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WHO-Auswertung beweist: So schlecht ist Deutschland durch die Pandemie gekommen

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Von: Natalie-Margaux Rahimi

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Deutschland ist schlechter durch die Pandemie gekommen als die Nachbarländer – und das trotz strengerer Regeln. Eine Auswertung der WHO zeigt es.

Hamburg – Die Coronapandemie ist derzeit lange nicht mehr so präsent wie noch vor einigen Wochen. Das liegt weniger an der immer noch kursierenden Omikron-Variante des Virus, sondern viel mehr daran, dass es kaum noch Coronaregeln in Deutschland gibt. Lange Zeit aber hatte Deutschland im europäischen Vergleich strengere Regeln. Während Schweden immer schon einen lockeren Kurs fuhr, lockerte auch Großbritannien früh. Deutschland hielt am strengen Kurs fest. Zu oft wurde gesagt, dass Deutschland nur dank der strengen Regeln „so gut“ durch die Pandemie gekommen sei. Aber stimmt das überhaupt? Eine Auswertung der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt, wie schlecht Deutschland wirklich durch die Pandemie gekommen ist – gerade im europäischen Vergleich.

Organistation:Weltgesundheitsorganisation WHO
Gründung:7. April 1948
Hauptsitz:Genf, Schweiz
Dachorganisation:Vereinte Nationen

WHO zu Corona in Deutschland: Übersterblichkeit deutlich höher als in unseren Nachbarländern

In der Auswertung ist die erwartete Sterblichkeit in Deutschland auf 100.000 Einwohner mit der tatsächlichen Sterblichkeit durch Covid-19 verglichen worden. Daraus ergibt sich für Deutschland eine um 116 Personen erhöhte Sterblichkeit (Übersterblichkeit). In unseren Nachbarländern liegt die Übersterblichkeit bei Corona jedoch weit darunter. In Dänemark lag die Übersterblichkeit laut eines Bild-Berichts in den Jahren 2020 und 2021 gerade einmal bei 31.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach trägt eine Maske vor dem Gesicht.
WHO-Auswertung zur Übersterblichkeit bei Corona: Wie gut Deutschland wirklich durch die Pandemie gekommen ist. © Chris Emil Janssen/imago

In Frankreich (63), Schweiz (47), Österreich (66), Belgien (77) und auch den Niederlanden (85) lag die Übersterblichkeit in den Jahren 2020 und 2021 ebenfalls deutlich unter dem Niveau Deutschlands. Selbst Schweden, das Land, das die Pandemie mit einer lockeren Coronapolitik durchgestanden hat, liegt mit 56 deutlich unter dem deutschen Wert. Portugal (100), Großbritannien (109) und Spanien (111) kommen der Deutschen 116 zwar nahe, bleiben aber ebenfalls dahinter zurück.

WHO-Auswertung widerspricht Gesundheitsminister Lauterbach: Deutschland nicht besonders gut durch die Pandemie gekommen

Die deutsche Politik, insbesondere der aktuelle Gesundheitsminister Karl Lauterbach, hatten in der Vergangenheit jedoch oft betont, dass Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarländern gut durch die Pandemie gekommen sei. In Anbetracht der Auswertung der WHO zur Übersterblichkeit kann davon nun aber kaum noch eine Rede sein.

Die Auswertung und ihr Ergebnis verwundern besonders auch deshalb, weil Deutschland lange einen deutlich strengeren Coronakurs fuhr, als die Nachbarländer. Insbesondere natürlich Schweden, mit der Anti-Lockdown-Strategie. Kassenärzte-Chef Dr. Andreas Gassen fordert daher in der Bild-Zeitung eine schnelle und unabhängige Überprüfung der Coronavirus-Maßnahmen in Deutschland. Das sei einmal mehr geboten, so Gassen, „wenn zahlreiche Nationen mit einer weniger rigiden Corona-Politik offenbar mitunter sogar deutlich weniger Übersterblichkeit zu verzeichnen haben“, sagte er der Bild-Zeitung.

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Dies könnte gerade im Hinblick auf den Herbst von großer Bedeutung sein. Denn aktuell weiß niemand, ob die Corona-Zahlen im Herbst wieder derart ansteigen, dass abermals strengere Coronaregeln nötig sind. Aktuell wird bereits die Empfehlung für eine vierte Impfung gegen Corona für Menschen ab 60 Jahren diskutiert. Fraglich ist also, inwiefern dann strengere Regeln notwendig und sinnvoll sind.

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