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Aktion Sylt: Linke und Punks planen Protestcamp in Westerland

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Von: Dagmar Schlenz

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„Aktion Sylt“ hat im August ein linkes Protestcamp in Westerland auf Sylt geplant. Jetzt will man gemeinsam mit den Punks ein Zeichen setzen.

Westerland/Sylt – Die Nordseeinsel Sylt hat im Sommer 2022 durch das 9-Euro-Ticket viele neue Gäste bekommen. Zu den typischen Sylt-Urlaubern gesellten sich am Pfingstwochenende zunächst die Punks, die sich mittlerweile auf der Insel häuslich eingerichtet haben. Mitte Juli kamen dann auch linke Aktivisten nach Sylt, um zu demonstrieren. Jetzt errichten Linke und Punks gemeinsam ein Protestcamp vor dem Rathaus in Westerland.

Aktion:Sylt für alle! (Protestcamp)
Organisator:Aktion Sylt
Termin:01. August bis 14. August 2022
Ort:Westerland/Sylt

Aktion Sylt: Protestcamp gegen Abschottung der Reichen

Die Nordseeinsel Sylt ist im Sommer 2022 in den Fokus linker Gruppierungen geraten. Als „Insel der Reichen und Schönen“ steht sie für viele symbolisch für die ungerechte Verteilung von Vermögen. Mitte Juli sind etwa 400 Menschen von Westerland nach Kampen gezogen, um für soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren. Dieses Thema will auch die „Aktion Sylt“ aufgreifen. Ein Kollektiv linker Aktivistinnen und Aktivisten plant vom 1. bis zum 14. August ein Camp in Westerland auf Sylt, um gegen steigende ökonomische und soziale Ungleichheit zu protestieren.

Wir planen ein Protestcamp vom 1. bis 14. August auf Sylt gegen die Gentrifizierung und die Abschottung der Reichen mit hunderten Teilnehmenden. Mach mit und setze mit uns ein Zeichen für eine gerechtere Welt!

Internetseite der „Aktion Sylt“

Laut den Veranstaltern sollen zahlreiche Kundgebungen, Demonstrationen und andere politische Aktionen im und um das Camp stattfinden. Livemusik, Workshops und Diskussionsrunden stehen ebenfalls auf dem Programm. „Wir freuen uns auf Menschen aller Gesellschaftsschichten. Es wird die Möglichkeit geben, sich vor Ort räumlich und thematisch voneinander abzugrenzen. Für die Übernachtung gibt es einen Zeltplatz.“, so die Veranstalter. Die Teilnahme soll kostenfrei sein, es wird aber um freiwillige Spenden zur Deckung der anfallenden Kosten gebeten.

Kreis Nordfriesland: Protestcamp auf Sylt ist keine Versammlung

Jetzt ist die Planung für das Protestcamp auf der Promi-Insel Sylt allerdings ins Stocken geraten – es gibt Probleme mit der Genehmigung. Die Aktivistinnen und Aktivisten von „Aktion Sylt“ hatten das Camp als politische Veranstaltung angemeldet. Offensichtlich waren die Organisatoren damit aber nicht erfolgreich. Zuständig für Versammlungen auf Sylt ist der Kreis Nordfriesland, zu dem die Nordseeinsel gehört.

Eine Sprecherin der Behörde teilt auf Anfrage von 24hamburg mit, dass das Protestcamp nach dem derzeitigen Stand keine Versammlung im Sinne des Versammlungsfreiheitsgesetzes darstelle. „Dem Veranstalter wurde von der Versammlungsbehörde Gelegenheit gegeben, sein Konzept nachzubessern bzw. zu entwickeln. Derzeit liegt keine neue Rückmeldung des Anmelders vor. Ob das ‚Protestcamp‘ stattfinden wird, ist mithin offen.“

Punks campieren in einem Park vor einem Rathaus, im Vordergrund eine Punkerin mit Rucksack. „Aktion Sylt“ plant mit den Punks ein gemeinsames Protestcamp vor dem Rathaus in Westerland.
„Aktion Sylt“ plant mit den Punks ein gemeinsames Protestcamp vor dem Rathaus in Westerland. (24hamburg-Montage) © Dagmar Schlenz/Montage

Aktion Sylt: Gemeinsames Protestcamp mit Punks in Westerland

Der Frankfurter Marvin Bederke, der bislang als Versammlungsleiter von Aktion Sylt geführt wurde, berichtet dem Hamburger Abendblatt, den Zuständigen sei das Programm nicht politisch genug. „Die Behörden sehen das nur als fröhliche Zusammenkunft.“, so Bederke. Um das Protestcamp zu retten, wolle man sich nun mit den Punks zusammentun.

