Wahnsinniges Waffenarsenal

84-jähriger Rentner hat Panzer im Keller stehen – Prozessauftakt in Kiel

  • Fabian Raddatz
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Flakgeschütz, Waffen, Munition – und ein Panzer: Es brauchte 20 Soldaten, um das Kriegsarsenal eines Kieler Rentners zu bergen. Heute startet der Prozess.

Kiel – Sommer 2015 im schicken Kieler Nobelvorort Heikendorf. Einsatzkräfte schleppen schweres Kriegsgerät aus der Villa eines 84-jährigen Rentners: ein 8,8-Zentimeter-Flakgeschütz, einen Torpedo, einen Mörser vom Kaliber 5 Zentimeter, Maschinen- und Sturmgewehre, halb- und vollautomatische Pistolen sowie mehr als 1000 Schuss Munition.

Globaler Krieg:Zweiter Weltkrieg
Beginn:1. September 1939, Überfall auf Polen durch Deutschland
Ende: 2. September 1945, Kapitulation Japans
Todesopfer:Mehr als 60 Millionen Menschen

Unfassbar: Sogar einen ganzen Panzer hat der 84-Jährige im Keller! Typ „Panther“, damit kämpfte die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Rund neun Stunden brauchten die knapp 20 Bundeswehr-Soldaten bei sommerlichen Temperaturen, um den Panzer mit einem Gewicht von rund 40 Tonnen aus dem Haus zu hieven und auf einen Tieflader zu schieben.

Rentner hat Panzer im Keller: Prozessbeginn in Kiel

Der Fund war purer Zufall: Eigentlich suchte die Staatsanwaltschaft nach Nazi-Kunst, erwirkte deshalb eine Hausdurchsuchung bei dem Rentner. Doch nun muss sich der Mann für sein Waffen-Arsenal vor dem Kieler Landgericht verantworten. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in mehreren Fällen. Wird der Rentner schuldig gesprochen, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

Diesen „Panther“-Kampf-Panzer zogen Behörden aus dem Haus eines Kieler Renters. Auch ein Flak-Geschütz besaß der Mann (unten links). (24hamburg.de-Montage)

Strafkammer streitet über Funktionstüchtigkeit der Waffen des Rentners weitgehend ab

Im Kern des Verfahrens geht es darum, ob alle vom Besitzer gehorteten Waffen funktionsfähig seien. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht dem Rentner eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Doch bereits im Vorfeld des Prozesses, der am 28. Mai 2021 in Kiel startet, verdichten sich die Vermutungen, dass das Urteil für den 84-Jährigen milder ausfallen könnte.

Nach mehreren vom Gericht beauftragten Gutachten geht die 7. große Strafkammer davon aus, dass es sich „nur bei der sichergestellten Flugabwehrkanone um eine Kriegswaffe handeln dürfe“. So falle weder der Panzer noch die weiteren gehorteten Geschütze unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ihre Einsatzfähigkeit stritt die Strafkammer ab. Der Strafverteidiger des Rentners fühlt sich in den Beschluss „weitgehend bestätigt“.

Rentner sei „in seinem langen Leben strafrechtlich in keiner Weise“ vorbelastet

Der 84-Jährige aus Heikendorf sei „in seinem langen Leben strafrechtlich in keiner Weise“ vorbelastet. Die Waffen seien nicht verwendbar gewesen und „sollten es auch nicht sein“, versicherte Verteidiger Gerald Goecke. Ob sich die neuen Aussagen bewahrheiten, stellt wahrscheinlich Anfang Juli heraus. Dann soll das offizielle Urteil verkündet werden.

Skurrile Gerichtsverfahren gibt es auch in der Stadt Hamburg: So musste sich kürzlich der legendäre Betrüger „Milliarden-Mike“ vor Gericht verantworten. Auch ein Prozess um einen Nachbarschafts-Streit, bei dem ein Physiker offenbar seinen Nachbarn totfahren wollte, sorgte für Aufsehen.

Transparenzhinweis: Die Aussagen der Strafkammer und des Verteidigers wurden diesem Artikel am 28. Mai 2021 nachträglich hinzugefügt.* 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa

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