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Mauerfall auf Sylt: Endlich soll das ungeliebte Bauwerk weg

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Von: Dagmar Schlenz

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In Westerland auf Sylt wurde wegen der Punks ein Durchgang durch Betonblöcke versperrt. Anwohner waren genervt, jetzt soll die Mauer wieder abgerissen werden.

Westerland/Sylt – Seit Pfingsten 2022 herrscht Ausnahmezustand in der Innenstadt von Westerland auf Sylt. Punks hatten mit dem 9-Euro-Ticket die Nordseeinsel Sylt geentert – und waren geblieben. Um den Brunnen bei der „Dicken Wilhelmine“, einem der Wahrzeichen von Westerland, hatten sie sich häuslich eingerichtet. Da die ungebetenen Gäste auf Sylt den Brunnen und einen nahegelegenen Durchgang als Toilette missbrauchten, wurde der Brunnen eingezäunt und der Durchgang mit Betonblöcken verschlossen. Der Zaun um die „Dicke Wilhelmine“ wurde nach Protesten schnell wieder entfernt, jetzt soll auch die Mauer fallen.

Name:Westerland (Friesisch: Weesterlön)
Gemeinde:Sylt / Ortsteil Westerland
Bürgermeister:Nikolas Häckel (parteilos)
Einwohner:9032 (Stand 2007)
Punks und Aussteiger im Protestcamp:Mindestens 50 (Schätzung)

Mit Mauern und Zäunen gegen die Punks auf Sylt

Es war schon ein ungewohntes Bild, dass sich Einheimischen und Urlaubern in der Innenstadt von Westerland geboten hatte: Punks und Aussteiger mit Dosenbier saßen um den Brunnen bei der „Wilhelmine“, um bei den Reichen auf Sylt zu feiern und zu chillen. Und das ganze Bier musste ja irgendwo hin, also nutzte man vor allen Dingen den Durchgang hinter dem Brunnen zum „Wildpinkeln“. Verständlicherweise stieß das bei Anwohnern, Bistro- und Kioskbesitzern nicht auf Begeisterung. Die Lösung des Problems löste allerdings bei so manchem Kopfschütteln aus.

Ein Bauzaun wurde um den Brunnen errichtet und der Durchgang mit großen Betonblöcken verschlossen, die ein LKW angeliefert hatte. Nach Angaben des lokalen TV-Senders „Sylt1“ sollen die weißen Blöcke extra für diesen Zweck angefertigt worden sein. Die Kritik an den Maßnahmen ließ nicht lange auf sich warten und der Zaun wurde schon nach knapp einer Woche wieder entfernt – ebenso wie das Wasser aus dem Brunnen, der selbst den Punks mittlerweile zu eklig war. Geblieben ist die Mauer, sehr zum Leidwesen der Besitzerin eines Reformhauses, zu dem der Durchgang führte.

Weiße Betonblöcke mit Graffiti, davor ein Tisch und eine künstliche Eiswaffel. Steine des Anstoßes auf Sylt: Die Betonblöcke vor dem Durchgang zum Reformhaus in Westerland sollen entfernt werden.
Steine des Anstoßes auf Sylt: Die Betonblöcke vor dem Durchgang zum Reformhaus in Westerland sollen entfernt werden. © Dagmar Schlenz

Punks auf Sylt: Mauer in Westerland wird abgerissen

Schon direkt nach der Errichtung der Mauer, die den Durchgang zum Reformhaus in Westerland versperrt, waren kritische Stimmen zu hören. „Werden die jetzt eingemauert?“, fragte sich eine Userin auf Facebook und meinte damit vermutlich eher die Punks in Westerland, als die Anwohner und Gewerbetreibenden hinter dem Durchgang. Katrin Eicker, Inhaberin des Reformhauses Schulze, forderte schon in der ersten Woche: „Die Mauer muss weg!“ Lange blieb die Sylter Geschäftsfrau ungehört, doch bald werden ihre Kundinnen und Kunden ihren Laden wieder ungehindert erreichen können.

Am vergangenen Dienstag, dem 9. August 2022, tagte der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt im Rathaus in Westerland. Es ging um die „Verbesserung der aktuellen Situation in der Westerländer Innenstadt“. Hinter diesem Tagesordnungspunkt verbarg sich nicht etwa eine Diskussion über teure Mieten in der Friedrichstraße oder eine attraktiver gestaltete Fußgängerzone. Nein, es ging – wie seit mehr als zwei Monaten – um die Punks.

Die leben mittlerweile in einem Protestcamp vor dem Rathaus in Westerland. Da sich das „Problem“ also räumlich verlagert hat, stand der „Rückbau der Mauer am Durchgang zum Reformhaus“ auf der Tagesordnung. Vom Hauptausschuss wurde mehrheitlich entschieden, die Mauer vor dem Durchgang zum Reformhaus am Donnerstag, 11. August, abzureißen, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Der Aufbau der Betonmauer hat den Steuerzahler übrigens etwa 1400 Euro gekostet, für den Abbau wird mit ähnlichen Kosten gerechnet, so eine Sprecherin der Gemeinde Sylt gegenüber 24hamburg.de.

Punks ziehen in Protestcamp vor dem Rathaus in Westerland

Die Punks und Aussteiger, die zur Errichtung der Mauer in der Innenstadt von Westerland geführt haben, kampieren mittlerweile im Stadtpark vor dem Rathaus von Westerland. Zuvor hatten viele von ihnen am Strand geschlafen, doch nachdem man einigen der Punks angeblich lebenslanges Strandverbot erteilt hatte, musste ein neuer Schlafplatz gefunden werden. Der Park vor dem Rathaus war von öffentlicher Seite schon mehrfach ins Gespräch gebracht worden, und so errichteten die neuen Inselgäste dort ihr Lager.

Nach massiven Kontrollen durch das Ordnungsamt, von denen sich die Camp-Bewohner auf Sylt regelrecht terrorisiert fühlten, meldete einer von ihnen kurzerhand ein Protestcamp an. Um dauerhaft als Versammlung anerkannt zu werden, müssen von den Teilnehmenden regelmäßig politische Veranstaltungen durchgeführt werden. Als Ziele haben die Bewohner des Protestcamps „Bezahlbaren Lebensraum für alle“ und „Umverteilung von Reichtum“ genannt. Als Gesprächspartner waren schon der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und Rainer Chinnow, Pastor der Norddörfer-Gemeinde, im Camp zu Besuch. Weitere Aktionen sind geplant.

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