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Der Hindenburgdamm: Lebensader der Nordseeinsel Sylt

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Von: Dagmar Schlenz

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Ein Eisenbahndamm verbindet seit fast 100 Jahren die Nordseeinsel Sylt mit dem Festland. Alles zur Geschichte des Hindenburgdamms.

Sylt – Eine Insel vor der Küste von Schleswig-Holstein, mitten in der rauen Nordsee, immer wieder heimgesucht von Überschwemmungen und Sturmfluten. Und doch entwickelte sich Sylt Mitte des 19. Jahrhunderts von einer Insel der Seefahrer zu einem beliebten Ferienziel. Um die Anreise für die Gäste möglichst angenehm zu gestalten, wurde im Jahr 1923 mit dem Bau einer festen Verbindung zum Festland begonnen: dem Hindenburgdamm.

Name:Hindenburgdamm
Bundesland:Schleswig-Holstein
Zweck:Verbindung der Insel Sylt mit dem Festland
Bauzeit:1923 bis 1927
Länge:11,3 Kilometer

Der Hindenburgdamm: Bequeme Anreise mit dem Zug nach Sylt

Um im 19. Jahrhundert in den mondänen Badeort Westerland auf Sylt zu gelangen, mussten die Badegäste an der Hoyerschleuse bei Tondern den Raddampfer nach Munkmarsch auf Sylt nehmen. Je nach Gezeiten und Wetter konnte das recht ungemütlich werden und die Überfahrt schon mal bis zu sechs Stunden dauern. Noch heute gibt es in Munkmarsch einen kleinen Hafen. Das Fährhaus ist mittlerweile ein schickes Hotel und bekannt als Drehort für den Hollywood-Blockbuster „Der Ghostwriter“.

Schon bald, nachdem die ersten Touristen Sylt für sich entdeckt hatten, kam der Wunsch auf, das ganze Jahr über und bei jedem Wetter auf die Insel reisen zu können. Bereits im Jahr 1875 begann der Geologe Ludwig Meyn mit Bohrungen im Watt, um zu prüfen, ob der Bau eines Dammes vom Festland nach Sylt möglich wäre. Ein schwieriges Unterfangen. Die Planung für die feste Verbindung mit dem Festland zog sich in die Länge. Erst 1914 begannen die Bauvorbereitungen, wurden aber durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen.

Wann wurde der Hindenburgdamm gebaut?

Tondern (dänisch: Tønder) und die Hoyerschleuse fielen nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1920 an das benachbarte Dänemark. Die Sylter stimmten dagegen in einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Deutschland. Um auf die Insel Sylt zu gelangen, mussten Gäste nun also die Deutsch-Dänische-Grenze passieren – wofür zeitweise ein Visum nötig war. Der Bau eines Dammes wurde somit noch dringlicher.

Im Jahr 1923 konnte dann endlich mit den Bauarbeiten für den Eisenbahndamm begonnen werden. Die ausführenden Baufirmen mussten einige Rückschläge verkraften, ein erstes Teilstück des Dammes fiel einer Sturmflut zum Opfer. Zwischen 1.000 und 1.500 Arbeiter waren mit dem Bau beschäftigt, der etwa 18,5 Millionen Reichsmark gekostet hat. Ganze vier Jahre nach Baubeginn, im Jahr 1927, war es dann so weit: Der erste Zug rollte über den Eisenbahndamm auf die Nordseeinsel Sylt.

Die spannende Geschichte vom Bau des Hindenburgdamms wurde vom Norddeutschen Rundfunk verfilmt. „Sylt, das Blumenmädchen und der Damm“ ist eine Mischung aus historischen Filmen, Spielszenen und computeranimierten Sequenzen. Der Dokumentationsfilm läuft das erste Mal am 7. Juli 2022 in der Reihe „Unsere Geschichte“.

Woher stammt der Name „Hindenburgdamm“?

Bei der Jungfernfahrt über den neuen Bahndamm vom Festland zur Insel Sylt war auch der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg an Bord. Nach eben diesem Reichspräsidenten wurde der Damm im Rahmen eines Frühstücks benannt, das im Anschluss an die Jungfernfahrt im Kursaal von Westerland stattfand.

Heute ist der Name „Hindenburgdamm“ umstritten. Bereits häufiger gab es die Forderung, den Damm zur Nordseeinsel Sylt umzubenennen. So plädierten beispielsweise im Jahr 2019 Politiker der SPD und der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag dafür, den Generalfeldmarschall und Ex-Reichspräsidenten Hindenburg nicht weiter mit Namensgebungen zu ehren, wie die „Welt“ berichtet. Der frühere Reichspräsident sei unter dem Strich eine „unrühmliche Person“ gewesen, so Grünen-Politiker Tietze.

Hindenburgdamm nach Sylt: Zunächst nur eingleisige Verbindung

Die Bahnstrecke auf dem Hindenburgdamm war ursprünglich eingleisig. Für eine bessere Ausnutzung wurde später eine Ausweichstelle eingerichtet. Nach seiner Einweihung wurde der Damm zunächst nur von Personen- und Güterzügen befahren, im Jahr 1932 begann auch die Beförderung von Autos mit der Eisenbahn nach Sylt. Seit 1961 setzt die Deutsche Bahn für ihre Autozüge zwischen dem Festland und der Nordseeinsel Doppelstockwagen ein.

Ein Zug fährt über einen Eisenbahndamm im Watt. Der Hindenburgdamm verbindet die Insel Sylt in Schleswig-Holstein mit dem Festland.
Der Hindenburgdamm ist ein Eisenbahndamm, der die Insel Sylt in Schleswig-Holstein mit dem Festland verbindet. © imago

Erst in den 1970er Jahren, als Sylt bereits zur Promi-Insel aufgestiegen war, erfolgte der zweigleisige Ausbau des Hindenburgdamms. Heute verbindet die Marschbahn die Insel Sylt mit verschiedenen Orten an der Westküste von Schleswig-Holstein und der Hansestadt Hamburg. Außerdem verkehren zwei Anbieter mit Autozügen von Niebüll nach Westerland auf Sylt. Fahrgäste können zwischen dem Sylt Shuttle der Deutschen Bahn und dem blauen Autozug der RDC AUTOZUG Sylt GmbH wählen.

Mit dem Autozug über den Hindenburgdamm nach Sylt? Sagen Sie uns Ihre Meinung

Kann man über den Hindenburgdamm zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Sylt?

Der Hindenburgdamm nach Sylt ist ein reiner Eisenbahndamm. Ein Rettungsweg neben den Gleisen kann im Notfall für Einsatzkräfte genutzt werden. Das Befahren mit dem eigenen PKW oder mit dem Fahrrad ist untersagt. Auch Fußgänger dürfen den Hindenburgdamm nicht betreten.

Im Jahr 2016 hatte es einen Vorstoß der Piratenpartei im schleswig-holsteinischen Landtag gegeben, den Versorgungsweg am Hindenburgdamm als Radweg auszubauen. Das Kieler Umweltministerium hatte damals laut shz (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag) keine Bedenken gegen den Bau oder Ausbau eines Radwegs.

Doch der damalige Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) winkte ab. Der Hindenburgdamm sei ein Bahnbetriebsgelände, das grundsätzlich nicht betreten werden dürfe, außerdem gebe es massive Probleme mit der Verkehrssicherheit. Also hindert auch weiterhin ein verschlossenes Tor unbefugte Personen am Zutritt zum Eisenbahndamm nach Sylt.

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