Sylt könnte bald verschwunden sein

Geht die Nordsee-Insel Sylt unter oder kann sie gerettet werden?

Sylt ist ein beliebtes Urlaubsziel, insbesondere bei den Reichen und Promis. Eine Frage, die sich viele stellen, ist aber, ob die Nordsee-Insel untergehen wird.

Sylt – Sylt geht unter, das ist ein Szenario, das von Forschern in Modellen dargestellt wird. Dass die Insel schrumpft und möglicherweise bald verschwunden sein könnte, liegt an verschiedenen Gründen. Mit unterschiedlichen Maßnahmen versucht man die Insel zu retten und als Lebensraum zu erhalten.

Insel in Schleswig-Holstein:Sylt
Fläche: 99,14 km²
Länge: 38 km
Breite: 12,6 km
Inselgruppe: Nordfriesische Inseln
Bevölkerung:17.713 (2014)

Klimawandel: Nordsee-Insel Sylt könnte untergehen

In der Folge des Klimawandels könnte der Meeresspiegel so stark ansteigen, dass die flachen Gebiete von Sylt überschwemmt werden. Die Insel Sylt würde sich dann teilen oder ganz untergehen. Neben dem Klimawandel setzen der Wind und die Wellen der Insel aber heute schon stark zu. Aufgrund von Sylts Lage an der Nordsee greift insbesondere in den Herbstmonaten die Sturmflut die Insel immer wieder an. Das gilt als weiterer Grund, dass die Insel überschwemmt werden könnte – ähnlich wie Hamburg zur Sturmflut 1962.

Die Nordsee vor Sylt kann ungemütlich sein und zieht Wassersportler dennoch an.

Untergang Sylt: Das Problem von Sylt ist auch von Menschenhand gemacht

Im 19. Jahrhundert haben die Menschen die Urlaubsinsel aufgeforstet. Bis dahin war Sylt fast komplett baumlos. Heute verliert die Nordsee-Insel wieder an Fläche, auch weil verschiedene Baumaßnahmen auf der Insel dies verstärken. Für die Urlauber der Insel Sylt wurde in den 1960er Jahren die Kersig-Siedlung gebaut. Der Küstenschutz warnte schon damals vor den Baumaßnahmen. Da das Meer dem Dorf zu nah kam, sollten Schutzmaßnahmen die Siedlung schützen, damit die Häuser auch bei einem Sturm oder Orkan nicht irgendwann weggerissen werden.

Mit Tetrapoden, das sind vierbeinige Betonklötze, sollte die Küstenlinie geschützt und ein weiteres Abtragen des Sandes verhindert werden. Diese künstlichen Hindernisse haben aber den Nachteil, dass Sand, der sich durch die natürlichen Strömungen immer an der Südspitze von Sylt abgelagert hatte und diese schützte, nun nicht mehr an diese gelangen konnte, da der natürliche Verlauf der Strömung gestört wurde. Dadurch verschwindet die Heidelandschaft Hörnum-Odde immer weiter im Meer. Doch zumindest ein Teil des Gebietes wird heute durch Tetrapoden vor den Wellen geschützt.

Kann Sylt vor dem Untergang gerettet werden? Schutz der Küstenlinie von Sylt in der Nordsee

Auf Sylt wird neben Tetrapoden auf weitere Schutzmaßnahmen gesetzt wie beispielsweise Strandhafer, einem Gewächs, das Reisig sehr ähnlich ist. Dieser wird zur Befestigung von Dünen eingesetzt und kann beim Schutz der Küstenlinie erheblich helfen. Verzweigte Gräser und tiefe Wurzeln geben der Küste Halt und erschweren den Wellen das Abtragen des Sandes. Weitere Vorteile des Küstenhafers sind, dass er der Natur nicht schadet und zudem optisch gut in das Bild einer Urlaubsinsel passt.

Weitere Möglichkeiten, die Insel zu schützen sind:

  • Buhnen, ähnliche Wirkung wie ein Damm
  • Mauern aus Sylter Steinen oder Hünengräber, bremsen bei einer Sturmflut die Wellen
  • Fangzäune
  • Aufschütten von Sand

Wichtig bei diesen Maßnahmen ist, dass alle auch Einfluss auf die Natur oder umliegende Inseln haben können, was bei der Planung und Durchführung bedacht werden muss. Weitere Probleme sind, dass das Meer vor den Mauern umso mehr Sand abträgt, was langfristig zu Schäden führt.

Sand aufschütten, um die Insel Sylt zu retten

Sand aufzuschütten, um Sylt zu retten, ist ein riesiges Projekt und es war von Beginn an nicht unumstritten. Die Sorgen, dass der Sand direkt zu den Nachbarinseln Amrum und Rømø getragen werden könnte oder als Staub über die ganze Insel geweht wird, waren nur einige der möglichen Nachteile, die genannt wurden. Da Sylt aber auch nicht komplett eingemauert werden konnte und sollte, wurden die ersten Sandvorspülungen in den 80er Jahren vorgenommen. 

Spezielle Sandschiffe saugen den Sand auf und spülen ihn vor die Küste von Sylt. Dies tun die Schiffe jährlich und tragen so etwa anderthalb Millionen Kubikmeter Sand vor die Küste. Die Kosten hierfür belaufen sich im Jahr auf rund 6 Millionen Euro und werden aus Steuergeldern bezahlt. Diese Investitionen rechnen sich aber nicht nur für Sylt. Auch für den Erhalt der nordfriesischen Küste ist der Erhalt der Nordsee-Insel wichtig, denn Sylt fängt hier die Wellen ab. Durch ihre längliche Form ist die Insel einerseits ein guter Schutz für das Hinterland und andererseits besonders anfällig bei einer Sturmflut.

Sandwälle lassen Sylt sogar wachsen

Der Sand treibt an die Westküste und so bilden sich durch die Strömung Sandwälle, die in den Fangzäunen aus Reisig hängen bleiben und ihren Teil zur Rettung von Sylt beitragen. Dadurch, dass die Strömung den Sand verteilt, wächst die Insel aktuell sogar und es bilden sich Sandbänke, die das Wattenmeer schützen. Dieses könnte durch den Anstieg des Meeresspiegels zerstört werden, wenn es nicht entsprechend geschützt wird. Daher gibt es Überlegungen, das gesamte Wattenmeer mithilfe von Sandschiffen zu schützen.

Selbst die Südspitze von Sylt könnte gerettet werden durch Entfernen der Tetrapoden und Sand aufschütten. Dann könnte die Insel langfristig sogar weiter wachsen und die nordfriesische Küste weiterhin effektiv schützen. Außerdem bliebe die Insel ein Paradies für Urlauber.

Dass Sylt in absehbarer Zeit auseinanderbricht, ist allerdings nicht zu erwarten. Sollte an einer schmalen Stelle doch zu viel Sand durch eine Sturmflut abgetragen werden, stehen die Chancen sehr gut, dass dieser wieder aufgeschüttet werden kann.

Wissenswertes über die Nordsee-Insel Sylt

Die nordfriesische Insel fällt durch ihre längliche Form auf. Als Kurort schon seit jeher bei den Deutschen beliebt, zieht es vor allem viele Promis auf die Insel an der Nordsee. Grund für die Beliebtheit von Sylt sind unter anderem die langen Sandstrände, die von Touristen wie auch Einheimischen gleichermaßen geschätzt werden. Deshalb und wegen der Möglichkeit, auf der Insel abzuschalten ist sie als Kurort sehr beliebt. Auch die freie Körperkultur spielt auf Sylt eine wichtige Rolle. Außerdem hat die Insel viele bekannte Restaurants wie beispielsweise das „Johannes King“.

Sylt hat knapp 18.000 Einwohner, wobei die meisten in Westerland leben. Hinzu kommen Touristen auf die Nordseeinsel, um die größtenteils naturbelassene Landschaft zu genießen. Außerdem gibt es eine große Anzahl an Zweitwohnungsbesitzern, die in der Zahl der Einwohner nicht enthalten sind, aber auch viel Zeit auf der Insel verbringen. Durch die Coronavirus-Pandemie ist auch der Tourismus auf der Insel eingebrochen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken / dpa

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