1. 24hamburg
  2. Schleswig-Holstein

Ärger im Paradies: Sylt schmeißt langjährige Dauercamper raus

Erstellt:

Von: Christian Einfeldt

Kommentare

Tagesgäste sollen auf Sylt noch mehr Einnahmen einbringen. Dafür will der Sylter Tourismus-Service scheinbar Dauercamper loswerden. Gibt es für sie noch Hoffnung?

Sylt – Der Strand ist unmittelbar zu Fuß erreichbar und hinter den Dünen wartet auf Besucher sogar noch ein kleines Waldstück: Der Campingplatz in Westerland bringt so manch einen Dauercamper ins Schwärmen. Mitunter machen sie seit Jahrzehnten hier Urlaub. Sommer für Sommer fahren sie in Richtung Nordseeinsel Sylt. Hier erholen sie sich, sammeln wieder Kraft. Manche bezeichnen es sogar als Zuhause. Ein Zuhause, das sie nach der aktuellen Urlaubssaison nicht mehr willkommen heißt. Die Insel will jahrelang bewohnte Stellplätze anderweitig benutzen. Zwischen „Lebensträumen“, die platzen und der leisen Hoffnung doch noch bleiben zu dürfen.

Insel in Schleswig-Holstein:Sylt
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:15.169 (2012)
Breite:12,6 km

Camping auf Sylt: Tourismus-Service beschließt das Aus für Dauercamper

Die Ansage des Sylter Tourismus-Service (ISTS) ist erstmal unmissverständlich: „Dieser Stellplatz ist zum Saisonende 2022 laut Vertrag zu räumen“. Nachrichten wie diese häufen sich derzeit am Sylter Campingplatz in Westerland – dort, wo Camper jahrelang liebend gerne ihren Camping-Urlaub auf Sylt verbracht haben. Die Betroffenen sind erschüttert. Ihr „Lebenstraum“ droht zu platzen – gegenüber dem Hamburger Abendblatt nutzte die 57-jährige Camperin Barbara Zimmermann diese Formulierung.

Sylt hat andere Pläne für die Nutzung der Stellplätze und machte es unlängst zur beschlossenen Sache. Nach Informationen des Abendblatts müssen sich 35 von 100 Dauercampern eine neue Idylle suchen. Seit Ende Juli wissen sie: Die schleswig-holsteinische Gemeinde schmeißt sie nach der derzeitigen Sommersaison raus. „Sylt hält mich am Leben. Ich könnte nur noch weinen, dass ich nach 60 Jahren wegsoll“, sagt eine der Dauercamperin, die 90-jährige Elfriede Riedel aus Hannover, gegenüber der „Bild“. Was steckt hinter den Methoden der Nordseeinsel?

Wohnmobile und Wohnwagen auf einem Campingplatz in den Dünen. Auf dem Campingplatz in Westerland auf Sylt verlieren 35 Dauercamper ihren Stellplatz.
Auf dem Campingplatz in Westerland auf Sylt verlieren 35 Dauercamper ihren Stellplatz. © Dagmar Schlenz

Sylt will mehr Einnahmen durch Tagesgäste – warum die Dauercamper ihren Platz räumen sollen

Es macht schnell den Anschein, dass sich die Sylter Verantwortlichen wohl nur wenig um das Befinden der Dauercamper scheren. Vielmehr hoffen sie auf den nächsten Geldsegen. Sylt hatte schon immer den Ruf, eine Insel der Superreichen zu sein – ein Grund, warum sich Punks und Aktivisten zuletzt zum Protestcamp auf Sylt getroffen hatten. Nun wird die Insel wieder einmal ihrem Ruf gerecht. Ein Gedanke hinter den Kündigungen der Dauercamper: Tagesgäste würden auf dem Platz in Westerland rund 6.000 Euro pro Jahr zahlen, tendenziell sogar mehr. Die Dauercamper müssen Medienberichten zufolge jedoch lediglich 3.000 Euro zahlen.

Im Zuge der Kündigung sprechen die Verantwortlichen des Tourismus-Services von einer dringend notwendigen Modernisierung. Das seitens der Dauercamper geklagte Leid stößt auf taube Ohren. Gegenüber dem Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (shz) sagt ISTS-Geschäftsführer Peter Douven, es würde weiterhin „keinen Anspruch auf Verlängerung“ der Stellplätze geben. Wie die „Bild“ berichtet, ist laut Douven darüber hinaus bereits eine „andere Nutzung“ vorgesehen. Welche „Nutzung“ das sein soll, bleibt jedoch offen. So oder so: Das Aus ist unlängst besiegelt. Insgeheim wissen das auch die Camper, doch halten sie weiterhin an ihrer letzten Hoffnung fest.

Sylt: Die Pläne der Nordseeinsel – und die leise Hoffnung der Dauercamper

Sie kennen die Pläne des Tourismus-Services und sind dabei auf einige Ungereimtheiten gestoßen. Zum Beispiel dürfe die Surfschule weiterhin betrieben werden – nur wenige Meter vom Campingplatz und damit direkt am Sylter Strand– entfernt. Mehr Menschen als die eigentlich zugelassene Zahl von 200 sollen hier demnach sowieso zugegen sein. Auch ein Gefahrenrisiko für Kinder und Senioren wollen die Camper nicht ausschließen. Bleibt es bei den Plänen der Insel, könne es regelmäßig zu Unfällen kommen – einfach, weil der Weg zum Strand zu schmal sei.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Auch die Sorge, dass der Tourismus-Service hinterrücks Mobilheime bauen könnte, plagt die Dauercamper nach Abendblatt-Informationen. Ihnen wird klar, dass sie wohl nach dieser Sommersaison ihren geliebten Platz endgültig verlassen müssen. Die Notwendigkeit einer Sanierung müssten dabei selbst die Dauercamper kennen. Das würde jedoch nur bedingt an der bislang ausgebliebenen Modernisierung liegen. Sie erhielten die Nachricht über das Vorhaben der Insel per Mail – gefrustet gaben sie ihren einstiegen Lebenstraum von selbst auf.

Auch interessant

Kommentare