Exklusives Interview

Endlich wieder Sterne gucken im Planetarium? Theater-Chef im Interview

  • Thanh Nguyen
    VonThanh Nguyen
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Das Planetarium Hamburg bleibt trotz sinkender Inzidenz und ersten Lockdown-Lockerungen geschlossen! 24hamburg.de sprach mit Sternentheater-Chef Thomas Kraupe.

Hamburg – Während in vielen Bereichen in der Hansestadt Hamburg das normale Leben Schritt für Schritt zurückkehrt und erste Corona-Lockerungen in Kraft treten, muss das Planetarium weiter warten. Wie viele andere Zuschauermagneten der Hansestadt bleibt auch der altehrwürdige Wasserturm im Stadtpark für die Öffentlichkeit geschlossen – und das mit wenigen Ausnahmen schon seit über einem Jahr.

2020 feiert das Planetarium Hamburg bereits sein 90-jähriges Bestehen, doch angestaubt ist hier dennoch nichts (höchstens mit Sternenstaub). Und die Besucherzahlen sprechen für sich: Das Großplanetarium im Stadtteil Winterhude war vor Corona das meistbesuchteste Planetarium in Deutschland.

Sehenswürdigkeit:Planetarium Hamburg
Erbaut: 1912
Besucher:380.000 Besucher jährlich seit der Wiedereröffnung 2017
Besonderheit:64 Meter hohes Gebäude als Wasserturm
Veranstaltungen pro Jahr:2300

Planetarium Hamburg: Das meistbesuchte Sternentheater Deutschlands – Interview mit Sternen-Chef Thomas Kraupe

Nach den exklusiven Interviews mit dem Intendanten der Deichtorhallen und der Elbphilharmonie sowie dem Sprecher von Stage-Entertainment, der Geschäftsführerin des Hansa-Parkes sowie Frederik Braun, Gründer des Miniatur Wunderlands, stellte sich diesmal Planetarium-Chef Thomas W. Kraupe den Fragen von 24hamburg.de zu dem Thema: Was machen eigentlich die Hamburger Sehenswürdigkeiten im Corona-Lockdown und wie geht es unserer norddeutschen Freizeit-Einrichtungen? Und natürlich erzählt er auch was zum Programm des Planetarium Hamburg, wenn sie wieder öffnen dürfen.

Herr Kraupe, wie ist der aktuelle Stand?
Wir bereiten uns vor, dass wir bald wieder öffnen können und hoffen, dass es bald soweit ist. Ein Thema wird bei unserer Öffnung „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ sein. Es geht um unsere Welt, Nachhaltigkeit und neue Blickwinkel auf unsere Welt.
Das ist gerade passend zu der aktuellen Situation. Denn letztendlich geht es immer um unsere Welt im größeren Kontext. Wir sind ein Theater für Perspektivwechsel. Es geht nicht nur darum, weit wegzuschauen. Wie bei einer Reise, in der man tief ins Weltall guckt, kommt man letztendlich zurück zu sich selbst.
Das Planetarium, ursprünglich ein Wasserturm, bietet neben der eigentlichen Show noch einen atemberaubenden Ausblick ganz Hamburg. Ob man den Fahrstuhl oder die Treppe auf die Aussichtsplattform im 8. Stock nimmt, bleibt einem selbst überlassen. (24hamburg.de-Montage)

Planetarium-Chef: Corona-Jahr war das „ungewöhnlichste Jahr“

Im letzten Jahr feierte das Planetarium das 20-jährige Jubilum. War es das schwerste Jahr?
Das ungewöhnlichste Jahr auf jeden Fall, weil kein Publikum zugelassen war. Es gab aber auch anderen schwierige Jahre mit Umbauten und ähnlichen Dingen.
Wir müssen nun dafür sorgen, dass die ganzen Künstler und Kreativen wieder arbeiten dürfen. Wir haben ein riesiges Netzwerk, das aktuell ausgebremst ist. Viele Premieren, die wir schon im November geplant hatten, warten auf Publikum.
Welche Hoffnungen haben Sie für die nächsten Monate?
Die Hoffnung ist, dass wir langsam wieder zur Normalität zurückkehren. Ich glaube nicht, dass vor Ende 2021 die Situation ist wie früher. Es dauert bestimmt noch ein Jahr bis alle Abstandsregeln nicht mehr gelten. Die Frage wird sein, was passiert, wenn alle geimpft sind. Wir hoffen das Beste.
Wir hatten die Hoffnungen, dass es im Sommer alles wieder normal läuft, ähnlich wie in den USA. Da gab es aber leider ja einige Versäumnisse, daher wird es bei uns etwas länger dauern. Wir müssen nach vorne schauen und alles dafür geben, dass Kultur wieder stattfinden kann.
Wir hoffen, dass dann die Menschen wieder kommen und irgendwann auch die Abstandsregeln der Vergangenheit angehören. Wir könnten von 250 Plätzen nach aktuellen Einschränkungen, wenn wir wieder aufmachen dürfen, nur zwischen 60 bis 70 Plätze nutzen.
Ein Projektor wirft Bilder der Galaxis auf die Kuppel des Planetarium in Hamburg.

