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Insel-Zoff! US-Millionärin sichert sich Namensrechte an Amrum – Insulaner toben

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Von: Jan Knötzsch

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Die nordfriesische Insel Amrum, die Nordsee, ein bisschen Ruhe – klingt alles nach Idylle. Doch auf dem Eiland gibt‘s Zoff. Welche Geschichte steckt dahinter?

Amrum – Geld müsste man haben. Dann wäre es möglich, sich so einiges zu leisten. Anteile beim HSV vielleicht, so wie es Milliardär Klaus-Michael Kühne macht – die eine oder andere verbale Backpfeife für den HSV inklusive, wenn ihm wieder einmal nicht passt, was da im Volksparkstadion so vor sich geht. Man könnte sich fraglos natürlich auch eine schöne Villa im beliebten Hamburger Stadtteil Blankenese gönnen, aus dem es zuletzt Gerüchte gab, Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würde nach ihrer Politik-Karriere dort sesshaft. Wenn man viel Geld hat, nicht arbeiten muss und zu viel Zeit zum Überlegungen besitzt, kommt man manchmal auch auf ganz kuriose Ideen. Zumindest auf den ersten Blick kurios.

Zum Beispiel sich eine Insel zu sichern. Fernab der Heimat. Nun gut, zugegeben: nicht die Insel an sich, aber einen Namen. Genau das hat eine US-Millionärin getan. Mitten im beschaulichen Nordfriesland. Warum die sonst gemeinhin vielleicht eher als spröde und bodenständig geltenden Insulaner auf einmal völlig aus dem Häuschen sind – und das nicht in positiver Natur –, verrät 24hamburg.de.

Nordfriesische Insel:Amrum
Fläche:20,46 km²
Höchstbreite/Höchstlänge:10 Kilometer/2,5 Kilometer
Einwohner:2279

Zoff um friesischen Namen von Amrum – warum es zwischen US-Milionärin und Insulaner Ärger gibt

So eine Insel ist doch was Feines. Wenn nicht gerade unbedingt das Coronavirus dafür sorgt, dass dort die Inzidenzwerte explodieren – so wie auf Sylt, wo Omikron zuletzt alles lahmgelegt hat. Ist genau das nicht der Fall, dann ist so ein Ort des Wohfühlens und der Entspannung in aller Munde. Egal, ob nun mit dem „normalen“ Namen oder aber dem friesischen. Also macht‘s doch vielleicht Sinn, sich den Namen einer Insel zu sichern. Dachte sich auch eine Millionärin aus den USA, die sich laut des NDR mit „Öömrang“ die Rechte am friesischen Namen der Insel Amrum geschnappt hat.

Die nordfriesische Insel Amrum in der Nordsee in einer Luftaufnahme.
Um die nordfriesische Insel Amrum und ihren Name hat es einen Streit zwischen einem Insulaner und einer US-Millionärin gegeben. © blickwinkel/imago

„Öömrang“ ist übrigens auch ein Dialekt der friesischen Sprache, die auf Amrum gesprochen wird. Doch das ist für diese Geschichte, die weit draußen vor den Toren von Hamburg spielt, eher nebensächlich. So nebensächlich wie für HSV-Fans der FC St. Pauli ist. Nun will es der Zufall – oder aber doch die sportlichen Leistungen –, dass die Kiezkicker in dieser Saison besser als das Team von HSV-Trainer Tim Walter in der Tabelle stehen. Der Zufall ist auch der Wegbereiter einer verrückten Geschichte um Amrum, pardon: „Öömrang“.

Insulaner produziert Gin auf Amrum – plötzlich bekommt er eine Abmahnung aus den USA

Und die lautet so: Der Amrumer Stephan Klindtberg hat einen Gin entwickelt. Den verkauft er seit 2017. Der Name des Getränks? Richtig, liebe Leser, Sie ahnen es schon: „Öömrang“. Macht ja auch Gin – äh, Sinn –, wenn das Produkt von Amrum kommt. Nur hat Stephan Klindtberg die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes aber eben ohne jene Millionärin aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gemacht, die die „Öömrang“-Namensrechte hat.

Die hat nun, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet, an den Insulaner eine Abmahnung in Höhe von 1850 Euro geschickt. Absender: das US-amerikanische Unternehmen „Öömrang Inc.“, mit Sitz in Washington vertritt, das sich im April 2021 laut Mopo den Namen „Öömrang“ international gesichert hat. Was dahinter steckt? Eine Familiengeschichte, die zeigt, dass sich millionenschwere Menschen aus den USA und Insulaner aus dem Nordfriesischen manchmal gar nicht so fremd oder gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie man es vielleicht denken mag.

Streit um Namensrechte: Diese Verbindung hat US-Milionärin zu Amrum und Nordfriesland

Denn Christine und Edmund Stoecklein, die beiden Inhaber von „Öömrang Inc.“ erklären dem NDR, dass Christines Vater, Carsten Martensen, 1908 in der Nähe von Niebüll geboren wurde – also in der nordfriesischen Provinz kurz vor der Promi-Insel, auf die es auch manche Berühmtheit aus Hamburg immer wieder gerne zieht. Zum Beispiel Scooter-Frontmann H.P. Baxxter, der sich nach fünf Jahren von seiner Freundin getrennt und im 24hamburg.de-Interview über eine Scooter-Tour gesprochen hat.

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Der Vater von Christine Stoecklein wanderte 1926 in die USA aus, gründete dort in New York einen Eisverkauf – auch Christine Stoecklein, die Frau mit den „Öömrang“-Namensrechten, arbeitete später dort. Später gründete sie selbst einen Vertrieb für Party-Artikel, verwirklichte 2016 ihren Traum vom Winzergut und vertreibt Wein unter dem Label „Öömrang“ – so wie es Stephan Klindtberg von der Insel Amrum mit seinem Gin tut.

US-Milionärin und Gin-Produzent von der Insel Amrum – so endet der Streit der beiden Parteien

Doch am Ende wird alles gut: Nachdem die Insulaner erst tobten, herrscht nun Friede, Freude, Eierkuchen (schmeckt Gin eigentlich zu Letzterem?): Beide Seiten haben sich geeinigt, jeder zahlt seine eigenen Anwaltskosten. Stephan Klindtberg darf seinen Gin unter dem jetzigen Namen noch ein halbes Jahr lang regional verkaufen, danach heißt er „Oomram“. Und hat sich von seiner Kontrahentin direkt auf eine Idee bringen lassen: Die friesischen Namen „Föhring“ und „Sölring“ für Föhr und Sylt hat er sich gleich mal als Namen für weitere Marken eintragen lassen. Sicher ist sicher. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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