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Energiekrise: Nach Freibad in Wedel senkt auch Bäderland Temperaturen

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Notfallplan Gas und die Energiekrise lässt grüßen: Um zu sparen, heizen Freibäder Wasser nicht mehr auf. Kühlere Becken auch bei Bäderland Hamburg.

Hamburg – Gerade erst hat die Bundesregierung zum Energiesparen aufgefordert. Ein Schwimmbad aus dem Großraum Hamburg greift zu diesem Zweck nun zu drastischen Mitteln: Doch bei einer monatlichen Gasrechnung von 2600 Euro ist der Schritt, den das Freibad „Badebucht“ in Wedel (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein) geht, wahrscheinlich für die Gäste nach vollziehbar. Die Angst vorm Notfallplan Gas von Minister Robert Habeck lässt grüßen. Dass die Saison des Freibades jetzt deutlich verkürzt wird, ist dabei nur eine der Maßnahmen, die das Schwimmbad ergreift, um mit Blick auf den Notfallplan Gas an Energie zu sparen.

Erst kürzlich wurden Probleme des Beach Club 28 Grad am Strandbad Wedels bekannt. Der Location an der Elbe fehlt der Sand. Sofortmaßnahmen von 300.000 Euro sollen eine Aufschüttung mit Elbsand und langfristige Sanierung verhindern.

Name:Wedel
Kreis:Pinneberg, Schleswig-Holstein
Fläche:33,82 km²
Bevölkerung:rund 32.000

Badeland Wedel: Verkürzte Öffnungszeiten wegen Energiekrise – Saisonschluss schon im August

Mit den ersten wärmeren Tagen am Stück beginnen die Menschen einen der zahlreichen Badeseen in Hamburg und Umgebung aufzusuchen, auch die Öffnung der Freibäder geht damit einher. Im Stadtteil Harburg in den kommenden Jahren eventuell sogar die Öffnung des dort angedachten Badeschiffs nach Berliner Vorbild. An den Notfallplan Gas denkt beim Spaß im kühlen Nass wohl keiner. Dabei ist er so nah. Hierzulande startet die Saison für gewöhnlich im Mai und reicht in vielen Bädern bis in den September hinein – in Wedel vor den Toren von Hamburg wird das in diesem Jahr anders sein.

Frau schwimmt in Kraultechnik in Bahn im Freibad
Kaltes, klares Wasser: Ein Wedeler Freibad heizt die Becken nicht mehr auf, um Strom zu sparen. Und auch die Öffnungszeiten wurden deutlich reduziert. (Symbolbild) © Michael Eichhammer / Imago

Die Badebucht hingegen öffnet in diesem Jahr erst am 1. Juli – und damit rund vier bis sechs Wochen später als in den letzten Jahren. Doch nicht nur das: Bereits am 21. August 2022 endet die diesjährige Saison in der Wedeler Badebucht wieder. Statt der gewohnten knapp vier Monate Öffnungszeit ist anno 2022 schon nach sieben Wochen wieder Schluss. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Doch die Gäste erwartet noch eine andere Neuerung.

Freibad Wedel: Mehrere Tausend Euro Energiekosten eingespart

Normalerweise werden die Becken für den Sommer vorgeheizt. Auch ein Nachheizen findet üblicherweise statt. Eine aufwendige und teure Prozedur – gerade in Zeiten der Energiekrise und des Notfallplan Gas, in dessen Folge Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan die Hamburger und Hamburgerinnen zum Sparen aufgefordert hat: „Sonst geht im März das Gas aus“.

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Das Erst-Aufheizen im Freibad in Wedel dauert rund sieben Wochen, verbraucht werden circa 21.000 Kilowattstunden Strom. Beziehungsweise 1000 Euro. Die sind nun gespart worden. Zusätzlich werden die rund 4200 Euro Kosten für das Nachheizen in den Folgemonaten in diesem Jahr eingespart werden können. In der Wedeler Badebucht habe das Wasser zurzeit eine Temperatur von etwa 22 Grad, schreibt das Abendblatt. Welche Temperatur das Wasser mit Vorheizen hätte, ist nicht bekannt.

Schwimmbäder in Deutschland: Defizitär und erfinderisch

Rund 6000 Bäder gibt es in Deutschland, in denen in Hamburg nach dem Willen der SPD bald auch das Oben-Ohne-Schwimmen für Frauen möglich sein soll, wie es bereits im niedersächsischen Göttingen der Fall ist. Die meisten dieser Bäder fuhren auch schon vor dem Ukraine-Krieg und der Corona-Krise Verluste ein. Die Badegäste müssen sie, trotz der angespannten finanziellen Lage, die sich nun aufgrund der steigenden Energiepreise weiter zuspitzt, trotzdem zufrieden stellen.

Ein schwieriges Unterfangen, für das nicht nur das Wedeler Bad den beschriebenen Weg geht. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, verzichten beispielsweise auch Bäder in Winsen und Buchholz (Landkreis Harburg, Niedersachen) auf das Vor- und Nachheizen in diesem Jahr.

Bäderland Hamburg: Auch Hamburger Schwimmbäder weniger beheizt

Auch in den Hamburger Schwimmbädern macht sich die Angst vor dem Notfallplan Gas bemerkbar. Wie die städtische Bäderland GmbH jetzt bekannt gab, werden die Becken der von dem Unternehmen betriebenen Ganzjahresfreibäder ab sofort weniger stark beheizt. „Dort haben wir bisher immer eine Wassertemperatur von 28 Grad Celsius. Das fahren wir jetzt runter auf 25 Grad“, wird Bäderland-Sprecher Michael Dietel im NDR zitiert. „Die drei Grad sind für den Gast im Sommer kein spürbarer Effekt. Aber es spart eben Gas ein“, ergänzt er. Zu den Ganzjahresfreibädern gehören etwa das Holthusenbad, das Kaifu-Bad und das Bille-Bad.

TRANSPARENZHINWEIS: Dieser Text wurde nach Veröffentlichung um neue Informationen ergänzt.

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