeer aus der Gondel inklusive.

Insel in Schleswig-Holstein:Sylt
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:18.118 (2019)
Inselgruppe:Nordfriesische Inseln
Hauptort:Westerland
Gewässer:Nordsee

Diesen Plan unterbreitete jetzt die Unternehmensgruppe Rethmann laut SHZ dem Verkehrsministerium in Kiel. Mit Unterstützung der beiden Tochterunternehmen Remondis und Transdev solle so die Mobilitätswende unterstützt werden. Auch auf Sylt, Heimat zahlreicher Promis, könnte ein Seilbahnbetrieb in Betracht gezogen werden, um so für eine Verkehrsentlastung auf der Insel zu sorgen. Die Reaktionen auf das ehrgeizige Projekt schlagen nun hohe Wellen.

Seilbahn Sylt Reaktionen: Innovative Idee oder schlechter Aprilscherz?

100 Millionen Euro, so hoch sind die geschätzten Kosten für eine acht Kilometer lange Seilbahnstrecke zwischen Sylt und dem Festland. „Für 100 Millionen Euro kann ich ja einen Tunnel bauen“, gibt Dirk Erdmann, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes Sylt (Dehoga), gegenüber dem SHZ zu bedenken. Und er ist nicht der einzige, der Zweifel an den ehrgeizigen Gondel-Plänen anmeldet.

Eine Seilbahn vor der friesischen Insel Sylt in der Nordsee
Seilbahn nach Sylt? Die Meinungen gehen auseinander. (24hamburg.de-Montage) © dpa/imago

Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, der Autos komplett von Sylt verbannen will, zeigt sich gegenüber dem Hamburger Abendblatt verwundert: „Eine überraschende Lösung, um unser Verkehrsproblem lösen zu wollen, die aber auch viele praktische Fragen aufwirft. Ich persönlich möchte aber in keinem Fall, dass Sylt zum Disneyland verkommt.“ Noch deutlicher wird Häckel in einer Nachricht, die dem SHZ vorliegt: „Ich habe aus der Zeitung davon erfahren und mich köstlich amüsiert. Aber es ist ja auch der 11.11., Beginn des Karneval.“

Seilbahn nach Sylt: Realitätsfern aufgrund von Wetterbedingungen und Naturschutz?

Friedhelm Bahnsen, Bürgermeister der schleswig-holsteinischen Gemeinde Klanxbüll, äußert sich gegenüber dem Nordfriesland Tageblatt äußerst skeptisch, was die Pläne einer Seilbahn nach Sylt angeht. „Ist das ein Aprilscherz? Ich glaube nicht, dass es im Nationalpark Wattenmeer dafür eine Genehmigung gibt. Technisch ist es sicher machbar, nichts ist unmöglich. Doch Wind und Wetter stehen dem entgegen.“ Mit dieser Befürchtung steht Bahnsen nicht alleine da.

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„Das ist nicht machbar. Wir befinden uns zwischen Sylt und dem Festland mitten im Weltkulturerbe. Zudem wäre die technische Umsetzung schwierig. Jeder weiß aus dem Skiurlaub, dass bei Wind der Gondelverkehr eingestellt wird. Wie soll da ein zuverlässiger Transport stattfinden?“, gibt Achim Bonnichsen, Sprecher der Pendlerinitiative Husum-Westerland, laut Nordfriesland Tageblatt zu bedenken.

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Nach Reaktionen auf die Seilbahnpläne für Sylt rudert Rethmann zurück

„Es ist lediglich eine Idee, es gibt keine ausgearbeiteten Pläne. Aber vor dem Hintergrund, dass es in anderen Ländern durchaus üblich ist, Gondeln im Nahverkehr einzusetzen, gilt es darüber nachzudenken“, erklärt Rethmann-Unternehmenssprecher Marcel Derichs nun laut Hamburger Abendblatt. „Es ist nur eine Anregung, mehr ist es aber auch nicht. Entscheiden müssten das die Kommunen.“

Und diese Anregung stößt bei aller Kreativität nicht auf offene Ohren. „Wir sind dankbar für jede ambitionierte Idee, unsere überlastete Marschbahnstrecke zu entschlacken, aber für den Bau einer Seilbahn durch das Weltkulturerbe Nationalpark Wattenmeer fehlt mir tatsächlich die Fantasie“, nimmt Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, der Idee im Interview mit dem Hamburger Abendblatt den Wind aus den Segeln. „Wir wären schon froh, wenn wir es in absehbarer Zeit schaffen, einen Fahrdraht über die Gleise zu spannen, damit wir die Marschbahnstrecke von Itzehoe nach Westerland endlich durchgehend elektrifiziert bekommen.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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