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Gekommen um zu bleiben: Punks auf Sylt haben einen Plan

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Von: Dagmar Schlenz

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Die Punks auf Sylt haben angekündigt, ihr Protestcamp vor dem Rathaus zu räumen. Auf der Nordseeinsel wollen sie trotzdem bleiben – und haben schon einen Plan.

Westerland/Sylt – Etwa sechs Wochen lang hatten die Punks in einem Park in Westerland auf Sylt ihre Zelte aufgeschlagen, jetzt wollen sie gehen. Doch nicht von der Insel, sondern nur aus dem kleinen Park gegenüber vom Rathaus. Ihr Protestcamp auf Sylt wurde am 31. August 2022 vom Kreis Nordfriesland aufgelöst, ein Gericht bestätigte jetzt die Entscheidung. Doch die Punks haben einen Plan, wie sie trotzdem auf der Insel bleiben können – ganz legal.

Name:Westerland (Friesisch: Weesterlön)
Gemeinde:Sylt / Ortsteil Westerland
Bürgermeister:Nikolas Häckel (parteilos)
Einwohner:9032 (Stand 2007)
Punks und Aussteiger im Protestcamp:Mindestens 50 (Schätzung)

Punks auf Sylt kündigen Räumung des Camps an

Der Gerichtsentscheid wurde den Bewohnern persönlich überbracht: Die Auflösung ihres Protestcamps am 31. August 2022 durch die Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland war rechtmäßig. Als Begründung nannte das zuständige Verwaltungsgericht Schleswig in einer Presseinformation, durch das Camp sei mittlerweile eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit eingetreten. Die Punks sind enttäuscht von der Entscheidung. Sie wollten eigentlich mit ihrem Camp in Westerland als politische Aktion weitermachen, so einer der Mitorganisatoren gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Polizei und Ordnungsamt forderten die Protestierenden nun auf, ihre Zelte im Park zeitnah abzubauen. In einem Plenum der Camp-Bewohner wurde über Optionen diskutiert, am Ende sprach sich die Mehrheit dafür aus, das Camp zu räumen. Diese Entscheidung dürfte besonders bei einigen Hoteliers in der Nähe des Camps mit Erleichterung aufgenommen werden. Viele ihrer Gäste hatten sich über die lärmenden Camp-Bewohner beschwert, insgesamt kamen nach ihrer Auffassung auch durch die Punks weniger Touristen nach Sylt als in den Vorjahren.

Punks auf Sylt: 450 Ruhestörungen angezeigt

Das Camp der Punks im Rathauspark war Anfang August durch die zuständige Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland als Versammlung anerkannt und für maximal 50 Personen genehmigt worden. Eine Verlängerung über den 31. August 2022 hinaus lehnte die Behörde allerdings ab. Es habe nicht nur vom Sylter Ordnungsamt, sondern auch von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern Beschwerden gegeben. Die Teilnehmer des Camps würden nachts grölen, singen, schreien und streiten. Auch tagsüber habe es eine beträchtliche Lärmentwicklung gegeben, unter anderem durch Musik und Kundgebungen via Megafon.

Ein Paar Springerstiefel steht neben einem Baum. Die Punks auf Sylt müssen ihr Protestcamp räumen, doch sie wollen auf der Insel bleiben.
Die Punks auf Sylt müssen ihr Protestcamp räumen, doch sie wollen auf der Insel bleiben. (Symbolbild) © Dagmar Schlenz

Und tatsächlich hatten die Aktivistinnen und Aktivisten in den letzten Wochen einiges organisiert, unter anderem eine kontroverse Diskussionsrunde mit CDU-Politiker Wolfgang Schäuble. Auch ein prominenter Vertreter der Linken suchte das Gespräch mit den Bewohnern: Gregor Gysi, für den man im Camp schon mal ein Bier kaltgestellt hatte. Sein Parteigenosse Jörg Otto ist einer der Mitorganisatoren des Camps. In dieser Funktion hat er nun eine Zahlungsaufforderung in Höhe von 10.000 Euro erhalten, wie er gegenüber dem Hamburger Abendblatt berichtet. Es handelt sich um Geldstrafen wegen insgesamt 450 angezeigter Ruhestörungen, dazu Prozesskosten.

Punks wollen sich auf Sylt obdachlos melden

Viele der verbleibenden Camp-Bewohner sind obdachlos, wollen aber auf der Nordseeinsel bleiben. Damit das nach der Räumung des Camps legal möglich ist, planen sie, sich auf Sylt obdachlos zu melden. Beim Einwohnermeldeamt der Gemeinde wollen die Punks dann als Lebensmittelpunkt die Insel Sylt angeben, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Bleibt die Frage, wo sie dann wohnen werden, denn Unterkünfte sind auf Sylt rar gesät und statt Dauerwohnraum entstehen auf Sylt noch weitere Hotels.

Das ist auch einer der Themenschwerpunkte der Protestierenden aus dem Camp. Um mit dem harten Kern die politische Arbeit auf Sylt fortzusetzen, plant Jörg Otto die Gründung eines Vereins mit dem Namen „Sylt für alle e.V.“, dem etwa 15 Punks beitreten wollen. Andere Camp-Bewohner wollen nach der Räumung des Protestcamps die Nordseeinsel verlassen. Was auch ohne 9-Euro-Ticket günstig möglich ist, denn man kommt nicht nur für weniger als 9 Euro mit dem Zug nach Sylt, sondern auch wieder herunter.

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