Planetarium-Chef Kraupe: Hamburg hat die Verpflichtung, uns am Leben zu erhalten

Wie geht es dem Planetarium Hamburg wirtschaftlich?
Wir versuchen sparsam zu sein und kommen über die Runden. Die Situation ist sicherlich eine andere als bei einem Privatunternehmen. Wir sind ein Unternehmen der Stadt Hamburg und gehören der Stadt. Die Mitarbeiter sind Mitarbeiter der Stadt Hamburg. Daher geht es uns vergleichsweise gut.
Die Besonderheit beim Planetarium ist aber, dass unser Budget zum überwiegenden Teil von den Besuchern kommt, rund 80 Prozent. Unser Zuschussanteil ist im Verhältnis zu anderen Kultureinrichtungen gering, das heißt der Ausfall der Zuschauereinnahmen trifft uns besonders hart, weil wir weiterhin Betriebskosten haben.
Sind Sie zufrieden mit der Unterstützung der Stadt?
Die Stadt hat die Verpflichtung uns am Leben zu erhalten. Das tut sie auch. Wir sehen uns als Vermittler zwischen Kunst und Wissenschaft. Bildung. Da ist unser Lohn die Begeisterung in den Augen der Besucher. Und das ist leider lange Zeit ausgeblieben.
Das ist das, was uns vorantreibt. Ähnlich wie bei Schauspielern, die nicht spielen können. Man will gerne eine Perspektive haben. Ohne das ist es schwierig. Wir haben viele Online-Angebote, Streaming. Das wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Aber nun merkt man die Ermüdung der Menschen. Zu Beginn im letzten Sommer haben die Menschen gerne mitgemacht, aber nun fehlt oft die Lust, sich vor den Bildschirm zu setzen. Inzwischen gibt es so viele Streaming-Angebote von Theatern, vor denen man sich nicht retten kann.
Der Sternensaal des Planetarium Hamburg (24hamburg.de-Montage)

Thomas Kraupe: Flüge durch Raum und Zeit sind nur im Planetarium möglich

Was macht ein Planetarium so besonders?
Es ist dieses sinnliche Erlebnis, dass sich um einen herum das ganze Weltall erstreckt. Das ist das Besondere am Planetarium. So etwas kann man nicht vor dem Bildschirm hinbekommen. Man ist mittendrin, statt nur vor dem Bildschirm.
Flüge durch Raum und Zeit sind nur im Planetarium möglich. Wir wollen da alle Menschen begeistern.
„Ingenuity“ soll ein paar Zusatzflüge absolvieren.

Chef vom Planetarium Hamburg: „Mars ist ein tolles Thema“

Vor wenigen Monaten gab es die spektakuläre Mars-Mission*. Fiebern Sie dort mit?
Wir hatten im letzten Jahr geplant, den 90. Entdeckungstag von Pluto zu feiern: „Ein Herz für Pluto“. Und so war es auch mit der Marsmission angedacht. Veranstaltungen waren schon im Oktober geplant und wurden begonnen. Da weint man fast, weil man das alles nicht machen kann.
Das kann man natürlich online verfolgen, aber es fehlt, dass einer einen an der Hand nimmt und dass man es gemeinsam als Familie, Gruppe erlebt. Gerade der Mars ist ein tolles Thema. Wo ist das Wasser hin? Wie ist der Planet Erde überhaupt entstanden? Wie hat der Klimawandel auf dem Mars stattgefunden? Was kann man da für die Erde lernen.
Der Flug zum Mars ist für mich ein Blick zurück auf die Erde. Von dort ist die Erde nur ein blasser blauer Punkt. Das ist eine Erschütterung für alle Menschen. Wir können hier auf der Erde etwas gestalten. Es ist toll, wenn Menschen wie Elon Musk den Mars besuchen wollen, aber es sollte nicht von den eigentlichen Herausforderungen auf unsere Erde ablenken.
Planetarium-Chef Prof. Thomas W. Kraupe hofft auf eine baldige Öffnung (24hamburg.de-Montage)

Das ist das Planetarium Hamburg

Der Publikumsmagnet des Hamburger Stadtparks, das Planetarium, hat jährlich normalerweise um die 380.000 Besuchern seit der Wiedereröffnung 2017. Es ist damit das meistbesuchte Planetarium Deutschlands. 1912 wurde das über 64 Meter hohe Gebäude als Wasserturm errichtet, doch schon 1925 fand es seine schlussendliche Bestimmung und wurde zum Planetarium um- und ausgebaut. 23 Meter ist die Kuppel hoch, weshalb das Sterntheater zu einem von nur 9 „Großplanetarien“ in Deutschland zählt.

Über 2300 Veranstaltungen jährlich konnte das Planetarium verbuchen, bis es Anfang 2020 wegen der Corona-Pandemie vorerst schließen musste. Das Team des Planetariums bietet daher ein buntes Programm aus diversen Livestreams an, und hält auf der eigenen Website Interessierte auf dem Laufenden. * 24hamburg.de und fr.de ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Köhler/Planetarium Hamburg

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