1. 24hamburg
  2. Schleswig-Holstein

Steuerverschwendung auf Sylt? Mario Barth knöpft sich bunte Punkte in Westerland vor

Erstellt:

Von: Dagmar Schlenz

Kommentare

Die Sendung „Mario Barth deckt auf!“ thematisiert ein Verkehrsprojekt, das auf Sylt für Ärger sorgt. Begegnungszonen – tolle Idee oder Steuerverschwendung?

Westerland – Seit September 2021 zieren auf der Nordseeinsel Sylt große gelbe und rote Kreise die Straßen von Westerland und Teile der Fußgängerzone. Die bunten Punkte in Spielstraßen-Optik dienen keinesfalls der Verschönerung der Westerländer Innenstadt. Sie gehören zu einem Modellprojekt auf Sylt, bei dem sich in sogenannten Begegnungszonen alle Verkehrsteilnehmer den Platz gleichberechtigt teilen sollen – ganz ohne Ampeln und Zebrastreifen.

Name:Westerland (Friesisch: Weesterlön)
Einwohner:9032 (Stand 2007)
Höhe:5 m
Bürgermeister:Nikolas Häckel (parteilos)

Begegnungszonen in Westerland auf Sylt: Neues Verkehrsprojekt auf der Nordseeinsel

Die Idee dahinter: Der Verkehrsfluss in der Westerländer Innenstadt, in der Anfang März Steffen Henssler sein neues Sushi-Restaurant auf Sylt eröffnet hat, soll nicht durch Ampeln unterbrochen werden. In den Begegnungszonen will man gegenseitige Rücksichtnahme und die Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmenden fördern. Klingt erstmal nach einem guten Plan. Was man den bunten Punkten nicht ansieht: Sie sollen bisher etwa 11.000 Euro an Steuergeldern gekostet haben. Diese vermeintliche Steuerverschwendung auf der Promi-Insel Sylt hat auch das Team von „Mario Barth deckt auf!“ interessiert.

Mario Barth in seiner Show „Mario Barth deckt auf“ und rote und gelbe Punkte auf einer Straße in Westerland auf Sylt. Sie markieren die Begegnungszonen, die Teil eines Verkehrsprojektes auf der Nordseeinsel sind.
Mario Barth deckt auf: Bunte Punkte markieren die umstrittenen Begegnungszonen in Westerland auf der Nordseeinsel Sylt. (24hamburg.de-Montage) © RTL/Sebastian Drüen/Dagmar Schlenz

Mario Barth deckt auf! nimmt Begegnungszonen auf Sylt ins Visier

Kritiker des Verkehrsprojektes sind der Meinung, die Steuergelder, die in dieses Projekt fließen, wären anderweitig besser aufgehoben. So wird die Rettung der Insel Sylt vor dem Untergang jedes Jahr durch Sandvorspülungen vom Steuerzahler finanziert. Die Begegnungszonen aber seien schlichtweg Steuerverschwendung. Als Begründung wird auf ein ähnliches Verkehrsprojekt in Flensburg verwiesen, das gescheitert sei. Die Kosten auf Sylt seien nicht absehbar, bei der Markierung der Begegnungszonen musste bereits nachgepinselt werden, da die Farbe schon nach kurzer Zeit teilweise wieder abgeblättert war.

In der RTL-Sendung „Mario Barth deck auf!“ am 06. April 2022 widmet sich der Comedian den „bunten Flecken“ in der Westerländer Innenstadt. Die investigative Comedy-Show beschäftigt sich regelmäßig mit verschiedenen Projekten in ganz Deutschland, bei denen „öffentliche Gelder mit vollen Händen zum Fenster herausgeworfen werden.“ Gegenüber dem SHZ äußerte sich der Sender RTL, in dem Beitrag über Sylt würde aufgedeckt, wie die Gemeindevertreter trotz Nothaushalt Steuergeld für lustige Punkte in der Fußgängerzone verschleuderten.

