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Legaler Drogenumschlag? Marihuana-Mekka bei Hamburg geplant

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Von: Fabian Raddatz

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Grünes Gold im Norden: Von Bad Oldesloe aus will ein deutsch-israelisches Start-up Europa mit medizinischem Cannabis versorgen.

Bad Oldesloe – Eines vorweg: Riesige Cannabis-Felder werden in Schleswig-Holstein wohl nicht blühen – vorerst. Dafür ist das Klima zu schlecht. Angebaut wird das „grüne Gold“ in Südeuropa. Doch in Bad Oldesloe ist Großes geplant: Von hier aus soll der deutsche Markt mit feinstem medizinischen Cannabis versorgt werden. Ein neues Marihuana-Mekka im Norden.

Kreisstadt in Schleswig-Holstein:Bad Oldesloe
Fläche:52,6 km²
Bevölkerung:24.145 (31. Dez. 2008)
Postleitzahl:23843

Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge hat die israelische Firma IMC das ortsansässige Pharmaunternehmen Adjupharm aufgekauft, um den europäischen Markt mit medizinischem Marihuana zu erobern. Bad Oldesloe soll den Knotenpunkt bilden. Hier läuft die Droge von den Feldern in Südost-Europa ein, um danach verteilt zu werden.

Medizinisches Cannabis aus Bad Oldesloe: Platz für mehrere Tonnen

Gelagert wird es in einem gewaltigen Bunker, Platz für mehrere Tonnen Cannabis, die Mauern 25 Zentimeter dick. Noch haben sie auf dem Gelände in einem Gewerbegebiet lediglich wenige Dosen aus den Niederlanden stehen. Im Juli soll ein Spezialtransporter vom Flughafen Leipzig nochmal 50 Kilo liefern. 800 Kilogramm könnten es dieses Jahr noch werden, aber werde sich noch zeigen.

Ein Mann trägt eine Box mit medizinischem Cannabis auf einer Farm in Südarmerika.
Eine Farm für medizinisches Cannabis in Südamerika. Die Droge soll in Bad Oldesloe umgeschlagen werden – ganz legal, versteht sich. (Symbolbild/24hamburg.de) © Benjamin Hernandez/dpa

Deutschland sei „ein junger Markt“, sagt Adjupharm-Gründer Christian Hauck im „Spiegel“. 14 Tonnen Blüten habe das Land im vergangenen Jahr importiert. Nicht mal ein Prozent der deutschen Patienten bekäme medizinisches Cannabis verschrieben – und dann auch nur als letzten Therapieschritt.

Marihuana-Mekka in Bad Oldesloe: Auch der Bürgermeister war schon da

„Sie haben den deutschen Markt ein bisschen größer eingeschätzt, als er ist“, sagt er über seine israelischen Kollegen. Hinzukommt: Cannabis in Deutschland zu vertreiben ist schwierig: 16 Bundesländer, 16 verschiedene Bestimmungen. So könne Adjupharm seine Cannabisprodukte nicht nach Berlin liefern. Dafür bräuchte es Zertifikate, die sie nicht erbringen können: In Berlin gilt medizinisches Cannabis als ein anderes Produkt als in Schleswig-Holstein.

Manche dachten ja, wir machen jetzt Kiffen auf Rezept.

Unternehmer Christian Hauck

In Bad Oldesloe herrscht dennoch Aufbruchsstimmung. Die Aufregung unter den Anwohnern ist groß. Man habe viel Aufklärungsarbeit leisten müssen, so Hauck im „Spiegel“. „Manche dachten ja, wir machen jetzt Kiffen auf Rezept.“ Auch der Bürgermeister sei schon da gewesen, habe sich erkundigt – Glückwünsche übermittelt.

Er freue sich, dass hier kein neues Amazon-Auslieferungscenter entstehe. Für den Ort ist der neue Cannabis-Umschlagsplatz gut, hier arbeiten ausschließlich lokal Beschäftigte. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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