Hetze gegen Zoo-Tier

Tierpark Neumünster: Süßer Eisbär Vitus mit Mord bedroht

Eisbär Vitus schwimmt in seinem Becken im Tierpark Neumünster (in Schleswig-Holstein).
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Eisbär Vitus schwimmt in seinem Becken im Tierpark Neumünster (Schleswig-Holstein) .

Endlich wieder ein Stück Normalität. Die Tierparks in Schleswig-Holstein sind wieder geöffnet. Darunter auch der in die Schlagzeilen geratene Tierpark Neumünster. Zoodirektorin Kaspari bezeichnet die Notschlachtungspläne als Fake News.

  • Tierparks in Schleswig-Holstein sind wieder geöffnet, darunter ist auch der Tierpark Neumünster.
  • Die Zoodirektorin des Neumünsteraner Tierparks, bezeichnet Notschlachtungspläne als Fake News.
  • Den Tierparks drohen trotz der Wiedereröffnungen finanzielle Probleme.

Neumünster – Seit Montag haben die Tier- und Wildparks in Schleswig-Holstein wieder geöffnet. Sie mussten wegen Coronavirus-Sars-CoV2 zuletzt schließen. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, die Tierparks unter den strengen Hygiene-Auflagen und Abstandsregeln wieder zu öffnen“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht bei der symbolischen Wiedereröffnung des Tierparks Neumünster (in der Nähe von Kiel).

Die Eisbären Vitus und Larissa erhielten von Albrecht und Zoodirektorin Verena Kaspari zur Wiedereröffnung eine „Eisbombe“ – zur Beschäftigung tiefgefrorenes Futter. Über die Wiedereröffnung des Tierparks Neumünster und abgewendete Notschlachtungen berichtete 24hamburg.de.

Fake-News über Notschlachtungen im Tierpark Neumünster

Sowohl der Zoo als auch der Eisbär Vitus waren zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Anlass waren Medienberichte, die Kaspari als „Fake-News“ bezeichnet. Angeblich hätte sie im Notfall ihren Eisbär Vitus (20) schlachten wollen, um andere Zootiere satt zu kriegen. „Das war völlig falsch dargestellt“, sagte Kaspari. „Ich bin gefragt worden „was wäre Ihr größtes Horrorszenario?“ Darauf habe ich geantwortet: „Wenn Futterlieferanten aus logistischen Gründen in der Corona-Krise irgendwann nicht mehr liefern könnten und dass ich dann die Tiere nicht mehr satt kriege. Es sei also nicht um eine finanzielle Englage aufgrund der Coronavirus-Sars-CoV-2-Pandemie gegangen, sondern generell um eine hypothetische Frage mit einer hypothetischen Antwort.

Tierpark Neumünster: Eine Familie steht vor dem Eisbären-Gehege. Der Tierpark war in Folge der Corona-Pandemie für Besucher vorübergehend geschlossen.

Notfallpläne für alle Eventualitäten

Aber, so betonte Kaspari, sie habe für viele andere Fälle auch einen Notfallplan. Denn dies sei sogar vorgeschrieben von der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA), deren Mitglied sie sei: „Wir haben zum Beispiel Notfallpläne für einen Terrorangriff oder den Fall, dass ein Flugzeug über dem Tierpark abstürzen würde.“

Weltweite Kritik und Morddrohungen wegen Notfallplänen

„Diverse „Fake News“ in jeglicher Couleur“ gingen laut Kaspari über ihren Zoo um die Welt. Die „New York Times“, die englische BBC ebenso wie der internationale Nachrichtensender CNN hätten berichtet. „Mein Ziehvater rief aus den USA an und sagte, jetzt bringt es auch der TV-Sender Fox.“ Sie habe anfangs in diversen Interviews die Sache klarstellen wollen, aber: „Es war einfach hoffnungslos und für das gesamte Zoo-Team surreal und anstrengend.“ Mehr als 1.500 E-Mails habe der Zoo innerhalb von drei Tagen bekommen. Zudem erhielt sie auch „nicht wenige Morddrohungen“.

Nun aber ist Kaspari wegen der Zoo-Öffnung sehr erleichtert und zudem dankbar über zahlreiche Spenden für ihren Tierpark in den vergangenen Tagen - sogar aus Japan. Besucher kamen laut Kaspari am ersten Tag eher verhalten - am Nachmittag waren etwa 300 im Neumünsteraner Zoo.

Weitere Tierparks wiedereröffnet: Zoodirektoren froh darüber

Auch der Tierpark Gettorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) meldete noch keinen Besucheransturm. Das ist angesichts der Corona-Auflagen auch nicht möglich. Jeweils maximal tausend Menschen dürfen derzeit gleichzeitig in die Zoos. Sogenannte Verdichtungsbereiche wie Tierhäuser sind geschlossen. Auch Fütterungen, die meist von eng gedrängten Besuchertrauben verfolgt werden, sind tabu. Die Gastronomie im Zoo hat geschlossen, ebenfalls dicht sind Kinderspielplätze. Finanziell ist daher die Wiederöffnung nur ein Teil-Ausgleich für die sonstigen Einnahmen, über den aber Kaspari und ihr Gettorfer Kollege Jörg Bumann sehr froh sind.

Dankbar sind sie auch für das Förderprogramm des Landes für Einrichtungen im Umwelt- und Naturschutzbereich in Höhe von fünf Millionen Euro, das auch für Tierparks gilt. Das Programm sei jetzt auf den Weg gebracht worden, „damit gerade dort, wo eben nicht große Gewinne erzielt werden, dann auch trotzdem der Weiterbetrieb organisiert werden kann und kein Tierpark zumachen muss und auch ansonsten keine Einschränkungen vorgenommen werden müssen“, sagte Umweltminister Albrecht, der am Montag als dritten Tierpark auch den Wildpark Eekholt in Großenaspe (Kreis Segeberg) besuchte.

Tierparks drohen finanzielle Probleme durch Einnahmeausfälle

Kaspari und Bumann hoffen, dass der eingeschränkte Betrieb zumindest die laufenden Kosten im Frühjahr und Sommer decken kann. Hoffnungen setzt Bumann darauf, dass im Sommer wieder Touristen nach Schleswig-Holstein kommen dürfen - sie sind eine große Einnahmequelle für den Tierpark Gettorf. Sorge bereitet beiden Zoo-Chefs, dass die üblicherweise in der Osterzeit gebildeten Rücklagen nicht zu erzielen sind und daher im Winter finanzielle Probleme entstehen könnten. „Das Osterwochenende ist das umsatzstärkste des ganzen Jahres“, sagte Bumann. Genauso äußerte sich Kaspari: „Das Ostergeschäft ist unser traditioneller Winterspeck.“

dpa/wka

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