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Zu laut: Traditionslokal „Pius“ auf Sylt schließt nach 19 Jahren

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Von: Dagmar Schlenz

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Weil Nachbarn sich gestört fühlten, wurde der Mietvertrag von „Pius Weinbar“ in Keitum auf Sylt nicht verlängert. Der Vermieter will in Zukunft auf keinen Fall Abend-Gastronomie.

Keitum/Sylt – Das „Pius“ in Keitum war seit vielen Jahren eine Institution. In der gemütlichen Weinbar direkt neben Nielsens Kaffeegarten kehrten nicht nur Touristen gerne ein. Hier trafen sich auch viele Einheimische auf ein Gläschen, um sich über die aktuellen Ereignisse auf der Nordseeinsel Sylt auszutauschen. Damit ist seit dem 30. September 2022 Schluss. Das „Pius“ musste nach über 19 Jahren schließen, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde.

Lokal:Pius – Weinbar, Bistro, Shop
Adresse:Am Kliff 5, 25980 Sylt/Ortsteil Keitum
Inhaber:Pius Regli
Öffnungszeiten:Seit 1. Oktober 2022 geschlossen

Pius Weinbar in Keitum schließt nach Beschwerden von Anwohnern

Während gerade das Kult-Restaurant „Sturmhaube“ in Kampen nach fünfjähriger Umbaupause wieder eröffnet wurde, ist für eine andere Sylter Institution endgültig Schluss. Auf der Facebook-Seite von „Pius Weinwelt Keitum“ kündigt der Inhaber der beliebten Weinbar die bevorstehende Schließung seines Lokals auf der Promi-Insel Sylt an. „Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, müssen wir unser schönes Lokal nach fast 20 Jahren, aus nachbarschaftlichen Gründen, zum 30. September für immer schließen! Private Interessen aus der 1. Reihe standen leider an erster Stelle“, heißt es in einem Post vom 2. September 2022.

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, müssen wir unser schönes Lokal nach fast 20 Jahren, aus nachbarschaftlichen Gründen, zum 30. September für immer schließen!

Facebook-Post von „Pius Weinwelt Keitum“ vom 2. September 2022

Bereits 2021 wurde bekannt, dass der Mietvertrag von „Pius Weinbar“ in Keitum nicht verlängert wird. Es habe in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden von Anwohnern über Ruhestörungen durch zu laute Weinbar-Gäste vor allem auf der Terrasse nach 22 Uhr gegeben, so Vermieter Jens Nielsen im Oktober 2021 gegenüber der Sylter Rundschau. Für ihn stand schon damals fest: nach Ablauf des Mietvertrags von „Pius Weinbar“ am 30. September 2022 würde es in den Räumen neben seinem Lokal „Nielsens Kaffeegarten“ keine Abend-Gastronomie mehr geben.

Montage von feiernden Gästen in einer Bar und einer Frau, die sich gequält die Ohren zuhält. Weil sich Nachbarn durch die Lautstärke gestört fühlen, musste „Pius Weinbar“ in Keitum auf Sylt nun schließen.
Weil sich zu viele Nachbarn durch die Lautstärke gestört fühlen, muss die Pius‘ Weinbar in Keitum auf Sylt nun schließen. © Dagmar Schlenz/Malte Jäger/imago/Montage

Weinbar-Betreiber Pius Regli: „An den Haaren herbeigezogen“

Gegenüber der Sylter Rundschau äußert sich Inhaber Pius Regli jetzt zur Schließung seiner Weinbar. Er sei traurig, dass die Keitumer mit „Pius“ jetzt ihre „Wohlfühlstube“ verlieren. Die Terrasse habe man jeden Abend um 22 Uhr geschlossen. „Da war nichts zu laut, das ist an den Haaren herbeigezogen.“, so Regli. Der Schweizer, der seit mehr als 40 Jahren auf Sylt lebt, betreibt neben „Pius Weinbar“ auch das „Manne Pahl“ im Nobel-Ort Kampen. Ist also, anders als bei den Beschwerden von Sylt-Touristen über die Punks in Westerland, an den Klagen über die Weinbar in Keitum nichts dran?

Der Ex-Betreiber von „Pius Weinbar“ ist jedenfalls verärgert darüber, dass Nachbarn, die deutlich später nach Keitum gezogen seien, bestimmen können, wer in dem kleinen Friesendorf bleiben dürfe und wer nicht. Ein Leser der Sylter Rundschau reagiert in einem Kommentar auf seine Äußerungen: „Herr Regli, es gibt Menschen, vielleicht auch Ihr Nachbar, die arbeiten in Frühschicht, z.B. in der Pflege und da klingelt der Wecker nun mal um 5 Uhr. Da ist die Nachtruhe ab 22 Uhr wichtig.“ Ob es sich bei dem besagten Nachbarn um einen abgespannten Arbeitnehmer, einen genervten Zweitwohnungsbesitzer oder einen lärmempfindlichen Stammgast der Insel handelt, bleibt offen.

Nächtliche Ruhe in Keitum, Halligalli in List

In Keitum an der Wattseite der Insel ist mit der Schließung von „Pius Weinbar“ ein weiteres Traditionslokal verschwunden. Bereits 2016 hatte es „Fisch Fiete“ erwischt. Das alteingesessene Fisch-Restaurant war über drei Generationen in Familienbesitz. Die Umbaupläne des damaligen Besitzers waren gescheitert, mittlerweile wurde ein Teil des Gebäudes abgerissen. Dieses Schicksal bleibt „Pius Weinbar“ voraussichtlich erspart. Eine Anfrage von 24hamburg.de an den Vermieter Jens Nielsen zur geplanten Anschlussnutzung blieb aber bisher unbeantwortet.

Während sich die nächtliche Ruhe über Keitum legt, geht es in List im Norden der Insel erst richtig los. Zumindest, wenn es nach Kult-Gastronom und Sylter Urgestein Jürgen Gosch geht. Der baut gerade sein Edel-Restaurant „Jünne“ in List zum „Mini-Las-Vegas“, um, wo er nach eigenen Worten „richtig Halligalli machen“ will. Mit seiner Lage am Hafen hat das „Jünne“ zumindest keine direkten Nachbarn, die sich über lärmende Gäste beschweren könnten. Und das Luxus-Resort Lanserhof Sylt ist weit genug entfernt, sodass die zahlungskräftigen Gäste dort nicht vom „Halligalli am Hafen“ beim Entschleunigen gestört werden.

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