Virologen aus Lübeck zeigen bahnbrechende Entdeckung

Coronavirus-Medikament: Ist der Wirkstoff„13b“ das Allheilmittel?

Eine Mitarbeiterin des Zentrallabors des LADR-Laborverbundes Dr. Kramer und Kollegen überführt einen trockenen Abstrich eines molekularbiologischen Tests auf das SARS-CoV-2-Virus in eine Flüssigkeit. In dem Labor werden derzeit rund 1500 Corona-Tests pro Tag ausgewertet.
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Coronavirus - Testauswertung im Labor
  • Nicolai Hackbart
    vonNicolai Hackbart
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Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus sind Virologen aus Lübeck einen bedeutsamen Schritt weitergekommen.

  • Virologen der Universität Lübeck melden einen großen Fortschritt im Kampf gegen das Coronavirus.
  • Erste Tests mit „13b“ an Mäusen und Lungenzellen im Labor liefen erfolgreich.
  • Was steckt hinter dem kryptischen Wirkstoff13b“?

Lübeck – Seit Wochen und Monaten arbeiten Virologen auf der gesamten Welt an einem Mittel gegen das Coronavirus. Nach vielen vagen Botschaften aus der Wissenschaft, scheint es jetzt konkret zu werden. Ein Forscherteam aus Lübeck unter der Leitung von Biochemiker Rolf Hilgenfeld (66) hat einen großen Erfolg zu vermelden.

Medikament „13b“ gegen Coronavirus: Professor Hilgenfeld stellt aktuellen Erfolg vor

Prof. Dr. Rolf Hilgenfeld und seine Forschungsgruppe an der Universität zu Lübeck haben bahnbrechende Ergebnisse. Hilgenfeld und seine Forschungskollegen Dr. Linlin Zhang und Xinyuanyuan Sun konnten das Schlüsselenzym entdecken, das für die Replikation des Coronavirus SARS-CoV-2 verantwortlich ist. Wird dieses Enzym blockiert, kann sich das Virus im menschlichen Körper nicht fortpflanzen und wird unschädlich.

Der Virologe Rolf Hilgenfeld arbeitet schon seit 1998 an Coronaviren und kann deshalb auf einen erheblichen Wissensschatz zurückgreifen. Aus einem früheren Hemmstoff hat Hilgenfeld einen Wirkstoff entwickelt, der das neuartige SARS-CoV-2 angreift. Dieses Mittel haben die Forscher „13b“ getauft.

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig wurde „13b“ an gesunden Mäusen getestet und hat gezeigt, dass der Wirkstoff nicht giftig ist. Daraufhin wurde „13b“ an der Universität Marburg an menschlichen Zungenzellen getestet, die mit dem Coronavirus infiziert waren – mit Erfolg!

Langer Kampf gegen Coronavirus: Hilgenfeld erklärt, wie „13b“ zum Medikament wird

„Jetzt wird unser Wirkstoff zu einem Medikament entwickelt werden müssen“, erklärt Rolf Hilgenfeld, der schon bei anderen Virus-Infektionen zu medizinischen Fortschritten beigetragen hat. „Dafür müssen wir ein pharmazeutisches Unternehmen ins Boot holen, da nur so die finanziellen Belastungen klinischer Versuche getragen werden können.“ Es ist also nicht zuletzt sehr viel Geld gefragt, um einen schnellen Wirkstoff in die Apotheker-Regale zu bringen. Das ist der Bundesregierung auch bekannt und deshalb hat der Bundestag am 11. März 145 Millionen Euro zusätzlich zur Forschung gegen das Coronavirus bereit gestellt.

Dennoch ist der Virologe skeptisch, ob uns der Wirkstoff „13b“ noch in dieser Pandemie-Welle helfen wird. „Ganz sicher wird es mehrere Jahre dauern, bis unser Wirkstoff zu einem Anti-Coronavirus-Medikament entwickelt sein wird“, warnt Rolf Hilgenfeld. „Wenn alles gut geht, könnte ein solches Medikament für SARS-CoV-3 zur Verfügung stehen, aber gewiss nicht während des derzeitigen Ausbruchs.“

Coronavirus: Medikament kommt für diese Pandemie zu spät

Mit dieser Aussage widerspricht der Virologe klar den Aussagen einer Kollegin aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie am UKE, schätzt, dass schon in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein möglicher Impfstoff gegen das Coronavirus erhältlich sein könnte.

In einem Punkt sind sich die beiden Virologen dann aber wieder einig: Auch Marylyn Addo schätzt, dass es bis dahin schon zu spät sei, um die aktuell anhaltende Pandemie einzudämmen.

Rolf Hilgenfeld mahnt deshalb beim Thema Coronavirus langfristig zu denken: „In jedem Fall müssen wir die antivirale Forschung von den immer wieder auftretenden Ausbrüchen neu auftretender Viren wie SARS-CoV-2 entkoppeln und sicherstellen, dass wir zu einer nachhaltigen Entwicklung antiviraler Medikamente kommen.“

Abseits der Frage nach einem Impfstoff, geht es bei der Entwicklung von Coronavirus-Tests schnell voran. Wissenschaftler des Roten Kreuzes und des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, in größerem Stil Menschen auf das Virus Sars-Cov-2 zu testen* als bisher.

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