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Gegen Personalnot: Gemeinde Sylt will 100 Euro Inselzulage zahlen

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Von: Dagmar Schlenz

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Die Gemeinde Sylt plant die Zahlung von 100 Euro Inselzulage pro Monat an ihre Mitarbeiter. Außerdem sollen Beschäftigte eine Gutscheinkarte erhalten.

Sylt – Hohe Mieten, zu wenig Dauerwohnraum: Viele Menschen, die auf Sylt arbeiten, können sich das Leben auf der Nordseeinsel nicht (mehr) leisten. Einige ziehen auf das Festland und pendeln täglich mit dem Zug über den Hindenburgdamm nach Sylt. Andere suchen sich gleich eine andere Arbeit. Um sich als Arbeitgeber attraktiver zu machen, will die Gemeinde Sylt neue Anreize schaffen. Geplant ist die Zahlung einer Inselzulage von 100 Euro pro Monat an alle Vollzeit-Beschäftigten der Gemeinde, außerdem soll es eine Gutscheinkarte geben.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Kreis:Nordfriesland
Fläche:99,14 km²
Einwohner:18.118 (2019) 183 Einwohner/km²
Pendler:Circa 4500

Gemeinde Sylt will sich durch Zusatzleitungen attraktiver machen

„Wie kann ich Arbeitskräfte nach Sylt holen bzw. sie dort halten?“ Das fragen sich zurzeit viele Arbeitgeber auf der bei Urlaubern so beliebten Nordseeinsel. Der Personalmangel hinterlässt überall seine Spuren, im Restaurant „Synder“ in List sind schon die ersten Service-Roboter auf Sylt im Einsatz. In der Inselverwaltung sind elektronische Hilfskräfte allerdings keine Option. Daher hat die Gemeinde Sylt sich Gedanken gemacht, mit welchen Mitteln sie ihre Arbeitgeberattraktivität steigern kann.

Es wurden in der Vergangenheit bereits verschiedene Möglichkeiten erarbeitet, darunter die Übernahme der Kosten für den ÖPNV sowie eine Förderung von Fahrradleasing. Diese Maßnahmen hatte die Gemeinde Sylt für das Jahr 2022 beschlossen und umgesetzt. In den Genuss kamen allerdings nur Pendler sowie Nutzer des Leasing-Angebotes für Fahrräder. Bei der kommenden Sitzung des Hauptausschusses der Gemeinde Sylt wird nun über neue Lösungen abgestimmt: Inselzulage und Gutscheinkarten.

Eine Luftaufnahme der Insel Sylt, daneben eine Hand mit einem 100-Euro-Schein. Beschäftigte der Gemeinde Sylt sollen eine Inselzulage von 100 Euro erhalten. Damit will man mehr Anreize schaffen, auf der Nordseeinsel zu arbeiten.
Beschäftigte der Gemeinde Sylt sollen eine Inselzulage von 100 Euro erhalten. Damit will man mehr Anreize schaffen, auf der Nordseeinsel zu arbeiten. (24hamburg-Montage) © Deutzmann/C.Kaiser/imago

100 Euro Inselzulage und Gutscheinkarte für Beschäftigte der Gemeinde Sylt

Um die Gleichbehandlung aller rund 300 Beschäftigten der Gemeinde Sylt zu erreichen, wird am 10. Januar 2023 im Rathaus von Westerland über die Zahlung von Inselzuschlägen abgestimmt. Im Beschlussvorschlag der Gemeinde Sylt heißt es dazu: „Es wird beschlossen, dass (...) an jeden vollzeitlich Beschäftigten der Gemeinde Sylt ab dem 01.01.2023 bis auf Widerruf monatlich eine Inselzulage in Höhe von 100 EUR brutto gezahlt wird (...)“. Teilzeitkräfte der Gemeinde sollen die Inselzulage anteilig entsprechend ihrer Arbeitszeit erhalten.

Für geringfügig Beschäftigte (Minijobber) wird es dagegen keine Zulage geben. Andere Gemeinden auf Sylt, darunter List, Kampen und Wenningstedt, zahlen ihren Beschäftigten bereits 150 Euro Inselzulage. Die Gemeinde Sylt, zu der neben Westerland auch Rantum, Archsum, Keitum, Morsum, Munkmarsch und Tinnum gehören, hat sich für einen geringeren Betrag entschieden – aus steuerlichen Gründen. Weitere 50 Euro sollen die Beschäftigten stattdessen in Form einer Gutscheinkarte erhalten.

Inselzulage und Gutscheinkarte kosten Gemeinde Sylt über 650.000 Euro

Während sich alle, die in diesem Jahr 18 werden, nur einmalig über einen 200-Euro-Geburtstagsgutschein vom Staat freuen können, sollen Beschäftigte der Gemeinde Sylt jeden Monat bedacht werden. Geplant ist neben der Inselzulage auch eine 50-Euro-Gutscheinkarte. Sie gilt als Sachleistung, die bis zu einem Betrag von 50 Euro steuerfrei ist. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Gutscheinkarte ebenso wie die Inselzulage anteilig.

Wo genau man auf der Promi-Insel Sylt mit der Einkaufskarte der Gemeinde shoppen gehen kann, ist noch offen. Fest steht aber schon, dass diese Maßnahmen den Steuerzahler nach Angaben der Gemeinde Sylt etwa 656.160 Euro pro Jahr kosten wird. Ob man mit Inselzulagen und Gutscheinkarten die Abwanderung stoppen und verhindern kann, dass Sylt zur Geisterinsel wird, werden die kommenden Monate und Jahre zeigen.

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