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„Darf nächstes Jahr nicht nochmal entstehen“: Sylt hat null Bock auf neue Punk-Invasion

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Von: Jan Knötzsch

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Sylt und die Punks – das hat 2022 nicht zusammengepasst. Die angekündigten Chaostage haben Spuren hinterlassen. Für 2023 will Sylt reagieren. Wie?

Sylt – Es ist so etwas wie eine Never-Ending-Story. Eine, in der es einfach zu keinem Happyend kommen will und die immer und immer wieder aufgewärmt wird. Weil Sylt und die Punks, die seit Pfingsten die Insel belagern, einfach nicht zusammen passen. Zumindest nicht im Selbstverständnis vieler Sylter. Hier die Schönen und Reichen, die auf der Insel leben oder wie Christian Lindner (FDP) auf die Nordseeinsel zu kommen, um dort zu heiraten. Da die Punks, unter deren Andrang Sylt und in erster Linie die Gastronomen leiden. Zwischenzeitlich wurde gar ein Sicherheitsdienst eingeführt, weil es den Syltern reichte.

Menschen, die ein bisschen anders aussehen, sich ein wenig anders benehmen als die Mehrheit – nein danke! So die Meinung vieler Insulaner. Aber gut: Das hat ja bald ein Ende. Dann nämlich, wenn‘s mit dem Neun-Euro-Ticket vorbei ist, das die Punks in Scharen vom Festland auf die Insel Sylt gespült hat. Oder aber doch nicht. Droht Sylt im kommenden Jahr die nächste Punk-Invasion? Das nächste Punker-Camp? Neue Chaostage auf Sylt?

Insel in Schleswig-Holstein:Sylt
Fläche:99,14 km²
Breite:12,6 km
Inselgruppe:Nordfriesische Inseln

Punks auf Sylt wollen nach Ende des 9-Euro-Tickets bleiben – kommen sie auch im kommenden Jahr wieder?

Noch wird darüber spekuliert und diskutiert, wie es mit einem Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket aussieht. In Hamburg bietet der HVV bereits viele Alternativen an, deutschlandweit soll es einen 9-Euro-Ticket-Nachfolger geben – erklärt jedenfalls Kanzler Olaf Scholz (SPD). Also werden die Punks auch im kommenden Jahr wieder auf dem Bahnhof in Westerland ankommen, weil es so billig sein wird, nach Sylt zu reisen? Und dann wieder Teile der Insel in Beschlag nehmen und für Aufregung zu sorgen? So wie zu Zeiten, als sie wild in der Nähe der „Dicke Wilhelmine“, den bekannten Brunnen auf Sylt, wild urinierten und eine Mauer, die später wieder abgerissen wurde, dieses verhindern sollte.

Punks in der Fußgängerzone von Westerland auf Sylt. Im Vordergrund ein Punk mit grünen Haaren und freiem Oberkörper.
Ob der Punk mit den grünen Haaren schon ans Jahr 2023 auf Sylt denkt? Die Politik jedenfalls will verhindern, dass Punks noch einmal die Insel entern. (24hamburg.de-Montage) © Eibner/imago & Kay Nietfeld/dpa

Denkbar ist das, wenn es einen Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket gibt, der es für die Punks weiterhin erschwinglich macht, die Insel Sylt als Ziel anzusteuern. Das freilich ist noch Zukunftsmusik. Noch weiß keiner, wie es im kommenden Frühjahr oder aber Sommer mit den Punks auf Sylt aussieht, die zuletzt durch Protestcamps auf sich aufmerksam gemacht haben. Aktuell hat Sylt noch ein anderes Problem: Die Punks wollen gar nicht weg von der Insel, möchten viel lieber noch länger bleiben. Auch nach dem Ende des Neun-Euro-Tickets am 31. August 2022. Vorerst also kein Ende mit Wildpinklern, Vandalismus und Störungen von Einzelhändlern und Gastronomen auf Sylt?

Stellvertretender Bürgermeister kündigt Konzept gegen Punks auf Sylt im kommenden Jahr an

Der Reihe nach: Trotz der Tatsache, dass die Punks auf Sylt vielen Einheimischen der berühmte Dorn im Auge sind, sind der Polizei und auch der Verwaltung in der Vergangenheit der Never-Ending-Story, die im Sommer fast schon zu einer veritablen Daily Soap mit immer abstruseren und amüsanteren Ausläufern mutierte, oft die Hände gebunden gewesen. Das Protestcamp vor der Kirche St. Nicolai in Westerland zum Beispiel sollten die Punks nach Beschluss des Kreises Nordfriesland eigentlich verlassen, passiert aber ist das bis in die letzten August-Tage nicht. Zuletzt stand eine Räumung des Punk-Camps zur Debatte. Damit all dies im kommenden Jahr nicht ähnliche Ausläufe annimmt, will Sylt den Punks nun den Riegel vorschieben.

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So wie es die Politik schon einmal versucht hat: „Die drangsalieren uns richtig“, konstatierten die Punks da bereits – und dürfen sich darauf einstellen, dass sie im kommenden Sommer noch weniger auf Sylt gewollt sein werden als im Sommer 2022. Daran lässt Carsten Kerkamm (CDU), stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sylt, keinen Zweifel. „Eine Situation, wie wir sie jetzt haben, darf nächstes Jahr nicht noch mal entstehen“, so Kerkamm in einem Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) Daher plant die Gemeinde Sylt nun bereits das Vorgehen für 2023. Wie Carsten Kerkamm gegenüber dem Hamburger Abendblatt sagt, werde „ein Konzept in Abstimmung mit den Beteiligten erarbeitet.“

Was genau dessen Inhalt ist, will der stellvertretende Bürgermeister von Sylt (noch) nicht verraten, konstatiert im sh:z-Interview aber: „In diesem Jahr sind alle, insbesondere die Ordnungskräfte, überrascht worden. Man hat versucht, sich blitzartig darauf einzustellen. Mit allen Problemen, die das mit sich gebracht hat. Wir werden nächstes Jahr ganz anders aufgestellt sein.“

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