Begegnungszonen Sylt: Gegenseitige Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer

Ebenso farbenfroh wie die Markierungen auf der Straße kommt auch der Flyer zum Thema Begegnungszonen daher, den die Gemeinde Sylt zum Download anbietet. In der Broschüre wird u.a. die rechtliche Grundlage erläutert, denn Begegnungszonen sind in der Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen. Basis für die Durchführung des Verkehrsversuches ist laut der Gemeinde Sylt §1 der StVO, der die gegenseitige Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer einfordert, sowie eine Verkehrsrechtliche Anordnung des Kreises Nordfriesland vom 12. August 2021.

Nordseeinsel Sylt: Verkehrsentlastung durch Begegnungszonen

Autofahrer, Radfahrerinnen und Fußgänger sind auf der Nordseeinsel Sylt besonders während der Saison Kummer gewohnt. In der Innenstadt von Westerland ist die Verkehrsbelastung zu Stoßzeiten extrem hoch. Daher hatte Bürgermeister Nikolas Häckel im letzten Jahr sogar Fahrverbote auf Sylt gefordert. Die neuen Begegnungszonen sollen jetzt Entlastung schaffen. In den„verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen“ wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 20 Kilometer pro Stunde reduziert.

Begegnungszonen in Westerland auf Sylt: Projekt sorgt für Zoff

Innovative und manchmal auch etwas verrückte Ideen zum Thema Verkehr auf Sylt gibt es immer mal wieder. So hatte eine Unternehmensgruppe im letzten Jahr den Plan, eine Seilbahn nach Sylt zu bauen. Während dieses Projekt wohl eher nicht umgesetzt wird, wurden die Begegnungszonen in Westerland eingeführt und sind seitdem heftig umstritten. Für emotionale Reaktionen sind die Norddeutschen nicht gerade bekannt, aber an dem Verkehrsprojekt auf Sylt erhitzen sich die Gemüter. So mancher lässt auf Facebook Dampf ab mit Kommentaren wie „Was für ein Schwachsinn!“ und „Die, die den Auftrag dafür erteilt haben, sollte man von der Insel jagen!!!“

Die, die den Auftrag dafür erteilt haben, sollte man von der Insel jagen!!!

Jens H. aus Westerland auf Facebook zu einem Beitrag von „Merret reicht’s“ über die Begegnungszonen

Kritiker sind besorgt, dass sich Raser nicht an die vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Kilometern pro Stunde halten und einfach „durchbrettern“ würden. Die Saison 2022 beginnt und es reisen viele Urlauber an - mit dem Autozug, der Bahn und auch mit dem Flugzeug, denn auch Sylt Air fliegt ab Mitte April wieder nach Westerland. Dann sind wieder besonders viele Fußgänger in der Westerländer Innenstadt unterwegs und die Menschen fragen sich, wie das unfallfrei und zügig klappen soll. Andere sehen den Verkehrsversuch als Chance. So schreibt das Bürgernetzwerk „Merret reicht’s“ auf Facebook: „Auch wir sind der Meinung: Versuch macht klug, und die Verkehrssituation auf Sylt braucht dringend Veränderungen!“

Bewährungsprobe zu Ostern für Begegnungszonen auf Sylt

Eigentlich waren die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung bis Ende April 2022 begrenzt, jetzt läuft das Projekt zunächst noch bis Ende Juli 2022. Eine erste Bewährungsprobe für das Konzept gibt es zu Ostern 2022, wenn die Saison beginnt und es voll wird auf der Insel. Fand das traditionelle Biike-Brennen im Februar auf Sylt noch ohne Publikum statt, so wird es nach Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen in Schleswig-Holstein auch auf Sylt wieder diverse Veranstaltungen geben. Anders als in Hamburg, wo der Senat wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen durch die Omikron-Variante die Hansestadt ab dem 2. April 2022 zum Corona-Hotspot erklärt hat.

Auch interessant

Kommentare