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Long Covid: „Es ist eine eigene Krankheit“ – Uniklinik warnt nach Studie

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Von: Kevin Goonewardena

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Seit vergangenen Sommer forschen Wissenschaftler am Uniklinikum Kiel zu den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung. Nun präsentierten sie ihre Erkenntnisse.

Kiel - Schon bald nach dem Beginn der Pandemie begannen Genesene über neue gesundheitliche Beschwerden zu klagen – etwa über anhaltende Erschöpfung, dauerhafte Müdigkeit, psychische Erkrankungen wie Depressionen, aber auch über Probleme mit Organen wie den Nieren und dem Herzen wurde vermehrt berichtet. Schnell fand sich ein Terminus für genesene Corona-Erkrankte mit anhaltenden Beschwerden – Long-Covid, etwa „Langanhaltende“- oder „Verlängerte“-Covid-Erkrankung.

Corona: Jede zweite Erkrankung führt zu teils erheblichen Spätfolgen

Grafik-Diagramm zu Alter und Geschlecht von Long-Covid-Patienten
Statistik zu Long-Covid © dpa Grafik/dpa

Schon chinesische Studien, die in der ersten Welle der Pandemie durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass etwa jede zweite zuvor wegen Corona-Symptomen in einer Klinik ärztlich behandelte Person auch noch sechs Monate nach der Genesung an den Spätfolgen der Erkrankung leide. Von mehr als 1.700 untersuchten Patienten und Patientinnen wiesen 76 Prozent nach einem halben Jahr immer noch mindestens ein Symptom einer Corona-Erkrankung auf, wie der NDR berichtete. Am häufigsten unter den Nennungen seien demnach Erschöpfung und Muskelschwäche gewesen, rund ein Viertel der Untersuchten klagten über Schlafstörungen (26 Prozent) und Depressionen (23 Prozent).

Long-Covid: Folgeerkrankungen noch weitesgehend unerforscht, Symptome äußerst divers

Mit dem Auftreten der Folgeerkrankungen genesener Corona-Patienten fing auch die Wissenschaft an, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen: Die ersten Studien starteten, doch vieles bleibt auch mehr als eineinhalb Jahre nach Beginn der weltweiten Pandemie unbekannt. Fakt ist: An Long-Covid leiden alle Altersgruppen, auch Kinder- und Jugendliche. Bei letzterer Gruppe werde Long-Covid laut Daniel Vilser vom Universitätsklinikum Jena bereits heute unterschätzt, wie der Münchner Merkur berichtet.* Genau wie bei einer Covid-19-Erkrankung selbst erhöhen Vorerkrankungen das Risiko Long-Covid-Symptome zu entwickeln. Die Symptome sind dabei äußerst divers - sie reichen von permanenter Erschöpfung über Muskelerkrankungen bis hin zu bleibenden Lungenschäden. Eine ausführliche Übersicht der Symptome und alle weiteren relevanten Informationen zu Long-Covid* ist hier zusammengefasst.

Ergebnisse der ersten deutschen Studio zu Long-Covid liegen vor

Seit dem vergangenen Jahr läuft in Deutschland eine Studie unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universitätskliniken Berlin, Würzburg und Schleswig-Holstein (UKSH, Kiel) und der Christian-Albrecht Universität Kiel (CAU) unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Schreiber (UKSH), an der bisher mehr als 1500 Probanden teilnahmen - rund 1100 davon wurden alleine bei uns im Norden untersucht. Schreiber und sein Team haben nun erste Ergebnisse der Studie, die auf den Namen COVIDOM hört, vorgelegt.

Prof. Dr. Marks äußert sich dem NDR gegenüber wie folgt:

Prof. Dr. Stefan Schreiber in einer Gesprächssituation
Studienleiter Prof. Dr. Stefan Schreiber der UKSH in Kiel © dpa/Bodo Marks

Wir denken, dass es ein eigener Krankheitsprozess ist, der durch Covid gestartet ist, sich entwickelt und zu teilweise deutlichen Beschwerden führt.

Prof. Dr. Stefan Schreiber (UKSH)

Long-Covid: Was bekannt ist und was nicht

Die Studie zeigt, dass neben der Lunge, auch andere Organe des Körpers durch die Infektion mit dem SARS CoV-2 Virus entstandene Schäden davontragen. Dadurch treten bei den Langzeitfolgen andere Symptome als bei der Corona-Erkrankung selbst auf – was diese Symptome der Corona-Erkrankung schwerlich zuzuordnen lässt. Die Forscher konzentrieren sich deswegen besonders auf das Herz, die Nieren, die Leber sowie den Stoffwechsel und das Nervensystem.

Long-Covid-Symptome sind divers. Ob Konzentrationsprobleme, anhaltende Müdigkeit, eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn – die Symptome einer Long Covid-Erkrankung sind nicht nur äußerst verschieden, auch die Stärke der Ausprägung und der Einfluss auf den Krankheitsverlauf variiert stark und muss noch abschließend untersucht werden. Ebenso noch unbekannt ist, wie hoch der Einfluss auf unterschiedliche Altersgruppen ist – klar ist nur, alle Altersgruppen sind betroffen. Ein 100 Prozentiger Schutz besteht gibt es für Long-Covid genauso wenig wie vor Covid selbst, eine Corona-Impfung lässt jedoch Long-Covid-Symptome abschwillen. Wer sich in Hamburg in der Woche vom 13.-19. September impfen lassen will, der kann das in einer von zahlreichen kuriosen Locations tun - z.B. in der Moschee der Islamischen Gemeinde am Nobistor, dem Altonaer Museum oder der Wunderbar auf St. Pauli.* Für ungeimpfte droht derweil Auschluss von sozialer Teilhabe, fehlende lohnfortzahlung im Quarantäne-Fall und mehr. Was der regierende Bürgermeister Hamburgs Peter Tschentschner zum in unserer Stadt praktizierten 2G-Modell sagt.*

Wissenschaftler vermuten: Eigentliche Corona-Erkrankung für Folgeerkrankungen verantwortlich

Da der Ansicht der Forscher die Folgerkrankungen eigenständig anzusehen sind, anstatt eine verlängerte Covid-Erkrankung dar zu stellen, spricht Studienleiter Schreiber lieber von Post-Covid, also einer Nachfolge- und eben nicht verlängerten Covid-Erkrankung. Er fordert mit seinem Team diese Begrifflichkeit zu übernehmen.

Die Weiterführung der Long-Covid-Studie hängt von ihrer Finanzierung ab

Die Studie ist zunächst bis Ende des Jahres angesetzt. Ob sie darüber hinaus verlängert werden kann, hängt auch davon ab, ob die Finanzierung zu sichern ist. Das Land Schleswig-Holstein hat die Studie bisher mit rund 780.000 Euro gefördert, auch der Bund ist an der Finanzierung beteiligt. *merkur.de, fr.de und 24Hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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