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Bürokratie-Wahnsinn bei Hamburg: Mais-Labyrinth fertig – aber keiner darf rein  

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Von: Ulrike Hagen

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Seit Monaten kämpft das Maislabyrinth bei Hamburg um die Eröffnung. Doch die Bürokratie der Ahrensburger Behörden hat den Freizeit-Spaß endgültig verhindert.

Ahrensburg –  Drei Blumen und eine riesige Biene hat Karsten Eggert auf das große Maisfeld an der Carl-Backhaus-Straße im Gewerbegebiet Beimoor-Süd in Ahrensburg bei Hamburg gezaubert. Eigentlich sollten sich die Menschen hier seit Juli schon im idyllischen Maislabyrinth samt Strandbar, Show-Events auf der Freilicht-Bühne und Grusel-Nächten vergnügen. Doch nach stolzen 16 Monaten Vorplanung und Bürokratie-Wahnsinn gab es einfach keine Genehmigung von der Stadtverwaltung – und das Projekt „Maislabyrinth“ endet nun – ohne je einen Besucher empfangen zu haben.

Stadt in Schleswig-Holstein:Ahrensburg
Fläche:35,3 km²
Einwohner:34.052
Postleitzahl:22926

Bürokratie-Wahnsinn: Das fertiggestellte Maislabyrinth in Ahrensburg darf keine Besucher empfangen

Karsten Eggert, ein erfahrener Maislabyrinth-Organisator, ist frustriert. Über 16 Monate lang plante und organisierte er den Irrgarten durch den Mais an der Carl-Backhaus-Straße in Ahrensburg. Dann kam für Eggert die große Ernüchterung: „Für dieses Jahr ist Schluss, bevor es begonnen hat“, sagte Eggert, der seit über 20 Jahren schon begeisterte Besucher mit seinen lebendigen Maisfeldern erfreut, dem „Stormaner Tageblatt“. Anders als an allen vorherigen Standorten unter anderem in Bargteheide und Jersbek gab die Ahrensburger Verwaltung kein grünes Licht für den Sommer-Freizeitspaß. Die Behörde forderte monatelang immer neue, teure Lärm- und Brandschutzgutachten. Die eingereichten Anträge genügten nicht den Standards, wurde die Ablehnung der Genehmigung begründet.

Luftaufnahme: Großes Maislabyrinth auf einem Maisfeld in Jersbek bei Hamburg.
In Ahrensburg unerwünscht. Doch in in Jersbek bei Hamburg durfte das Maislabyrinth von Karsten Eggert 2019 noch viele Besucher erfreuen. © Facebook/Maislabyrinth Hamburg

Aus fürs Maislabyrinth durch Bürokratie: „Ich wollte doch was für die Stadt machen“

Eggert, der seit über 20 Jahren im Labyrinth-Geschäft ist, und unter anderem schon ein Labyrinth auf der EXPO 2000 und bei der Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter in Niedersachsen angelegt hat, ist entgeistert. Denn Probleme wie mit der Stadt Ahrensburg, in der kürzlich eine Frau tot aufgefunden und ein Verdächtiger festgenommen* wurde, hatte er noch nie.

„Da war ich schon platt. Ich dachte immer, die Verwaltungen sollen solche Veranstaltungen unterstützen. Ich sehe Verwaltungen als Dienstleister für den Bürger, nicht gegen ihn. Ich wollte was für die Stadt machen“, sagte Eggert Mitte August gegenüber dem „Stormaner Tageblatt“. Zu diesem Zeitpunkt hegte der Veranstalter noch letzte Hoffnung, zum Saisonende oder wenigstens in Teilbereichen öffnen zu können. Immerhin: Wenigstens konnten Rettungshundestaffeln das Labyrinth in der brachliegenden Zeit für Übungen nutzen.

Immer wieder neue Auflagen – obwohl die Wirtschaftsförderung der Türöffner war

Und je weiter der Sommer ins Land ging, desto mehr wurde klar, dass das Labyrinth niemals öffnen wird. Zunächst waren es die Wege zum Gelände, dann die Einzäunung eines Rückhaltebeckens, in dem Menschen ertrinken könnten. Die Behörden machten Eggert immer wieder einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Und das, obwohl ihn sogar die Wirtschaftsförderung der Stadt Ahrensburg 2019 eingeladen hatte, wie Eggert verständnislos feststellt.

Traurig: Der Maislabyrinth-Rückbau hat schon begonnen

Eigentlich war die Saison von 24. Juli bis Ende Oktober geplant. Mit tollen Events wie Gruselnächten im Feld und Auftritten von Künstlern und Comedians. Eggert ist in der Szene kein Unbekannter: „Sie wären zum Teil erst hier aufgetreten, bevor sie dann am Abend in Schmidt‘s Tivoli zu sehen gewesen wären“, erklärt er dem „Stormaner Tageblatt“. Doch der bunte Open-Air-Freizeitspaß, der nach dem Corona-Lockdown sicher viele Besucher glücklich gemacht hätte, sollte nicht sein. „Wir können noch keinen genauen Eröffnungstermin bekannt geben. Es gibt Auflagen von der Stadt Ahrensburg, die sich noch im Genehmigungsverfahren befinden. Wir hoffen im August starten zu können“, ist immer noch auf der Website des Maislabyrinthes zu lesen. Inzwischen aber haben wir Ende September, der Mais ist erntereif – und Eggert hat mit dem Rückbau begonnen.

Wahrscheinlich kein Maislabyrinth 2022 in Ahrensburg, sondern an einem anderen Standort

Ob der Veranstaltungs-Profi, der eigentlich drei Sommer lang das Maisfeld in Ahrensburg bespielen wollte, im nächsten Jahr nochmal einen Versuch starten wird, hängt von der Bürgermeisterwahl ab. Wahrscheinlicher ist wohl eher eine Rückkehr an einen der bisherigen Maisirrgarten-Standorte in Bargtheide, Jersbek oder Delingsdorf, wo Eggert mit seinen kreativen Freizeit-Attraktionen bisher immer als Bereicherung der Kulturlandschaft und darum mit offenen Armen empfangen wurde.

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