Bad Segeberg: Abschiebung in Krisenzeiten

Trotz Coronavirus: Krankenpfleger in Bad Segeberg soll abgeschoben werden

  • Enno Eidens
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Der Ägypter Jamar A. lebt seit sieben Jahren in Deutschland. Nun soll der Krankenpfleger mitten in der Coronavirus-Krise aus Schleswig-Holstein abgeschoben werden, weil er keinen Pass aus seinem Heimatland bekommt.

  • Jamar A. (22) ist Pflegehelfer in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein.
  • Der Ägypter wohnt seit sieben Jahren in Deutschland und hat Asyl beantragt.
  • Weil Ägypten ihm keinen Pass ausstellt, soll er nun trotz Coronavirus-Krise abgeschoben werden.

Bad Segeberg – Um seine Ausbildung zu beginnen, braucht er einen Ausweis seines Heimatlandes. Von Ägypten, dem Land, aus dem Jamar A. vor sieben Jahren geflohen ist. Inzwischen arbeitet er als Pflegehelfer in Bad Segeberg (nördlich vom Hamburg) und möchte dort eine Ausbildung beim Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein absolvieren. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, denn Ägypten wird als sicheres Herkunftsland bewertet. Die Verantwortlichen im Kreis Segeberg sehen keine verfolgungsrelevanten Fluchtgründe, berichtet die taz.

Coronavirus zum Trotz: Ägyptischer Pflegehelfer in Bad Segeberg soll abgeschoben werden

Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein hat die Ablehnung von Jamars Asylantrag im Januar 2020 bestätigt. Aktuell lebt er mit einer Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. Damit darf er auch arbeiten. Angestellt ist er als Pflegehelfer im Rehabilitations- und Pflegebereich des Psychiatrischen Krankenhauses in Rickling. Für eine Duldung seiner geplanten Ausbildung braucht es allerdings einen Ausweis. Den aus Ägypten zu bekommen kann bis zu anderthalb Jahre dauern!

Schleswig-Holstein ist Spitzenreiter bei Abschiebungen. 457 Menschen wurden im letzten Jahr in ihre Heimatländer gebracht. Seit Januar räumt der Gesetzgeber bei Asylanträgen mehr Spielraum bei Ausbildungsduldungen ein. Wenn Jamar nachweisen kann, dass er alles mögliche für einen Pass getan hat, könnte er trotzdem eine Duldung bekommen und in Bad Segeberg bleiben. Wenn das nicht funktioniert, wäre ein Antrag bei der Härtefallkomission des Schleswig-Holsteiner Landesinnenministeriums nötig, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen.

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Die Zeit rennt und es geht darum, einem Freund zu helfen, damit dieser nicht abgeschoben wird. Jamar kam vor fast 7 Jahren nach Deutschland und floh so davor zwangsweise im Militär eingesetzt zu werden. Hier hat er die deutsche Sprache gelernt, seinen Schulabschluss absolviert und sich zum Altenpflegehelfer ausbilden lassen. Noch dieses Jahr möchte er die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beginnen. Doch nun steht alles auf der Kippe. Jamar soll kein Bleiberecht erhalten und abgeschoben werden, zurück in Ägypten drohen ihm 2 Jahre Haft. Seine letzte Hoffnung ist ein Antrag bei der Härtefallkommission und das schon bis Ende des Monats. Die Zeit drängt, jetzt heißt es #deutschlandfuerjamar und auch, dass wir das verwirklichen, was viele von uns schon als Hashtag benutzt haben, nämlich #segebergbleibtbunt 🎉

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Rubriklistenbild: © instagram/@justinweiss00

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