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Corona auf Sylt: Omikron legt Insel lahm - Polizei ermittelt gegen Impfpassfälscher

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Von: Elias Bartl, Anika Zuschke

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Die Corona-Variante Omikron fällt über die Insel Sylt her. Jetzt ermittelt die Polizei auch noch gegen Impfpassfälscher auf der Luxusinsel

Westerland – Die Corona-Variante Omikron hat ganz Deutschland fest im Griff. Doch einige Bundesländer und Landkreise erwischt es dabei deutlich schlimmer als andere. Hamburg gilt beispielsweise momentan als absolute Omikron-Hochburg – steht dabei zahlenmäßig aber noch hinter der beliebten Urlaubsinsel Sylt. Dort meldeten die zuständigen Gesundheitsbehörden am Sonntag, 9. Januar 2020, 476 Corona-Fälle. 572 Personen befinden sich wohl in Quarantäne.

Mit diesen unheilvollen Zahlen überschreitet die Nordseeinsel eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1500 – ein neuer Rekordwert! Nun begibt sich Sylt in eine selbst verordnete Corona-Pause.

Größte nordfriesische Insel:Sylt
Länge:38 km
Breite:12,6 km
Einwohner:18.118 (Stand: 2019)

Corona-Lage auf Sylt: Insel geht in Corona-Pause – Inzidenz bei über 1500

Die Zahlen im Kreis Nordfriesland sind innerhalb von kürzester Zeit extrem in die Höhe geschossen. An Heiligabend gab es auf Sylt offiziellen Daten zufolge nur 30 Infizierte. Bereits zu Silvester sind die Werte signifikant gestiegen, über den Jahreswechsel wurden 140 Corona-Fälle gemeldet. Der Grund dafür ist simpel und nicht besonders überraschend: In unterschiedlichen Restaurants und Hotels auf Sylt sowie nach Partys kam es zu mehreren Corona-Ausbrüchen auf der Insel.

In dem Club „Rotes Kliff“ in Kampen versammelten sich zu einer Weihnachtsparty beispielsweise 120 Gäste – von diesen infizierten sich mindestens 23 mit der Omikron-Variante, berichtet „welt.de“. Viele der Erkrankten trugen das Virus weiter in ihre Familien. Damit wurde die Feier zum Auslöser des bisher größten Corona-Ausbruchs an den norddeutschen Küsten – angeblich sollen sogar gefälschte Impfpässe im Spiel gewesen sein. 572 Sylter befinden sich momentan in Quarantäne – Tendenz steigend.

Ermittlungen wegen gefälschter Impfpässe auf Sylt: Kriminalpolizei ermittelt

Der Corona-Ausbruch nach der Party auf Sylt beschäftigt nun auch die Polizei. „Ich kann Ihnen bestätigen, dass aufgrund der Berichterstattung in den Medien zu möglichen gefälschten Impfausweisen Ermittlungen von der Kriminalpolizei Sylt eingeleitet wurden“, sagte ein Sprecher der Polizei Flensburg am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittlungen liefen. Ein Ergebnis dazu gab es den Angaben zufolge zunächst noch nicht.

Infektionszahlen auf Sylt explodieren – Kontaktnachverfolgung der Behörden scheitert

Da auch die Infektionszahlen auf dem nordfriesischen Festland in den vergangenen zwei Wochen drastisch gestiegen sind, kommt das zuständige Gesundheitsamt mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterher – das gleiche Problem hat Hamburg bereits seit Weihnachten. Positiv Getestete werden seit diesem Wochenende von der Gesundheitsbehörde im Kreis Nordfriesland also nicht mehr persönlich angerufen, sondern erhalten lediglich eine Nachricht auf ihr Handy. Darin wird darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich die betroffene Person von nun an in Quarantäne befinden muss.

In dem Club „Rotes Kliff“ in Kampen versammelten sich 120 Gäste – von diesen infizierten sich mindestens 23 mit der Omikron-Variante
In dem Club „Rotes Kliff“ in Kampen versammelten sich 120 Gäste – von diesen infizierten sich mindestens 23 mit der Omikron-Variante © Blaulicht-News.de

Aufgrund fehlender Kapazitäten bei den Behörden müssen die Coronakranken sich nicht nur aus eigenen Stücken in Quarantäne begeben, sie müssen auch ihre Kontaktpersonen der vergangenen zwei Tage selber über ihre Infektion informieren. Damit setzen die Ämter auf die Vernunft und Eigenverantwortung ihrer Bürger.

Sylt zeigt sich verantwortungsbewusst: Insel geht wegen hoher Inzidenzen in Corona-Pause

Verantwortung zeigt Sylt momentan definitiv: Denn obwohl kein offizieller Lockdown verhängt wurde, begeben sich zahlreiche Cafés, Restaurants und Hotels auf der Promi-Insel in eine vorübergehende, freiwillige Betriebspause. Die Begründungen dafür variieren. Lokale wie die „Kleine Küchenkate“ in Keitum und der „Dorfkrug“ in Kampen gehen offen mit der Situation um und verweisen auf Infektions- oder Quarantäne-Fälle in der eigenen Belegschaft.

Andere touristische Angebote geben an, dass für die kommenden Wochen sowieso eine betriebliche Auszeit anvisiert war, berichtet „welt.de“. Bisher haben mehr als 20 Gaststätten auf Sylt ihre Türen vorläufig geschlossen. Das „Gosch am Kliff“ in Wenningstedt, „Dittmeyers Austern Compagnie“ in List und die „Alte Friesenstube“ in Westerland werden diese Woche folgen. Auch in Hamburg hat sich Tim Mälzer aufgrund der neu geltenden 2G-Plus-Regel dazu entschlossen, sein Restaurant „Bullerei“ vorläufig in Betriebsurlaub zu schicken.

Gaststätten, Restaurants und Hotels schließen: Auch „Miramar“ und „Stadt Hamburg“

Den Gaststätten und Restaurants schließen sich nun auch erste Hotels an: Das „Miramar“ an Westerlands Kurpromenade musste am Sonntag seinen vorerst letzten Gast nach Hause schicken. „Welt.de“ zufolge will der Geschäftsführer Nicolas Kreis frühestens Mitte Februar wieder aufmachen. Die Entscheidung sei aber nur eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, die „zum Schutz unserer Mitarbeiter“ erfolgt sei.

Diese Vorsichtsmaßnahme hat einen guten Grund: Nur ein paar hundert Meter weiter waren in dem Hotel „Stadt Hamburg“ zehn Mitarbeiter positiv getestet worden, 20 weitere mussten sich bereits in Quarantäne begeben. Auch diese Herberge hat infolgedessen seit dem vergangenen Mittwoch geschlossen.

Corona-Lage auf Sylt ist angespannt – aber offenbar nicht gefährlich

Die Corona-Lage auf Sylt ist angespannt, doch Tourismuschef Moritz Luft verweist auf die ohnehin lauen Besucher-Erwartungen im Januar. Gegenüber „welt.de“ versichert er, dass voraussichtlich keiner der örtlichen Betriebe zu diesem Zeitpunkt durch die spontane Corona-Pause in größere Schwierigkeiten geraten werde. Außerdem sei erfreulich, dass bisher alle Infizierten auf der nordfriesischen Insel über sehr milde Krankheitsverläufe berichten.

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Ins Krankenhaus habe seines Wissens bisher niemand eingeliefert werden müssen, äußert Tourismuschef Luft „welt.de“ zufolge. Denn obwohl die Omikron-Variante als deutlich ansteckender gilt als ihre Corona-Vorgänger, so zeichnet sie sich auch durch merklich mildere Verläufe aus. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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