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Protestcamp auf Sylt: Das wollen Punks und Aktivisten erreichen

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Von: Dagmar Schlenz

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Punks und linke Aktivisten haben auf Sylt ein Protestcamp errichtet und bekommen viel Aufmerksamkeit. Sogar Ex-Finanzminister Schäuble kam vorbei.

Westerland/Sylt – Seit mehr als zwei Monaten bietet sich Einheimischen und Besuchern auf der Nordseeinsel Sylt ein ungewohntes Bild: Punks lagern in der Innenstadt von Westerland, linke Demonstranten ziehen nach Kampen und neuerdings leben vor dem Rathaus in Westerland Aktivisten in einem Protestcamp. Dort schaute sogar Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble vorbei, um mit den Bewohnern zu diskutieren. Darum geht es den Aktivsten im Protestcamp auf Sylt.

Aktion:Politisches und satirisches Protestcamp
Ort:Stadtpark vor dem Rathaus in Westerland auf Sylt
Termin:Ende Juli 2022 bis voraussichtlich Ende August 2022
Organisatoren:Punks, Aktion Sylt (linkes Bündnis), APPD (Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands)

Protestcamp auf Sylt: Punks und Linke fordern bezahlbaren Lebensraum für alle

Seit Ende Juli stehen Zelte im kleinen Stadtpark vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt. Die Grünfläche diente zunächst nur den Punks als Rückzugsort, da man ihnen das Wildcampen am Strand von Westerland verboten hatte. Nachdem man die neuen und nicht unbedingt willkommenen Inselgäste auch dort mit Kontrollen durch das Ordnungsamt Sylt drangsaliert hatte, wurde das Lager von einem der Bewohner als Protestcamp angemeldet.

Zelte auf einer Wiese, im Hintergrund ein Transparent mit der Aufschrift „Bezahlbarer Lebensraum für alle“.  Linke und Punks errichten ein Protestcamp in Westerland. Sogar Wolfgang Schäuble kam vorbei, um zu diskutieren.
Sylt wird zur politischen Bühne: Linke und Punks errichten ein Protestcamp in Westerland. Sogar Wolfgang Schäuble kam vorbei, um zu diskutieren. © Dagmar Schlenz

Um als politische Versammlung anerkannt zu werden, musste der zuständigen Behörde ein Versammlungsthema sowie ein Konzept vorgelegt werden. Das erfolgte zunächst recht unbürokratisch: mit einem Foto per Mail. Die Camp-Bewohner hatten ein Transparent mit der Aufschrift „Bezahlbarer Lebensraum für alle“ abgelichtet. Denn das ist eine der Kernforderungen der Aktivistinnen und Aktivisten vor dem Rathaus in Westerland.

Protestcamp auf Sylt: Bau von mehr Sozialwohnungen

In Deutschland eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird zunehmend schwieriger. So sind die Mieten in Hamburg in den letzten Jahren um über 100 Prozent gestiegen, immer mehr Menschen können sich ihre Wohnung nicht mehr leisten. Auf der Nordseeinsel Sylt ist die Lage besonders dramatisch. In den letzten Jahren wurde verstärkt Dauerwohnraum in Ferienwohnungen umgewandelt, statt Mietwohnungen entstehen Urlaubsdomizile oder Luxus-Resorts wie der Lanserhof Sylt.

Eine Folge: Auf Sylt herrscht extremer Personalmangel, Gastronomen müssen zusätzliche Ruhetage einführen oder Restaurants ganz schließen. Diese Entscheidung traf beispielsweise das Sylter Urgestein Jürgen Gosch, der sein neues Restaurant „Jünne“ in List nach wenigen Monaten wieder dicht machen musste. Andere geben gleich ganz auf, wie der Inhaber eines Traditionslokals in der Nähe von Westerland. Die „Eiche“ in Tinnum wird im Herbst 2022 abgerissen – sehr zum Bedauern von Urlaubern und Einheimischen.

Ein Transparent mit der Aufschrift „Asyltziale Armeefraktion - politisches und satirisches Protestcamp“. Punks und linke Aktivisten haben in Westerland auf Sylt ein Protestcamp errichtet. Sie fordern Umverteilung und bezahlbaren Wohnraum.
Punks und linke Aktivisten haben in Westerland auf Sylt ein Protestcamp errichtet. Sie fordern Umverteilung und bezahlbaren Wohnraum. © Dagmar Schlenz

Einige Parteien und Bürgerinitiativen wie „Merret reicht‘s“ fordern ein Umdenken auf der Nordseeinsel Sylt – und bekommen jetzt unerwartet Unterstützung von den Punks und Aktivisten aus dem Protestcamp in Westerland. Die fordern unter anderem den Bau von Sozialwohnungen auf leerstehenden Grundstücken. Eines dieser Grundstücke im Süden von Westerland hatten die Punks kurzzeitig besetzt, das kleine Protestcamp dort wurde aber am 30. Juli 2022 geräumt. Die Pächterin hatte die Polizei verständigt.

Diskussion mit Wolfgang Schäuble im Protestcamp auf Sylt

Nachdem zunächst eine Gruppe von Punks auf die Insel gekommen war, um bei den Reichen auf Sylt zu chillen und zu feiern, wird der Sommer 2022 auf Sylt jetzt immer politischer. Im Protestcamp vor dem Rathaus in Westerland laufen die Aktivistinnen und Aktivisten sich langsam warm. Einer der Bewohner, ein Punk mit dem Spitznamen „Nimbus“, hatte die Idee, keinen geringeren als den CDU-Politiker und ehemaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ins Protestcamp einzuladen.

Schäuble ist gerade privat auf Sylt – der Politiker ist langjähriger Sylt-Fan und macht regelmäßig Urlaub auf der Promi-Insel. Der ehemalige Bundesfinanzminister meldete sich tatsächlich persönlich bei dem Camp-Bewohner, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Die beiden vereinbarten einen Termin, und am 3. August 2022 kam Schäuble dann zur Diskussionsrunde beim Protestcamp vor dem Rathaus von Westerland. Im Gespräch, zu dem sich etwa 75 Zuschauer eingefunden hatten, drehte es sich unter anderem um Konsumkultur und gerechte Vermögensverteilung.

Punks und linke Aktivisten für Gerechtigkeit und Umverteilung

Für die Umverteilung von Vermögen hatte bereits Mitte Juli das Bündnis „Wer hat, der gibt“ zu einer Protestaktion auf die Insel gerufen. Und die Organisatoren haben offensichtlich einen Nerv getroffen. Die Demo „Luxus für alle“ auf Sylt war die größte politische Kundgebung, die das Eiland in der Nordsee jemals erlebt hat. Rund 400 Teilnehmende zogen friedlich von Westerland nach Kampen, um für die gerechtere Verteilung von Reichtum zu protestieren.

Einige der Demo-Teilnehmer sind im Protestcamp vor dem Rathaus eingezogen. Und auch die „Aktion Sylt“, die ursprünglich die Idee hatte, ein Protestcamp auf Sylt zu organisieren, will ihre Zelte vor dem Amtssitz von Nikolas Häckel aufschlagen. Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt zeigt sich unterdessen wenig begeistert von dem Interesse linker Gruppierungen an der Nordseeinsel. Auf seiner Facebook-Seite bedauert Häckel, dass „Sylt derzeit medial reizvolle Projektionsfläche für so vielfältige Themen ist - das tut Sylt und uns Syltern leider nicht gut.“

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