1. 24hamburg
  2. Politik

Unnötiges Klammern an fragwürdige Inzidenzen: Warum bleibt Deutschland so stur?

Erstellt:

Von: Natalie-Margaux Rahimi

Kommentare

Während Länder wie Dänemark und Norwegen trotz hoher Inzidenzen lockern, hält Deutschland an strengen Corona-Regeln fest – baldige Lockerungen nicht in Sicht. Warum?

Hamburg – Die Inzidenzen in Deutschland liegen vielerorts mittlerweile in Bereichen, an die wir im vergangenen Jahr nicht einmal gedacht haben. Tägliche Werte jenseits der 2000 sind in Hamburg nicht einmal mehr eine Überraschung – auch die tausenden Neuinfektionen, die die Gesundheitsbehörde täglich erfasst, erschrecken fast niemanden mehr. Aber wie aussagekräftig sind diese Zahlen und welcher Stellenwert sollte ihnen in Bezug auf Coronaregeln zukommen? Wenn es nach Dänemark, Norwegen und Großbritannien geht, kaum eine. Deutschland jedoch klammert sich weiter an die Inzidenz – warum?

Land:Deutschland
Neuinfektionen (2. Februar):208.498
Inzidenz (2. Februar):1.227,5
Hospitalisierungsrate (1. Februar):4,59

Inzidenz wird vielerorts nur noch geschätzt: Hamburg geht von höheren Infektionszahlen aus

Mit der Inzidenz gibt es mehr als nur ein Problem. Die Inzidenzen dürften mit dem realen Infektionsgeschehen nur noch wenig zu tun haben. Denn weil sich immer mehr und mehr Menschen infizieren, wird die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen. Zum einen, weil die Gesundheitsämter mit der Bearbeitung der Fälle gar nicht hinterherkommen können, zum anderen, weil Testkapazitäten fehlen und weitere Infektionen unerkannt bleiben. Die Hamburger Gesundheitsbehörde bestätigte dies schon vor Wochen.

Auf einem Smartphone ist die aktuelle Inzidenz-Karte für Deutschland abgebildet.
Deutschland schwört weiter auf die Inzidenz – dabei hat sie kaum noch Aussagekraft. © Felix Schlikis/imago

Außerdem wurde von der Politik schon im vergangenen Jahr entschieden, dass die Inzidenz aufgrund der hohen Impfquote nur noch wenig über die Gefahrenlage aussagt, die vom Coronavirus ausgeht. Doch dann kam Omikron, mit Omikron schossen die Werte in die Höhe und die Inzidenz gewann an Wichtigkeit für die Politik. Wie jedoch auch Bayern Ministerpräsident Markus Söder im Interview mit der Welt am Sonntag sagte, sind die Krankenhauszahlen für die Bewertung der Pandemielage eigentlich viel wichtiger als die Inzidenz.

Dänemark und Norwegen lockern, trotz höherer Inzidenz: Warum zieht Deutschland nicht nach?

In Anbetracht der hohen Inzidenzen hat die Politik die Hoffnungen auf baldige Lockerungen der Regeln abermals gedämpft. Top-Virologe Christian Drosten rechnet vielmehr erst nach Ostern mit milderen Regeln und mehr Freiheiten. Anders handhaben es die Länder Dänemark und Norwegen. In Dänemark liegt die Inzidenz mit über 5000 sogar deutlich höher als hierzulande. Dennoch wurden die meisten Regeln zum 1. Februar 2022 aufgehoben. Einen ähnlichen Weg geht Norwegen, dort fallen viele Regeln am 17. Februar. Auch dort liegt die Inzidenz bei über 2000.

Das Problem: Im Gegensatz zu Deutschland liegt die Impfquote in Dänemark noch einmal 10 Prozent höher, bei 81 Prozent. Besonders die vulnerablen Gruppen sind zu einem Großteil geimpft. In Deutschland hingegen sind etwa drei Millionen Menschen über 60 Jahren weiterhin nicht geimpft und haben deshalb ein höheres Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Zudem scheinen die Zahlen sowohl in Dänemark als auch in Norwegen bereits wieder zurückzugehen. In Deutschland ist der Scheitel der Omikron-Welle noch nicht erreicht.

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Warum die Politik bei der Entscheidung über Lockerungen oder strengere Regeln jedoch kaum darauf eingeht, dass sich die Zahlen der Intensivpatienten seit Wochen stabil halten und vielerorts sogar sinken, bleibt vorerst weiter offen. Vielleicht wird aber genau dieses Thema beim nächsten Bund-Länder-Gipfel am 10. Februar diskutiert. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare