Impfgegener extrem

Heilpraktikerin lehnt geimpfte Patienten ab – sie darf das

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Von wegen Privilegien für Geimpfte: Eine Heilpraktikerin aus Schleswig-Holstein gönnt ihnen nicht mal Patientenrechte: Sie behandelt Geimpfte konsequent nicht.

Bredstedt – Während für Geimpfte immer mehr Lockerungen in Aussicht gestellt werden, wächst bei vielen Menschen, die noch kein Impftermin ergattern konnten, der Unmut. In der Praxis einer Heilpraktikerin aus dem nordfriesländischen Bredstedt werden hingegen gar keine Sonderrechte für Geimpfte verteilt – im Gegenteil: Hier sind es die geimpften Menschen, für die drastische Maßnahmen gelten. Denn die Medizinerin aus Schleswig-Holstein lehnt konsequent Patienten ab, die bereits eine Impfung erhalten haben. Doch darf sie das überhaupt?

Corona-Impfungen in Deutschland:Stand: 28. Juni, Quelle: Our World in Data
Verabreichte Dosen:73,8 Mio.
Vollständig geimpft:30,4 Mio.
% der Bevölkerung vollständig geimpft:36,6 %

Schleswig-Holstein: Heilpraktikerin behandelt „aus derzeit rechtlich ungeklärten Gründen“ keine Geimpften

Diskussionen rund um Privilegien und Sonderrechte für Corona-Geimpfte bestimmten seit Monaten den medialen Diskurs. Vollständig geimpfte Menschen dürfen sich schon jetzt über Lockerungen der Corona-Maßnahmen freuen, die ihnen vor der Impfung noch verwehrt blieben. Wie die Bundesregierung kürzlich verriet, könnten auch Konzerte schon bald nur für Geimpfte besuchbar sein. Die Konsequenz: Mit umfangreicheren Lockerungen und Privelegien steigt auch der Impfneid. Viele Menschen, die noch keine Impfung erhalten haben, fühlen sich benachteiligt.

Eine Heilpraktikerin dreht nun also den Spieß um. Auf der Interseite der interdisziplinären Klinik für Heilpraktik und Physiotherapie macht sie ihre Methode publik. So heißt es dort: „Aus derzeit rechtlich ungeklärten Gründen behandelt Frau Gutermann-Muntendam als Heilpraktikerin derzeit keine neuen Patienten, die einen Impfstoff gegen COVID-19 erhalten haben“. Was die „derzeit rechtlich ungeklärten Gründen“ sein sollen, lässt die Spezialistin allerdings offen.

Eine Heilpraktikerin in Schleswig-Holstein möchte keine geimpften Patienten behandeln.

Heilpraktikerin darf selbst entscheiden, welchen Patienten sie behandelt

Dem Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland liegen auch keinerlei Gründe vor, die eine solche Nicht-Behandlung rechtfertigen könnten. Ist das Vorhaben der Heilpraktikerin überhaupt erlaubt? Ja, sagt Kreissprecher Hans-Martin Slopianka, der sich hier auf die Vertragsfreiheit bezieht.

Im Gegensatz zu einem Wirt aus St. Peter-Ording, der kürzlich von Geimpften einen negativen Corona-Test einforderte, gerät die Heilpraktikerin aus Bredstedt nicht mit dem Gesetz in Konflikt. Als freie Unternehmerin mit einer eigenen Praxis habe sie das Hausrecht und „entscheidet selbst, wen sie behandelt und wen nicht“. Demzufolge kann sie also Patienten ohne Angabe von validen Gründen die Behandlung verweigern.

Im Notfall müssen Ärzte jeden Patienten behandeln

Anders verhält es sich übrigens, wenn ein Kassenpatient einen kassenärztlichen Arzt aufsucht. Während Privat-Patienten auch hier abgelehnt werden können, müssen kassenärztliche Patienten behandelt werden. Ähnlich ist es, wenn ein Notfall besteht. In einer solchen Situation müssen sich Ärzte verpflichtet sehen, jeden Patienten zu helfen. Ansonsten könnten ihnen eine Strafe wegen unterlassener Hilfeleistung drohen.

In der Berufsverordnung der Heilpraktikerin heißt es etwa: „Heilpraktiker sind in der Ausübung ihres Berufes frei. Sie können eine Behandlung ablehnen. Die Verpflichtung, in Notfällen zu helfen, bleibt davon unberührt.“ Dessen war sich offensichtlich auch die Heilpraktikerin aus Schleswig-Holstein, wo Clubs bald wieder öffnen dürfen, bewusst. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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