Rücksichtslose Raucher im Fokus

Bis zu 250 Euro Strafe? Wer Kippen in Norderstedt wegwirft, muss bald zahlen!

Eine rothaarige Frau mit Brille erhebt mahnend den Zeigefinger. Neben ihr ist ein Mülleimer platziert, auf dessen Oberfläche reihenweise Zigarettenstummel liegen. Im Hintergrund ist das Ortsschild der in Schleswig-Holstein gelegenen Stadt Norderstedt zu sehen.
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Wer zukünftig in Norderstedt Zigarettenstummel auf den Boden wirft, soll zur Kasse gebeten werden. Den Rauchern in der Stadt in Schleswig-Holstein wird durch die SPD der Kampf angesagt. (24hamburg.de-Montage)
  • Yannick Hanke
    VonYannick Hanke
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Norderstedt sagt herumliegenden Zigarettenstummeln den Kampf an. Die Gefahr für die Umwelt ist zu groß. Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit erschütternden Zahlen.

Norderstedt – In Schall und Rauch soll sich das Problem der herumliegenden Zigarettenstummel in Norderstedt auflösen. Die SPD in der Stadt in Schleswig-Holstein will ordnungsrechtlich gegen die gesundheits- und umweltschädlichen Kippenreste vorgehen. Prominen Vorbilder gibt es reichlich. Und Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verdeutlichen den Ernst der Lage.

Stadt in Schleswig-Holstein:Norderstedt
Fläche:58,1 km²
Bevölkerung:77.932 (31. Dez. 2015)
Vorwahl:040
Nachbarschaften:Garstedt, Glashütte, Friedrichsgabe, Syltkuhlen
Mannschaft:Eintracht Norderstedt

Kippen-Strafe in Norderstedt: Wer seine Zigarette wegwirft, soll zur Kasse gebeten werden

Ob auf Gehwegen, im Gebüsch, an Halteställen oder auf Spielplätzen: an Zigarettenstummeln mangelt es in Norderstedt wahrlich nicht. Doch wissen Raucher oft nicht, welch große Gefahr für die Umwelt die weggeworfenen Reste ihres Lungenbrötchens darstellen. Allein dadurch, wenn Zigaretten genüsslich im Bett gequalmt werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von 4,5 Billionen Zigarettenstummeln auf dem Planeten – die jährlich zustande kommen. Macht umgerechnet zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm Kippenmüll – und Unmengen an Schadstoffen, die in die Umwelt gelangen. Das will sich die SPD Norderstedt nicht länger bieten lassen. Die Sozialdemokraten wollen auf ordnungsrechtliche Maßnahmen zurückgreifen.

Norderstedter SPD wagt Vorstoß gegen rücksichtslose Raucher – Gefahr für die Umwelt zu groß

„Appelle und das Aufstellen von Aschenbechern helfen gegen das Wegwerfen von Kippen nur bedingt“, wird SPD-Politikerin Reinhild Fincke-Samland vom „Hamburger Abendblatt“ zitiert. Mit dem Wegschnippen von Zigarettenkippen würde gegen Paragraf 28 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) verstoßen werden.

Demnach dürfen Abfälle nur in eigens dafür zugelassenen Anlagen behandelt, gelagert oder abgelagert werden. Wer diese Vorschrift ignoriert, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Abseits dieses Verstoßes gegen das Gesetz verweisen die Sozialdemokraten in Norderstedt bei ihrem Vorstoß vor allem auf die erheblichen Gefahren für die Gesundheit. Und meinen damit nicht den Schmerz, den eine angezündete Zigarette im Gesicht verursacht.

Norderstedter Vorbild Flensburg: Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit schüchtert Raucher ein

„Mit jeder weggeworfenen Zigarettenkippe gelangen Gifte in den Boden und in die Gewässer, darunter Nikotin, Arsen, Blei, Chrom und Pestizidrückstände aus dem Tabakanbau“, sagt Fincke-Samland. Auch von Zigarettenfiltern würde Gefahr für die Gesundheit ausgehen. Sie bestehen aus Zelluloseazetat, zerfallen über viele Jahre hinweg und werden letztendlich als Mikroplastik von Lebewesen aufgenommen.

Als gutes Beispiel geht Flensburg voran. Darauf verweist Sozialdemokratin Fincke-Samland. In der Fördestadt müssen alle, die Zigarettenstummel rücksichtslos wegwerfen, mit einem Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit rechnen. In diesem Fall drohe ein Verwarngeld, heißt es von Fincke-Samland.

Unterschiedliche Ansätze: Flensburger Grüne lassen Abfallbehälter mit Aschenbecher ausrüsten, Oldenburg lässt Aschenbecher in den Boden ein

Auf einen andere „Kippen-Politik“ setzen die Grünen. Sie haben beim Umweltausschuss beantragt, dass jeder öffentliche Abfallbehälter mit einem Aschenbecher nachgerüstet wird. Nur Mülleimer auf Spielplätzen sollen davon ausgenommen sein. Laut Flensburger Verwaltung sind bereits 850 Müllbehälter im gesamten Stadtgebiet mit einem Aschenbecher ausgestattet worden

Auf ein Pilotprojekt kann hingegen die niedersächsische Stadt Oldenburg verweisen. Hier wurden an einem Verkehrsknotenpunkt, an dem viele Busse halten, Aschenbecher in den Boden eingelassen. Der Gedanke dahinter: Raucher würden normale Papierkörbe eher seltener nutzen, um ihre Zigaretten loszuwerden. Am Ende vielleicht doch auf E-Zigaretten umsteigen, die Olaf Scholz (SPD) ein Dorm im Auge sind?

Bis zu 250 Euro Geldstrafe im Süden Deutschlands für weggeworfene Zigarettenstummel

Um noch einmal auf Strafen für Raucher zurückzukommen: Im Süden Deutschlands wird rigoros durchgegriffen. In Baden-Württemberg kostet es zwischen 50 und 250 Euro, Zigaretten, aber auch Zigarettenschachteln aus dem Auto zu werfen. In München wird das Wegwerfen einer Kippe mit einer Geldstrafe von 55 Euro sanktioniert.

Strafen, die auch in Norderstedt denkbar sind? Das will die SPD in der Stadt in Schleswig-Holstein mit einer Anfrage im entsprechenden Ausschuss prüfen. Welche Maßnahmen hält die Verwaltung für geeignet, um strategisch gegen das Wegwerfen von Zigarettenstummeln vorzugehen? Womöglich kommt es zur Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei.

Ein kollektives Vorgehen, das am Ende nur nicht als heiße Luft verpuffen soll. Denn dann wäre auch der Umwelt weiterhin nicht geholfen. Qualmen wie der einstige Bundeskanzler Helmut Schmidt? Schön und gut, aber zumindest in Norderstedt mit Anstand, wenn es nach der dortigen SPD geht. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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