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Gasrechnung verzehnfacht: Dünentherme in St. Peter-Ording dicht – „Katastrophe“

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Von: Dagmar Schlenz

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Von einem Tag auf den anderen kündigten die Betreiber die Schließung der Dünentherme in St. Peter-Ording an. Hotelbesitzer sprechen von „Katastrophe“.

St. Peter-Ording – Die Ankündigung kam überraschend: Freizeit- und Erlebnisbad, Saunalandschaft, Wellnesszentrum – alles dicht. Ab dem 18. Januar 2023 schließt die beliebte Dünen-Therme im Nordseebad St. Peter-Ording ihre Türen. Grund sind die „deutlich erhöhten Energiekosten“, so die Information auf der Internetseite der Dünen-Therme. Für Hotelbetreiber und Wintergäste ist die Entscheidung schwer nachvollziehbar.

Name:Freizeitbad Dünen-Therme
Adresse:Maleens Knoll 2, 25826 St. Peter-Ording, Ortsteil Bad
Betreiber:Gemeinde St. Peter-Ording
Geschlossen ab:18. Januar 2023
Geschlossen bis:voraussichtlich Ostern 2023

Dünentherme in St. Peter-Ording geschlossen: 333.000 Euro Gasrechnung im Januar

Bürgermeister Jürgen Ritter musste die Notbremse ziehen. Ganze 333.000 Euro betrug die Gasrechnung für das Freizeitbad Dünen-Therme im Januar 2023. Und da war der Monat gerade mal halb herum. Zum Vergleich: im gesamten Januar 2022 bezahlte die Gemeinde 37.000 Euro für die Gasversorgung des Freizeitbads, wie shz.de berichtet. Aufgrund eines neuen Gas-Liefervertrages ohne monatlichen Festpreis erfuhr die Gemeinde St. Peter-Ording erst vor wenigen Tagen den neuen Gaspreis.

12,1 Cent pro Kilowattstunde sollte man im Januar zahlen. Zuvor waren es gerade mal 1,4 Cent. Schnell war klar: bei den hohen Energiekosten konnte sich die Gemeinde in Schleswig-Holstein den Betrieb des Freizeitbads nicht mehr leisten. „Jeder Tag, den wir den Betrieb aufrechterhalten hätten, wäre unverantwortlich gewesen im Umgang mit öffentlichen Mitteln“, so Bürgermeister Ritter gegenüber shz.de.

Ein Gebäude mit Glasfassade in den Dünen. Wegen hoher Gaspreise musste das Freizeitbad „Dünentherme“ in St. Peter-Ording im Januar 2023 schließen.
Wegen hoher Gaspreise musste das Freizeitbad „Dünentherme“ in St. Peter-Ording im Januar 2023 schließen. © imago

„Dramatische Situation“: Auch Gesundheitszentrum von Schließung der Dünentherme betroffen

Die kurze Meldung auf Facebook und der Internetseite der Dünen-Therme in St. Peter-Ording hat es in sich: nicht nur das Freizeit- und Erlebnisbad mit Saunalandschaft bleibt ab dem 28. Januar 2023 geschlossen. Auch das Gesundheits- und Wellnesszentrum macht die meisten seiner Bereiche dicht und bleibt nur für medizinische Anwendungen geöffnet.

„Das ist eine dramatische Situation“, sagt Katharina Schirmbeck, Tourismus-Chefin in St. Peter-Ording, gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Wenn die Energiepreise nicht vorher auf ein vertretbares Niveau sinken, bleibt die Dünen-Therme voraussichtlich bis Ostern 2023 geschlossen.

Schließung Dünentherme: Keine Gaspreisbremse für Schwimmbäder und Schulen?

Ab Januar 2023 wird der Gaspreis für die Industrie auf 7 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Auch für Krankenhäuser sollen dieselben Konditionen gelten wie für die Industrie. Noch ist völlig unklar, ob die vom Bundeskabinett beschlossene Gaspreisbremse auch bei öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Schwimmbädern greifen wird. Solange die Gemeinden hohe Kosten haben, sind erstmal Sparmaßnahmen angesagt.

Durch die Schließung der Dünen-Therme in St. Peter-Ording sind auch Schülerinnen und Schüler betroffen: sie werden vorerst keinen Schwimmunterricht mehr haben. Andere Gemeinden haben wegen der Energiekrise ebenfalls Konsequenzen gezogen. Das Freizeitbad Sylter Welle ist im Januar 2023 geschlossen, um die hohen Energiekosten durch eine umfangreiche Sanierung zu senken.

Hohe Gaspreise: Das sieht die Gaspreisbremse für öffentliche Einrichtungen vor

Auf einer Informationsseite der Bundesregierung zu den Gaspreisbremsen heißt es, die Bundesregierung wolle mit den Strom-, Gas- und Wärmepreisbremsen Privathaushalte und Unternehmen von den stark gestiegenen Energiekosten entlasten. Zu öffentlichen Einrichtungen findet sich hier wenig.

Lediglich Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen werden erwähnt, für die es einen besonderen Hilfsfonds gibt, um die flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Außerdem sollen für Krankenhäuser bei der Gaspreisbremse dieselben Konditionen gelten wie für die Industrie: Die erhält 70 Prozent ihres Erdgasverbrauchs im Jahr 2021 zu garantierten 7 Cent je Kilowattstunde. Ob es Hilfen für Schulen, Schwimmbäder und andere Einrichtungen gibt, bleibt offen.

Schließung der Dünentherme: Hotelbetreiber und Gäste verärgert

Ebenso wie die Nordseeinsel Sylt ist auch St. Peter-Ording ganzjährig ein beliebtes Reiseziel. Die Wintergäste genießen die langen Strände und die raue Nordseeluft. Und was gibt es Schöneres, als sich danach in der Sauna oder dem Schwimmbad aufzuwärmen? Doch darauf müssen die Gäste in St. Peter-Ording in diesem Winter verzichten. Erst Ostern 2023 will man das Freizeitbad Dünen-Therme wieder öffnen.

„Ein Ort ohne öffentliche Therme, das ist schwierig. Für uns ist das eine Katastrophe“, äußert sich Karsten Werner, Geschäftsführer des an die Dünen-Therme angeschlossenen StrandGut Resorts, gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Auch die Gäste zeigen wenig Verständnis. „Die Schließung des Freizeit- und Erlebnisbads ist euren Wintergästen gegenüber aber sehr unfair“, kommentiert eine Userin auf Facebook die Ankündigung einer ersten Schließung der Dünen-Therme im November 2022. Damals konnte der Betrieb dank verkürzter Öffnungszeiten und eines Energiezuschlags von 3 Euro aber doch noch aufrechterhalten werden.

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