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Auf der K(l)ippe: Neubau am Kliff in Wenningstedt auf Sylt

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Von: Dagmar Schlenz

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40 Betonpfeiler sollten für ein neues Restaurant ins Rote Kliff in Wenningstedt auf Sylt gerammt werden. Es gab viele Bedenken – jetzt hat der Bauherr den Antrag zurückgezogen.

Wenningstedt/Sylt – Auf der Insel Sylt gibt es immer wieder umstrittene Bauprojekte. Eines davon: Die GbR „Auf der Düne“ will unmittelbar auf dem Roten Kliff in Wenningstedt ein Restaurant mit Wohnung errichten. Ist es Wahnsinn oder Wagemut, direkt an der Kliffkante einen Neubau zu planen? Nach dem Abriss des bekannten Lokals „Kliffkieker“ im Jahr 2019 hatten die Investoren große Pläne – doch ihr Bau-Projekt ist schwierig und es gibt viele Bedenken.

Gemeinde:Wenningstedt-Braderup (Sylt)
Höhe:18 Meter
Einwohner:1623 (Stand 2021)
Bürgermeisterin:Katrin Fifeik (fraktionslos)

Investor plant Restaurant am Roten Kliff in Wenningstedt auf Sylt

Ein Restaurant mit Terrasse und Tiefgarage soll direkt am Rand vom Roten Kliff in Wenningstedt entstehen, wenn es nach den Plänen der Investoren geht. Neue Restaurants kann man auf der beliebten Insel eigentlich ganz gut gebrauchen, befürchten doch manche, dass Sylt-Urlauber bald selbst kochen müssen, weil es kaum noch Gastronomie gibt. Allerdings hat sich die Investorengruppe in Wenningstedt auf Sylt einen etwas riskanten Bauplatz für ihr Vorhaben ausgewählt. Es geht um das Gelände, auf dem sich zuvor das Lokal „Kliffkieker“ befand, das für legendäre Tanzveranstaltungen und einen tollen Ausblick bekannt war.

Links eine Figurengruppe, im Hintergrund eine Baustelle. Nicht nur die „Alltagsmenschen“ der Künstlerinnen Christel & Laura Lechner fragen sich, wie es mit dem Bauprojekt am Roten Kliff in Wenningstedt auf Sylt weitergeht.
Nicht nur die „Alltagsmenschen“ (links im Bild) der Künstlerinnen Christel & Laura Lechner fragen sich, wie es mit dem Bauprojekt am Roten Kliff in Wenningstedt auf Sylt weitergeht. Auf dem ehemaligen „Kliffkieker“-Gelände (im Hintergrund) soll ein Restaurant entstehen. © Dagmar Schlenz

Die exponierte Lage direkt am Kliff war nicht ganz ungefährlich. Bereits 1928 ragte die damalige Strandhalle dramatisch über die Kante des Roten Kliffs – das Gebäude musste versetzt werden. In den 80er-Jahren drohte dem Lokal nach einem Sturm erneut der Absturz vom Kliff. Vor wenigen Jahren wurde der „Kliffkieker“ nach längerem Leerstand abgerissen. Pläne für einen Neubau gab es bereits vor dem Abriss. So war im Jahr 2014 ein Hotelneubau mit 40 Zimmern im Gespräch, wie die Sylter Rundschau damals berichtete.

Zur Sicherung des Fundaments: Bauherr wollte 40 Betonpfeiler ins Rote Kliff rammen

Auf der Promi-Insel Sylt gilt eigentlich nach Paragraph 78 des Landeswassergesetzes an Steilufern und 50 Meter landwärts ein Nutzungsverbot. Der „Kliffkieker“ hatte zwar Bestandsschutz, Bauanträge der damaligen Besitzerin waren aber in der Vergangenheit immer abgelehnt worden. Und auch jetzt gibt es keine gültige Baugenehmigung für einen Neubau auf dem Areal unmittelbar am Kliff. Der zuständige Landesbetrieb für Küsten- und Naturschutz (LKN) hatte zwar im Oktober 2019 seine Genehmigung für das Bauprojekt erteilt, diese aber wieder zurückgezogen.

Ein Grund dafür soll nach Medienberichten das Abrutschen der Böschung nur wenige Meter neben dem Gelände in der Strandstraße 28 gewesen sein. Durch den Erdrutsch am Kliff war im August 2020 das „Strand-Bistro Wenningstedt“, eine der Strandbars auf Sylt, so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, dass es abgerissen werden musste. In der Folge wurde die bereits vom Kreis Nordfriesland erteilte Baugenehmigung für den Neubau auf dem „Kliffkieker“-Areal im März 2021 zurückgezogen.

Die Investoren reagierten im Sommer 2022 auf die veränderte Situation. Um mehr Stabilität für ihren geplanten Neubau zu schaffen, wollten sie 40 Betonpfeiler in das Rote Kliff rammen. Der Antrag wurde damals vom Bauausschuss der Gemeinde Wenningstedt aufgrund erheblicher Bedenken zurückgestellt. Auch der Landesbetrieb für Küsten- und Naturschutz wollte zunächst durch einen Baugrundsachverständigen prüfen lassen, ob bei dem Vorhaben die Standfestigkeit der Kliffkante ausreichend berücksichtigt worden sei.

Investor zieht Antrag zurück – Zukunft des Bauprojektes am Roten Kliff ungewiss

Das Gutachten liegt dem Landesbetrieb für Küsten- und Naturschutz mittlerweile vor, wie shz.de berichtet. Über den Inhalt wollte man sich aber aktuell noch nicht äußern. Unabhängig davon hat die Investorengruppe „Auf der Düne GbR“, zu unter anderem der Bauunternehmer Hermann Höft gehört, ihren Antrag zum Rammen der Betonpfähle zurückgezogen. Dies teilte Bauausschuss-Vorsitzender Max Holst am 13. Oktober 2022 mit. Steht das Bauprojekt in Wenningstedt nun vor dem Aus, wie zuletzt ein Bauvorhaben in Hörnum, nachdem Einheimische Bedenken zum Bau von Dauerwohnraum auf Sylt um jeden Preis geäußert hatten?

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Der Kreis Nordfriesland erteilt keine Auskunft über den aktuellen Stand der Baugenehmigung für das Projekt auf dem Kliff in Wenningstedt. Auf Nachfrage von 24hamburg.de heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle: „Wir bitten um Verständnis, aber da es sich hierbei um ein laufendes Verfahren handelt, können wir Ihnen aktuell keine Auskünfte erteilen“. Auch der Investor hat bisher nicht auf Rückfragen zum weiteren Vorgehen geantwortet.

Baulärm gibt es jedenfalls erstmal keinen am Roten Kliff, sodass Urlauber und die Teilnehmenden beim Megamarsch 2022 auf Sylt die Ruhe in Wenningstedt genießen können.

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