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Zu viele Touristen auf Sylt? Jetzt sollen Betten gezählt werden

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Von: Dagmar Schlenz

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In einer neuen Tourismus-Statistik will man auf Sylt aktuelle Zahlen zu Gästen und Unterkünften erheben. Doch einige Gemeinden zögern noch.

Sylt – Volle Strände, volle Restaurants, gut gebuchte Ferienunterkünfte und Campingplätze auf Sylt. So sieht eine normale Saison auf der Nordseeinsel aus. Viele sprechen bereits von „Overtourism“, andere wollen davon nichts hören. Jetzt sollen belastbare Zahlen her, um für Sylt besser planen und auch gegensteuern zu können. Beabsichtigt ist, dass die insgesamt fünf Gemeinden der Insel im Rahmen einer Tourismus-Statistik Daten erheben – doch nicht alle haben dem Vorhaben bisher zugestimmt.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Kreis:Nordfriesland
Fläche:99,14 km²
Einwohner:18.118 (2019) 183 Einwohner/km²
Touristen:etwa 950.000 pro Jahr (2019)

Sylt hat zu viele Gästebetten – aber wie viele sind es eigentlich?

Sylt ist schon seit Jahrzehnten eine beliebte Urlaubsdestination, doch verlässliche Zahlen zum Tourismus gibt es nicht. Sicher ist, dass Dauerwohnraum auf der Insel zunehmend von Ferienwohnraum verdrängt wird. Immer mehr Insulaner wandern aufs Festland ab – soll eine Geisterinsel Sylt verhindert werden, hat man keine Zeit mehr zu verlieren. Zu dem Schluss kam auch Stadtentwickler Uwe Mantik, der für die Gemeinde Sylt ein Beherbergungskonzept erarbeitet hat.

Sylt ist gekippt, was das Verhältnis zwischen Dauerwohnraum und Ferienwohnungen angeht, so Mantik in seinen Ausführungen. Er empfiehlt der Gemeinde Sylt, keine zusätzlichen Ferienimmobilien mehr zu genehmigen. Der Bauausschuss hat dem Beherbergungskonzept bereits im September 2022 zugestimmt, eine Abstimmung in der Gemeindevertretung ist für März 2023 geplant. Doch wie viele Gästebetten gibt es aktuell eigentlich? Um die genaue Zahl herauszufinden, soll eine Tourismus-Statistik erstellt werden.

Eine Einkaufsstraße mit Hotels und Geschäften. In der Westerländer Friedrichstraße finden sich neben Geschäften auch zahlreiche Hotels und Ferienwohnungen. Eine Tourismus-Statistik für Sylt soll Klarheit über die Anzahl der Gästebetten bringen.
In der Westerländer Friedrichstraße finden sich neben Geschäften auch zahlreiche Hotels und Ferienwohnungen. Eine Tourismus-Statistik für Sylt soll Klarheit über die Anzahl der Gästebetten bringen. © Dagmar Schlenz

Tourismus-Statistik Sylt als Basis für Entscheidungen

Die Tourismus-Statistik soll auf der Nordseeinsel Sylt als Basis für Entscheidungen im Bereich der touristischen Angebotsgestaltung und der Bauleitplanung dienen. Das betrifft den öffentlichen Personennahverkehr, der auf Sylt gerade für viele Millionen Euro um Elektrobusse erweitert wurde, genauso wie beispielsweise die Genehmigung von Bauanträgen. Eine besonders wichtige Kennzahl ist die Bettenzahl auf der Insel, deren verbesserte Erfassung ein Ziel der Statistik ist. Dies erläuterte bereits im vergangenen Jahr Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS).

Denn die Idee einer inselweiten Statistik mit einer einheitlichen Satzung ist nicht neu. Schon vor fast einem Jahr hatten sich die Gemeindevertretungen mit dem Thema Tourismus-Statistik befasst. Damals gab es unter anderem den Wunsch, nicht nur Zahlen zu Gästebetten, Gastronomie und Mobilität zu erfassen, sondern auch Daten zur Nutzung von Zweitwohnungen auf der auch bei Promis beliebten Insel Sylt. Seitdem ist der Entwurf für die Satzung mehrfach überarbeitet worden und könnte nun endlich von den Gemeindevertretern abgesegnet werden

Tourismus-Statistik: Gemeinden stimmen über Durchführung ab

Bei der Sitzung der Gemeindevertretung am 19. Januar 2023 steht nicht nur die Zahlung einer Inselzulage von 100 Euro durch die Gemeinde Sylt auf der Tagesordnung. Man will sich auch erneut mit der Tourismus-Statistik für Sylt beschäftigen. Zur Abstimmung steht im Rathaus Westerland die überarbeitete Satzung, die die Grundlage zur Erhebung und Aufarbeitung von inselweiten statistischen Daten bildet. Als erste der fünf Inselgemeinden hatte Wenningstedt die Sylter Tourismus-Statistik beschlossen – und zwar schon im Dezember 2021. Die Gemeinde Hörnum hat das Thema zunächst an den Tourismus-Ausschuss delegiert.

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In Kampen stimmte die Gemeindevertretung im November 2022 zu, allerdings unter dem Vorbehalt der Einführung eines Systems, in das der Gast seine Daten selbst einpflegen kann. Auf Ablehnung stieß die Satzung bisher in der Gemeindevertretung von List. Bürgermeister Ronald Benck, der gerade in der Kritik steht, weil er den illegalen Abriss vom „Alten Gasthof“ in List nicht verhindert hat, äußerte Bedenken. „Im Prinzip ist es eine gute Idee, aber es ist übers Knie gebrochen und nicht zu Ende gedacht.“, so Benck im September 2022. Es bleibt also offen, wann tatsächlich mit der inselweiten Erhebung der Daten begonnen werden kann.

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