Schleswig-Holsteins Landtagsvize

27-jährige Aminata Touré gegen Rassismus auf dem Land

  • Carolina Baldin
    vonCarolina Baldin
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Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA erschüttert zutiefst. Jetzt fordert die schleswig-holsteinische Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré Konsequenzen - auch in Deutschland.

Kiel - Aminata Touré ist 27 Jahre alt und Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein. Bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen ist sie Sprecherin für Migration, Frauen und Gleichstellung, Kinder und Jugend, Queer-Politik und Antirassismus. Nach dem brutalen Tod von George Floyd in den USA betont Aminata Touré, dass Rassismus auch in Deutschland ein Problem sei.

Politikerin Aminata Touré
Geboren15. November 1992 (Alter 27 Jahre), Neumünster
AusbildungChristian-Albrechts-Universität zu Kiel (2016)

Aminata Touré, Schleswig-Holsteins Landtagsvizepräsidentin, kritisiert Lage in Deutschland

Der Tod von George Floyd hat dazu geführt, dass weltweit Schwarze Communitys auf die Straßen gehen. Nicht nur in den USA gibt es Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auch in Deutschland ist das Thema „Black lives matter“ so präsent wie nie.

Die aktuelle Lage nimmt die 27-jährige Aminata Touré zum Anlass, um auch für Deutschland Konsequenzen zu fordern. „Für mich wäre wichtig, dass im Bildungsbereich das Thema Kolonialismus und Rassismus viel intensiver bearbeitet wird und Lehrerinnen und Lehrer entsprechend ausgebildet werden“, so die Grünen-Politikerin gegenüber der Welt mit Blick auf den in Schleswig-Holstein 2017 vereinbarten Landesaktionsplan gegen Rassismus. Gleiches gelte für die Aus- und Fortbildung bei der schleswig-holsteinischen Polizei. Es müsse thematisiert werden, woher Rassismus kommt und wie man sich dagegen immunisieren kann.

Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré fordert, dass das Thema Rassismus im Bildungsbereich intensiver bearbeitet wird. (Archivbild)

Aminata Touré macht deutlich: „Es reicht nicht!“

Obwohl Aminata Touré die starke Solidarität der Menschen zu den aktuellen Geschehnissen in den USA wahrnimmt, macht sie dennoch deutlich, dass noch mehr getan werden müsse.

Es reicht [...] nicht, etwa bei einer Social-Media-Aktion mitzumachen oder sich einmal an einer Kundgebung zu beteiligen. Das macht einen Menschen nicht zum Antirassisten.

Aminata Touré

„Wir wachsen alle in einer Gesellschaft auf, in der Rassismus üblich ist. Wir müssen Rassismus entlernen“, betont die 27-Jährige im Interview mit der Welt.

Rassismus findet überall statt - auch in Deutschland

George Floyds Tod emotionalisiert und solidarisiert. „Das ist ein Schmerz, den gerade viele schwarze Menschen weltweit teilen“, so Aminata Touré. Doch nach all der Trauer und der Wut denkt die junge Landtagsvizepräsidentin vor allem darüber nach, welche politischen Konsequenzen daraus folgen müssten. Obwohl sich Gewalt und Rassismus auf den einzelnen Kontinenten voneinander unterscheiden, finden sie dennoch überall statt - auch in Deutschland. Auch der Hamburger Patrick "Coach" Esume* weiß von Rassismus in Hamburg* zu berichten.

Aber nicht nur innerhalb der Schulen in Schleswig-Holstein sowie in den Aus- und Fortbildungen der Polizei soll für das Thema sensibilisiert werden. Aminata Touré fordert außerdem, dass zivilgesellschaftliche Organisationen finanziell unterstützt und in politische Prozesse eingebunden werden.

Die Grüne-Politikerin konnte zudem erste Erfolge verbuchen: „In den letzten Haushalt konnte ich bereits hinein verhandeln, dass unser Justizpersonal in Bezug auf Rassismus fortgebildet wird. Im nächsten Jahr wollen wir den Landesaktionsplan beschließen.“

Aminata Touré ist die erste schwarze Politikerin im Kieler Landtag

Geboren wurde Aminata Touré 1992 in Neumünster als Tochter malischer Flüchtlinge. Mit 12 Jahren bekam sie die deutsche Staatsbürgerschaft. 2011 machte sie ihr Abitur und studierte anschließend an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Politikwissenschaft und französische Philologie. Bereits mit 19 Jahren trat sie den Grünen bei und wurde kurz darauf Mitarbeiterin bei der Abgeordneten Luise Amtsberg. Am 28. August 2019 wurde Aminata Touré zu Schleswig-Holsteins Landtagsvizepräsidentin gewählt. Damit ist sie nicht nur die erste afrodeutsche, sondern auch jüngste Vizepräsidentin eines deutschen Landtages.

Quelle: 24hamburg.de*

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa/picturealliance

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