Viele von ihnen campieren bereits im Stadtpark vor dem Rathaus, da sie am Strand von Westerland vertrieben wurden. Einige der Punks sollen sogar lebenslanges Strandverbot auf Sylt haben. Auch die Kontrollen durch die Behörden wurden verstärkt. Das Ordnungsamt Sylt schaut jetzt bis zu fünfmal täglich bei den Punks in Westerland vorbei, die sich regelrecht terrorisiert fühlen. Doch nun hat die bunte Truppe im Stadtpark sich ihrerseits an das Ordnungsamt gewandt. Die Punks haben unter den Bäumen Zelte aufgebaut und ein Protestcamp angemeldet.

Protestcamp auf Sylt unter dem Motto „Bezahlbarer Lebensraum für alle“

Die Anmeldung eines Protestcamps durch die Punks bestätigt auch Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, auf Anfrage von 24hamburg. „Das Protestcamp wurde im Rahmen der Amtshilfe am vergangenen Freitag bei meinem Ordnungsamt angemeldet - diese Anmeldung wurde am Montag der zuständigen Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland zugeleitet.“, so Häckel. Auf seinem privaten Facebook-Account hatte der Bürgermeister der Gemeinde Sylt im Vorfeld der angekündigten linken Proteste angemerkt, Sylt sei kein „Reichen-Ghetto“, sondern eine bunte Gesellschaft.

Zu der Anmeldung des Protestcamps hat jetzt die Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland Stellung bezogen. Eine Pressesprecherin gibt an, die Punks hätten am Montag als mögliches Thema ihres Camps „Bezahlbarer Lebensraum für alle“ angemeldet. Dazu hätten sie das Bild eines Transparentes per E-Mai geschickt. Die Versammlungsbehörde sieht allerdings „die Ansammlung der zeltenden Menschen vor dem Rathaus“ nach dem derzeitigen Stand der Informationen nicht als Versammlung an.

Es mangle an der Ernsthaftigkeit der öffentlichen Meinungsbildung. Die anwesenden Personen würden „nur einen Lebensstil zelebrieren“. Am Mittwoch hat ein Vertreter des Veranstalters den Kreis Nordfriesland angesprochen, um zu erfahren, welche Maßnahmen getroffen werden müssten, um als Versammlung gesehen zu werden. Sollte das aktuelle Spontan-Camp nicht als offizielle Versammlung genehmigt werden, wäre es eine Entscheidung der Sylter Ordnungsbehörde, ob sie zum Beispiel Platzverweise anordnet, so die Pressesprecherin.

Protestcamp im Park – und was ist mit den Chaostagen 2022 auf Sylt?

Im Park vor dem Rathaus von Westerland wollen die linken Aktivisten im Zuge der Aktion Sylt die „Infrastruktur auf der Grünfläche ausbauen und unter anderem Küchen-, Toiletten- und Sanitäter-Zelt aufbauen“, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Eine Rückmeldung der Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland zu den Plänen liegt bisher nicht vor. Angemeldet ist auf jeden Fall eine Kundgebung linker Gruppierungen unter dem Motto „Sylt gehört dem Pöbel“ am Samstag, dem 30. Juli 2022 in Westerland.

Einige der Teilnehmenden könnten direkt im Anschluss in das Protestcamp vor dem Rathaus einziehen. Werden Anfang August auch die im Netz angekündigten Chaostage auf Sylt stattfinden? Zumindest wollte die deutsche Punkband „Alarmsignal“ am 6. August 2022 im Rahmen der Chaostage Sylt 2022 ein Konzert in Westerland geben und hatte auf Facebook erklärt: „Wenn wir mit Sylt fertig sind, ist da nur noch Nordsee und sonst nichts.“

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