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Nach massiver Kritik: Sylt baut Zaun gegen Punks wieder ab

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Von: Dagmar Schlenz

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Punks in Westerland auf Sylt gehören seit Pfingsten zum Straßenbild. Viele Anwohner sind bereits genervt. Jetzt gibt es erste Maßnahmen gegen „Wildpinkler“.

Update vom 27. Juni 2022, 16:00 Uhr: Betonblöcke und Bauzäune sollten in Westerland auf Sylt die Punks davon abhalten, einen Durchgang und den Brunnen bei der „Dicken Wilhelmine“ als Toilette zu missbrauchen. Besonders der Bauzaun um den Brunnen war vielen ein Dorn im Auge. Bald zierte ein handgeschriebenes Schild die Barriere, darauf war zu lesen: „Kleingeld für die Freilassung der Wilhelmine. Sie ist unschuldig.“ Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, wurde der Zaun nach heftiger Kritik jetzt abgebaut - die „Wilhelmine“ ist wieder frei.

Kurz zuvor hatte der Bürgermeister von Sylt die Maßnahme noch verteidigt: „Natürlich ist die Abgrenzung heiß diskutiert, polarisiert und die ‚Punks‘ gehen damit auf ihre Weise polarisierend um. Dennoch war dieses Zeichen wichtig, denke ich“, sagte Nikolas Häckel am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa. Offenbar wurde der öffentliche Druck nun zu groß.

Insel:Sylt
Einwohner:Ca. 14.000
Fläche:57,31 km2
Ziel der Punks:Westerland

Punks in Westerland auf Sylt eingemauert – Kritik an Bauzaun

Ursprungsartikel vom 22. Juni 2022: Westerland – Auf der Nordseeinsel Sylt hat man seit Pfingsten mit einer neuen Art von Gästen zu tun: Punks haben mit dem 9-Euro-Ticket die Insel geentert und seitdem vor allen Dingen einen Platz in der Innenstadt von Westerland fest im Griff. Viele sind friedlich, doch es kommt auch immer wieder zu Sachbeschädigungen und Verunreinigungen. Auch die Umsätze einiger Restaurants und Geschäfte sind wegen der Punks rückläufig. Erste Stimmen wurden laut, man könne auf Sylt so nicht bis August durchhalten.

Punks und Bauzaun an der „Dicken Wilhelmine“ auf Sylt
Maßnahme gegen Punks: Nach heftiger Kritik wurde der Bauzaun um den Brunnen mit der „Dicken Wilhelmine“ in Westerland auf Sylt wieder abgebaut. © A.G. und Axel Heimken/dpa

Nachdem es schon einige Diskussionen gegeben hat, wie man mit den Punks in Westerland umgehen soll, wurden jetzt offensichtlich erste Maßnahmen ergriffen. Am Brunnen bei der „Dicken Wilhelmine“, an dem sich viele Punks aufhalten, um zu chillen und zu feiern, ist ein LKW mit Betonblöcken eingetroffen. Der lokale TV-Sender „Sylt1 – das Sylter Fernsehen“ war live vor Ort und zeigt in einem Video auf Facebook, wie die Blöcke abgeladen werden.

Ziel der Aktion ist es offensichtlich, einen Durchgang zu verschließen, der von dem Brunnen zu einem Parkplatz führt. Die insgesamt 13 Betonblöcke sollen extra für diesen Zweck auf der Insel hergestellt worden sein. Sie werden nun aufgestapelt, damit insbesondere die Punks nicht mehr in den Durchgang gelangen. Einige von ihnen hatten ihn in der Vergangenheit als Toilette missbraucht.

Links eine mit Graffiti besprühte Mauer vor einem Durchgang, rechts feiernde Punks. Auf Sylt soll eine Mauer Abhilfe gegen „Wildpinkler“ schaffen.
Punks auf Sylt: Eine Mauer soll Abhilfe gegen „Wildpinkler“ schaffen. © Dagmar Schlenz/A.G./Montage

Maßnahmen gegen Punks in Westerland: Anlieger auf Sylt besser schützen

Beim Abladen der ersten Betonblöcke in der Innenstadt von Westerland war Nikolas Häckel, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Sylt, persönlich anwesend. Gegenüber Sylt1 erklärt er, dies sei eine der Maßnahmen, um diesen Bereich und die Anlieger mehr zu schützen. Offensichtlich will man in den kommenden Wochen besser gewappnet sein, denn bereits zum Ferienbeginn Anfang Juli haben Linke eine Demo in Westerland angekündigt.

Auch für den Brunnen, an dem sich die Punks gerne aufhalten, kündigte der Bürgermeister vor Ort Maßnahmen an. Das Wasser, das die Punks für ein kleines Bad oder zum Kühlen von Getränken genutzt haben, wurde bereits abgelassen. Als Nächstes solle der Bereich um den Brunnen mit Bauzäunen abgesperrt werden, um die „Dicke Wilhelmine“ vor Beschädigungen zu bewahren, so Häckel.

Punks in Westerland: „Werden die jetzt eingemauert?“

Die Reaktionen auf die Aktion mit den Betonblöcken sind sehr unterschiedlich. Die Punks scheinen das Treiben um sie herum gelassen hinzunehmen. Der Betreiber des Crêpe-Ladens direkt neben dem Durchgang begrüßt die Aktivitäten der Gemeinde Sylt und hofft, dass die Maßnahmen fruchten. Auf Facebook hält man das Ganze dagegen eher nicht für wirkungsvoll.

Ein User weist darauf hin, dass es dort immer noch ein paar Stellen zum Urinieren gibt und hat den Tipp, lieber ein paar Dixi-Klos aufzustellen. Viele machen sich über die Aktion lustig. So fragt sich eine Facebook-Userin, ob die Punks jetzt eingemauert werden sollen und hält das Ganze für Mega-Schwachsinn.

Und was soll das für einen Sinn machen? Werden die Mädels und Jungs jetzt eingemauert? Sorry, aber in meinen Augen ein mega Schwachsinn.

Sylta L. auf Facebook als Reaktion auf den Beitrag von Sylt1 zur Maßnahme in der Westerländer Innenstadt

Während einer der Facebook-User sich fragt, ob man Menschen nur noch mit Betonblöcken in Schach halten kann, sieht ein anderer in den Steinen „Achtsamkeitsquader“, die deeskalierend wirken sollen.

Das sind keine Betonblöcke, das sind Achtsamkeitsquader. Wirken ganz sicher deeskalierend auf die Situation und schrecken weitere Gruppierungen ab, auch noch hier aufzuschlagen.

Michael E. auf Facebook als Reaktion auf den Beitrag von Sylt1 zur Maßnahme in der Westerländer Innenstadt

Es gibt auch noch weitere kreative Vorschläge, wie die Nutzung der ausgemusterten Tetrapoden, die Sylt vor der Nordsee und dem möglich Untergang schützen sollten. Auf der Insel Sylt scheint man jetzt auf jeden Fall wild entschlossen, sich die Sommersaison nicht durch die Punks kaputt machen zu lassen. Die freuen sich indes über die großzügigen Urlauber auf Sylt, die viel spendabler seien als auf dem Festland.

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