Vor 50 Jahren im Kreis Pinneberg

A7-Sperrung: Flugzeug landet auf Autobahn – 22 Menschen sterben

  • Jan Knötzsch
    VonJan Knötzsch
    schließen

Kurze Zeit nach dem Start in Hamburg fällt bei einem Flieger das Triebwerk aus. Direkt an einer Brücke auf der Autobahn A7. Notlandung. Menschen sterben.

Hamburg/Pinneberg/Norderstedt – Das Flugzeug ist gerade einmal ein paar Minuten in der Luft. Die Passagiere an Bord freuen sich auf ihren Urlaub, die Maschine soll später im spanischen Malaga landen. Doch so weit kommt sie nicht. Nur wenige Minuten, nachdem der Flieger vom Flughafen in Hamburg gestartet ist, muss er notlanden. Direkt auf der Autobahn A7.

Unglücksflug:Flugnummer DR112
Fluggesellschaft:Paninternational (Hauptsitz: München)
Unglücksort:Autobahn A7 bei Hasloh, Schleswig-Holstein
Passagiere:121
Tote:22 (99 Überlebende)
Datum: 6. September 1971

Flugzeug-Notlandung auf der A7: 22 Passagiere verlieren ihr Leben – Brückenpfeiler zerfetzt die Maschine

Was ist passiert? Die zweistrahlige Maschine vom Typ BAC 1-11 der Münchner Fluggesellschaft Paninternational ist voll besetzt. Bei einem Start mit dieser Volllast werden die Triebwerke durch Einspritzen von Wasser gekühlt. Der Pilot hat vorher angeordnet: Der Wassertank soll mit Kanistern gefüllt werden, die im Frachtraum des Fliegers sind. Was in diesem Moment keiner ahnt: In den Wasserkanistern ist auch Kerosin – und das führt zum Unglück, das am Ende 22 Menschen zwischen Norderstedt und Hasloh vor den Toren der Hansestadt Hamburg das Leben kostet.

Am 6. September 1971 muss ein Flugzeug mit 121 Passagieren im Kreis Pinneberg auf der Autobahn notlanden – dabei sterben 22 Menschen.

Kurz nach dem Start gibt es Explosionen in beiden Triebwerken. In geringer Höhe bleibt der Schub weg. Umkehren? Keine Option. Was übrig bleibt: auf der Autobahn landen. Die Bahn ist in Fahrtrichtung Süden frei. Der Pilot steuert die Maschine unter einer Hochspannungsleitung durch. Dann geschieht die Katastrophe: Das linke Fahrwerk knickt ein, das Flugzeug gerät mit dem Flügel in die Leitplanken. Es trifft eine Notrufsäule und dreht sich genau in dem Moment, in dem es mit hoher Geschwindigkeit unter der Brücke durchrutscht. Ein Pfeiler zerfetzt den Rumpf direkt hinter dem Cockpit.

Flugzeug landet auf A7: Fateler Fehler am Flughafen führt zur Katastrophe am 6. September 1971

All das, was passiert, ereignet sich am 6. September 1971, die Autobahn A7 im Kreis Pinneberg ist gerade fertiggestellt. Anno 2021 jährt sich der Absturz, der 22 der 121 Menschen an Bord beim Aufprall tötet, zum 50. Mal. Pilot Reinhold Hüls, der damals 32 Jahre alt ist, ahnt nicht, dass in den Wasserkanistern auch Kerosin ist. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) anlässlich des Jahrestages berichtet, ergibt die spätere Aufarbeitung durch das Luftfahrt-Bundesamt und ein Gericht: Techniker am Boden suchten Kanister, um Kerosin zwischenzulagern und griffen sich, was sie fanden. Fatal!

Ich habe ihm 20 Mark gegeben und konnte den ganzen Abend telefonieren.

Dieter Baukloh (Ex-dpa-Redakteur) erinnert sich, wie er damals die Infos vom Telefon eines Bauern weitergab

Einer, der ersten, der damals an der Unglücksstelle ist, ist Manfred Maier. Der heute 81-Jährige ist 1971 Polizist und Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Hasloh. Er wohnt nicht mal einen Kilometer von der Unglücksstelle entfernt. Und ist sofort als Retter im Einsatz. Gemeinsam mit zwei Nachbarn. Im Gespräch mit der dpa berichtet er, dass einer der Nachbarn damals „einer Frau das Bein mit Stacheldraht abgebunden“ habe. In Ermangelung anderer Hilfsmittel. Seinen Autofeuerlöscher kann Maier angesichts des Kerosin-Flammeninfernos damals nicht nutzen. Aussichtslos!

Flugzeug landet auf A7: Augenzeugen erinnern sich – Unglückstag jährt sich 2021 zum 50. Mal

Ebenfalls vor Ort seinerzeit: Der damalige dpa-Redakteur Dieter Baukloh. Er kann frei übers Gelände gehen, Helfer befragen. Heute undenkbar. Seine Verbindung zur Redaktion an jenem September-Tag 1971: das Telefon eines Bauern, der neben der Autobahn wohnt. „Ich habe ihm 20 Mark gegeben und konnte den ganzen Abend telefonieren“, erinnert sich Baukloh 50 Jahre später im Gespräch mit der dpa zurück.

Zeitzeuge: Manfred Maier war im September 1971 als einer der ersten Retter vor Ort.

Die damalige Untersuchungskommissionspricht unter anderem die Empfehlung aus, Behälter für demineralisiertes Wasser zu kennzeichnen. „In der Zivilluftfahrt helfen Regeln der Untersuchung von Unfällen und die Tatsache, dass Berichte zu veröffentlichen sind, sehr bei der Verbesserung der Flugsicherheit. Und zwar weltweit“, sagt Jens Friedemann von der Bundesstelle gegenüber der dpa zum 50. Jahrestag des Unglücks.

Das Internet habe zudem die Reichweite der Berichte noch einmal deutlich vergrößert. Hersteller, Fluggesellschaften und Piloten könnten so von Erfahrungen aus aller Welt profitieren. (mit dpa-Material) * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Immer die wichtigsten Blaulicht-Meldungen und alle Infos zu Hamburg und Umgebung direkt ins Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Rubriklistenbild: © Heidtmann/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare