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Aufregung auf Sylt: Bagger pflügen Dünen nahe alter Nazi-Villa um

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Von: Daniel Hagen

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Bagger-Arbeiten sorgen derzeit für Aufregung auf Sylt. Denn es geht dabei um „Min Lütten“, eine ehemalige Nazi-Villa. Was dort passiert.

Sylt - Bauarbeiter und Bagger sind seit Tagen auf Sylt mit Arbeiten beschäftigt. Die schweren Geräte pflügen Dünensand um – was die Anwohner mit Sorge erfüllt. Denn in der Regel sind Dünen geschützt, da sie eine empfindliche, aber wichtige Barriere gegen die Kräfte des Meeres darstellen. Doch auch die Villa, an der die Arbeiten stattfinden, ist besonders – sie gehörte nämlich einst dem NS-Reichsmarschall Hermann Göring.

NameSylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
KreisNordfriesland (Schleswig-Holstein)
Länge38 Kilometer
Breite12,6 Kilometer
Einwohner18.118 (2019) 183 Einwohner/km²

Nazi-Villa auf Sylt: Bagger pflügen Dünen um – Gebäude steht unter Denkmalschutz

Die Villa mit dem Namen „Min Lütten“ im Südwesten von Wenningstedt auf der Promi-Insel Sylt ist wirklich besonders. Nicht nur mit der Lage direkt am Meer kann das Gebäude punkten, sondern auch mit seiner ungewöhnlichen Geschichte. Denn „Min Lütten“ ist 1937 extra für seine neuen Besitzer aus den Reihen der Nazis erbaut worden – Hermann Göring und seine Frau Emmy. 

Der ehemalige NS-Reichsmarschall Hermann Göring – der als wichtigster Komplize Adolf Hitlers bezeichnet wird – hat in den 1930er Jahren viel Zeit auf Sylt verbracht und sich daher dort eine eigene Villa bauen lassen. Das Gebäude misst stolze 140 Quadratmeter und befindet sich auf einem Grundstück mit 7.755 Quadratmetern. Außerdem findet man „Min Lütten“ unter der Bezeichnung „ehem. Strandhaus Göring“ in der Denkmalliste Nordfriesland – womit es unter besonderem Schutz steht. 

Hermann Göring (2.v.l) – hier auf einem Archivfoto mit Adolf Hitler.
Auf Sylt gibt es Aufregung wegen Arbeiten nahe der alten Villa von Hermann Göring (2.v.l) – hier auf einem Archivfoto mit Adolf Hitler. (Symbolbild) © IMAGO / Photo12

Nazi-Villa auf Sylt – Arbeiter entfernen Kartoffel-Rose

Kein Wunder also, dass die Anwohner Sylts in Sorge sind. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Villa erst seit ein paar Jahren einen neuen Besitzer haben soll. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, ist das Gebäude – das sich jahrelang im Besitz einer Kölner Familie befunden hat – 2019 zum stolzen Preis von 12 Millionen Euro zum Verkauf angeboten worden. Der Käufer wolle jedoch anonym bleiben. Generell sind die Immobilienpreise im Norden wieder angestiegen – vor allem auf Sylt

Doch die Sorge der Anwohner ist unbegründet. Bei den Bagger-Arbeiten geht wohl alles mit rechten Dingen zu. „Wir entfernen die Kartoffel-Rose auf dem Grundstück“, erklärt Carsten Wieners dem Hamburger Abendblatt. Er ist Inhaber eines Architekturbüros in Westerland, das das Vorhaben betreut. Der gesamte Vorgang laufe in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland und sei wichtig für den Naturschutz!

Wo hat Hermann Göring gewohnt?

Villa „Min Lütten“ auf Sylt war nur der Sommersitz von Hermann Göring. Der Reichsmarschall lebte aber auch auf dem Gut „Carinhall“, das in der Schorfheide zwischen Großdöllner See und Wuckersee im Norden Brandenburgs liegt. Der Name bezieht sich auf seine erste Frau, die 1931 verstorbene Schwedin Carin Göring.

Kartoffel-Rose auf Sylt – warum das Gewächs an der Göring-Villa entfernt wird

Die Kartoffel-Rose – auch unter dem Namen Sylt-Rose bekannt – breitet sich seit Jahrzehnten immer weiter aus und verdrängt dabei andere Pflanzenarten wie Stranddisteln, Krähenbeerheiden, Sand-Lieschgras und die Bibernellrose. Mittlerweile sind sowohl der Kauf als auch der Austausch der Rose in Dänemark verboten. 

Statt der Kartoffel-Rose wird an der Göring-Villa auf Sylt bald Strandhafer gepflanzt werden, die auf der Insel ebenfalls heimisch ist – aber keinen Schaden anrichtet. Dabei handelt es sich nämlich um eine der Voraussetzungen, um diese Baumaßnahmen durchführen zu dürfen. Eine andere ist, dass die Sylt-Rose nur außerhalb der Brutzeit beseitigt werden darf. (dh)

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