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Sylt: Erste Lokale machen dicht – Personalmangel!

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Von: Dagmar Schlenz

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Die Nordseeinsel Sylt hat schon länger mit Fachkräftemangel zu kämpfen – jetzt spitzt sich die Lage zu. Lokale reagieren mit zusätzlichen Ruhetagen.

Sylt – Die Saison auf der beliebten Urlaubsinsel Sylt hat begonnen, in den Osterferien waren viele Unterkünfte ausgebucht und die Restaurants hatten kaum freie Tische. Schon jetzt arbeitet das Personal in der Gastronomie am Limit, es fehlen Kolleginnen und Kollegen, um den Ansturm zu bewältigen. Im Café Lund in Hörnum und dem Restaurant Oma Wilma in Keitum hat man deswegen jetzt einen zusätzlichen Ruhetag eingeführt.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Kreis:Nordfriesland
Fläche:99,14 km²
Einwohner:18.118 (2019) 183 Einwohner/km²

Personalmangel auf Sylt: Zusätzlicher Ruhetag bei Café Lund und Oma Wilma

Während man im Sterne-Restaurant Bodendorfs auf Sylt neuerdings mit Strafgeldern seine Gäste erziehen will, haben viele Gastronomiebetriebe ganz andere Probleme. Fachkräfte fehlen und bald beginnt die Hauptsaison, in der auch in diesem Jahr auf der Nordseeinsel Sylt wieder viele Urlauber und Tagesgäste erwartet werden.

Einige Lokale müssen schon jetzt einschneidende Maßnahmen ergreifen. Das Café Lund in Hörnum hat ab dem 07. Mai 2022 nicht nur mittwochs, sondern auch samstags geschlossen. Auf der Facebook-Seite des alteingesessenen Cafés heißt es, die Insellage und speziell die Lage von Hörnum erschwere die Suche nach Personal. Auch wolle man den Sylter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen freien Tag am Wochenende ermöglichen. Man habe sich daher dazu entschlossen, ab Anfang Mai einen zusätzlichen Ruhetag am Samstag einzuführen.

Zunehmend kämpfen Sylter Gastronomen mit einem Fachkräftemangel, der mitunter auch ihre Existenz bedroht.

Aus einer Erklärung von Jens Lund und Familie auf der Facebook-Seite des Café Lund

Ähnlich begründen auch die Inhaber des Restaurants Oma Wilma – Heimatküche Keitum auf Facebook ihre Entscheidung für einen zusätzlichen Ruhetag. Das Lokal, das erst kurz vor Beginn der Corona-Pandemie eröffnet hat, muss wegen Personalknappheit an zwei Tagen in der Woche schließen. Damit Angestellte und Inhaber am Wochenende Zeit mit der Familie verbringen können, habe man sich zusätzlich zum Montag für den Sonntag als zweiten Ruhetag entschieden.

Auf der Nordseeinsel Sylt reagieren einige Lokale mit einem zusätzlichen Ruhetag auf den Personalmangel
Auf der Nordseeinsel Sylt reagieren einige Lokale mit einem zusätzlichen Ruhetag auf den Personalmangel. (Symbolbild) © Robert Seitz/Müller-Stauffenberg/imago/Montage

Viele Betriebe sind vom Personalmangel auf Sylt betroffen

Die Anzeigenblätter auf der Promi-Insel Sylt sind voll mit Anzeigen, in denen Personal für Hotels und Gastronomiebetriebe gesucht werden. So stellt zum Beispiel das Sushi-Restaurant „Go“, das Promi-Koch Steffen Henssler Anfang März auf Sylt eröffnet hat, neben Lieferfahrern auch einen Chef de Rang (zuständig für den Service bei Tisch) und einen Koordinator ein. Aber auch im Baugewerbe und in der Pflege herrscht Fachkräftemangel auf der Nordseeinsel.

Der Fachkräftemangel auf Sylt ist ein strukturelles Problem

Während die einen schon ihren Sylt-Urlaub 2022 planen, wissen die Hotels und Gastronomiebetriebe nicht, wo sie Personal finden sollen, um ihren Gästen einen entsprechenden Service bieten zu können. Ein Grund dafür ist der Mangel an Dauerwohnraum. Immer mehr Wohnungen werden in Feriendomizile für Urlaubsgäste umgewandelt. Viele neue Bauprojekte wie das Luxus-Resort Lanserhof Sylt, das in Kürze in List eröffnet wird, dienen touristischen Zwecken.

Die Folge: Menschen, die auf Sylt arbeiten, finden nur auf dem Festland eine bezahlbare Wohnung und müssen mit dem Zug nach Sylt pendeln. Daher sind nun auch viele der Sylt-Pendler in Sorge vor Chaos und vollen Zügen nach Sylt durch das 9 Euro Ticket. Aber auch ohne zusätzliche Tagesausflügler auf die Insel sind die Züge oft überfüllt, unpünktlich oder fallen aus. Diese Umstände machen Sylt als Arbeitsort für Fachkräfte nicht attraktiver.

Am 03. Mai 2022 wurde dem Bauausschuss der Gemeinde Sylt das sogenannte Beherbergungskonzept vorgestellt. Es ist das Ergebnis einer Studie, die von der Gemeinde Sylt in Auftrag gegeben wurde. Das Bürgernetzwerk „Merret reicht‘s“ hat auf seiner Facebook-Seite Auszüge aus dem Konzept veröffentlicht, das der Insel ein sehr schlechtes Zeugnis ausstellt. Für Normalverdiener sei es kaum noch möglich, Wohnraum auf Sylt zu mieten. Die immer weiter steigenden Preise würden zu einem Teufelskreis führen, der immer mehr Ferienwohnungen zur Finanzierung des wenigen Dauerwohnraums nach sich zieht.

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