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Mitten in der Nordsee: Sturmflut legt Schiffswracks frei – „wie Fluch der Karibik“

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Von: Jakob Koch

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Das Wrack der „Ulpiano“ liegt schon über Jahre in der Brandung und wird von dieser immer mehr zerstört.
Das Wrack der „Ulpiano“ liegt schon über Jahre in der Brandung und wird von dieser immer mehr zerstört. © Holger Spreer-Wree

Was für ein Fund im Wattenmeer! Seit dem Jahr 1740 sollen vor der Hallig Süderoog in der Nordsee knapp 70 Schiffe gesunken sein. 2022 hat die Sturmflut einige freigelegt. 

Nordfriesland – Liebhaber von Seefahrer-Geschichten und Fans von alten Schiffen dürften angesichts dieser Bilder feuchte Augen bekommen: Die jüngste Sturmflut hat mitten im Nationalpark Wattenmeer mehrere Schiffswracks vergangener Jahrhunderte freigelegt. Eine Sensation! Finder sind Nele und Holger Spreer-Wree, die mit ihren Kindern auf der Hallig Süderoog leben – als einzige Einwohner. Das Paar ist beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz angestellt und kümmert sich um die Bewirtschaftung der kleinen Hallig. Auf Facebook berichtete die Familie von seinen Eindrücken – und postete auch gleich ein Video.

Name:Hallig Süderoog
Länge:1100 Meter
Breite:785 Meter
Einwohner:4

Nationalpark Wattenmeer: Schiffswracks nach Sturmflut am Süderoogsand entdeckt

Seit dem Jahr 1740 sollen vor der Hallig 67 Schiffe gestrandet sein – am Süderoogsand, der größten Sandbank im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. „Bis auf den Kiel freigelegt, liegen jetzt die Reste der alten Holzsegler auf dem Sand. Klar, dass wir die Funde sogleich dokumentierten und an das archäologische Landesamt Schleswig-Holstein weitergegeben haben“, berichtet Holger Spreer-Wree.

Doch die Zeit drängt: Die nächste Flut kann die historischen Funde in der Nordsee schon wieder verschlucken. „Entweder versanden die Schiffsreste wieder, oder sie werden, so freigelegt wie sie sind, bei den nächsten Stürmen von der See weiter zerschlagen. Wir sind schon sehr gespannt, was die Untersuchungen und alten Aufzeichnungen so alles über die Geschichte der Schiffe verraten werden“, sagt Spreer-Wree. Übrigens: Auch in der Ostsee gibt es Funde – kürzlich entdeckten Taucher ein Schiffswrack aus dem Zweiten Weltkrieg.

Schon seit Jahrzehnten konnten genaue Beobachter immer wieder kleine Details der Wracks im Wasser ausmachen. Der Hallig-Bewohner berichtete shz.de, dass seiner Familie die meisten versunkenen Schiffe bekannt seien. Doch von so einem begehbaren Schatz der Geschichte sind selbst die Bewohner der Hallig beeindruckt.

Zunächst hat Spreer-Wree Holzproben für weitere Untersuchungen entnommen – um das genaue Alter der Schiffe besser bestimmen zu können. Danach müsste man im Archiv des archäologischen Landesamtes Protokolle bekannter Strandungen auf diese Funde abgleichen. Gehoben werden die historischen Schiffe aber nicht. „Sie verbleiben dort“, sagt Spreer-Wree.

Nationalpark Wattenmeer: Funde von Schiffswracks im Video – „wie Fluch der Karibik“ in der Nordsee

Die Familie teilte ein Video der Funde auf der Facebook-Seite der Hallig. Der Zuspruch ist enorm! So schreibt eine Nutzerin: „Das ist ja mega spannend! Danke, dass ihr uns mit eurem tollen Video daran teilhaben lasst. Dazu das tolle Wetter. Sieht irgendwie aus wie Fluch der Karibik und gleich taucht Captain Jack Sparrow am Horizont auf.“ Ein anderer schreibt zu dem Fund in der Nordsee: „Hammer! Aus längst vergangener Zeit. Faszinierend!“ Ein weiterer Nutzer schreibt, er bekomme Gänsehaut beim Anblick der Eindrücke. Und wieder einer schreibt: „Solche Funde können wertvolle Hinweise auf das Leben bzw. die Bauweise der Schiffe aus früheren Zeiten geben. Spannend und gutes Gelingen bei der Untersuchung!“

Sehen Sie hier das Facebook-Video der Familie Spreer-Wree. Es zeigt die Schiffswracks unmittelbar nach dem Fund:

Speer-Wree schreibt selbst zu den Szenen: „Das letzte Wrack im Video ist übrigens die Ulpiano. Eine spanische Dreimastbark, welche an Heiligabend 1870 auf ihrer Jungfernfahrt in einem Schneesturm auf dem Sand strandete.“ Welche weiteren Details nun ans Licht kommen, bleibt abzuwarten.

Schiffsarchäologe Daniel Zwick, der mit dem Landesamt zusammenarbeitet, glaubt an eine hohe Dunkelziffer an weiteren Wracks an der Küste Schleswig-Holsteins. Er bewertet den Fund vor der Hallig gegenüber shz.de: „Ich war schon erstaunt und überrascht von dieser besonderen Auffindesituation und dem Erhaltungszustand.“ Als Nächstes könnte ein Forschungsprojekt folgen, dass sich weiter intensiv mit den Wracks beschäftigt. Erst kürzlich hat die Wissenschaft den Einfluss von Sturm auf die Nordsee-Inseln und das Leben* untersucht. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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