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Deutsche Haubitze zerstört? Russland nennt Zahlen zu Ukraine-Schäden – jetzt ist der Vergleich möglich

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Von: Felix Durach

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Ukrainische Soldaten bedienen eine deutsche 155mm FH70-Haubitze in der Region Saporischschja.
Ukrainische Soldaten bedienen eine deutsche 155mm FH70-Haubitze in der Region Saporischschja (Archivbild). © Dmytro Smolienko/imago-images

Die russische Militärführung hat Zahlen zu Verlusten der Ukraine genannt. Zerstört worden sei auch deutsches Gerät.

Moskau — Vor gut zehn Monaten fiel Russland in sein Nachbarland ein und startete damit den Ukraine-Krieg. Seitdem toben in weiten Teilen der Ost- und Südukraine erbitterte Kämpfe um die Oberhand. Kämpfe, die immer wieder erhebliche Verluste auf beiden Seiten zur Folge haben. Sowohl bei den eingesetzten Soldaten, als auch bei schwerem Kriegsgerät und Ausrüstung, berichtet merkur.de.

Die ukrainische Militärführung veröffentlicht fast täglich neue vermeintliche Zahlen zu russischen Verlusten. Moskau hält sich etwas bedeckter. Am Mittwoch sprach aber Generalleutnant Igor Konaschenkow über aktuelle Daten. Seine Erfolgsmeldung betraf auch deutsche Militär-Lieferungen – zugleich ließ sie den Vergleich mit den Angaben der Ukraine zu.

Ukraine-Krieg: Russische Militärführung nennt Zahlen zu ukrainischen Verlusten

„Insgesamt wurden seit Beginn der militärischen Spezialoperation folgende Ziele zerstört: 352 Kampfflugzeuge, 192 Hubschrauber, 2.734 unbemannte Luftfahrzeuge, 399 Boden-Luft-Raketensysteme, 7.282 Panzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge, 950 Mehrfachraketenwerfer, 3.737 Feldartilleriegeschütze und Mörser“, erklärte der Militär. Konaschenkow sprach auch von weiteren 7.792 zerstörten militärischen Fahrzeugen seit dem Beginn der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ im Februar. Zahlen zu den Verlusten unter den Soldaten der ukrainischen Armee nannte er nicht.

Deutsche Haubitze zerstört: Schoigu-Sprecher verkündet jüngste russische Erfolge

Konaschenkow berichtete auch über die jüngsten Erfolge der russischen Armee. Den Truppen sei es gelungen, innerhalb von 24 Stunden drei Artillerie-Geschütze in der Region Donezk zu zerstören. Dabei soll es sich um zwei US-amerikanische M777- und eine deutsche FH70-Haubitze gehandelt haben. Die Haubitzen hätten Wohngebiete in der Region Donezk beschossen. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Bei der FH70-Haubitze handelt es sich um ein vergleichsweise altes Waffensystem, das von mehreren Nato-Staaten eingesetzt wurde. Einem Bericht des Spiegel zufolge wurden einige der von Deutschland für die Ukraine bereitgestellten Haubitzen im Jahr 1979 produziert. Die Funktion sei dadurch jedoch nicht eingeschränkt. Neben den FH70-Haubitzen lieferte die Bundesregierung auch die moderne Panzerhaubitze 2000 an die ukrainische Armee. Bereits Ende August hatten die russischen Streitkräfte nach eigenen Angaben einen kurz zuvor aus Deutschland gelieferten Gepard-Flakpanzer zerstört.

Vergleich möglich: Russland meldete feindliche Verluste im Ukraine-Krieg

Die von Moskau gemeldeten Zahlen sollten mangels Verifizierung mit Vorsicht betrachtet werden. Im Krieg dient die Verkündung eigener und feindlicher Verlusten auch Propagandazwecken. So kann eine hohe Zahl an feindlichen Verlusten dazu beitragen, die Moral in den eigenen Reihen zu heben und die Moral des Gegners zu schwächen. Gleiches gilt auch für die von der Ukraine gemeldeten russischen Verluste, die täglich vom ukrainischen Verteidigungsministerium auf Twitter bekannt gegeben werden.

Dennoch lassen die neuen russischen Zahlen erstmals seit längerer Zeit wieder ein Vergleich zu:

BezeichnungRussische Verluste (laut Ukraine)Ukrainische Verluste (laut Russland)
Personal104.560keine Angaben
Panzer/gepanzerte Kampffahrzeuge9.0657.282
Mehfachraketenwerfer423950
Kampfflugzeuge283352
Hubschrauber268192
Unbemannte Flugkörper2.3702.743
Boden-Luft-Raketensysteme212399
Artillerie2.0043.737 (inklusive Mörser)

Quelle: Russische Verluste: Ministry of Defence of Ukraine; Ukrainische Verluste: TASS

Stellt man die gemeldeten Verluste gegenüber, lässt sich kein klarer Trend erkennen. Die Ukraine hat den Daten der beiden Kriegsparteien zufolge deutlich mehr gepanzerte Fahrzeuge der russischen Armee zerstört, als sie eigene verloren hat. Moskau meldet im Gegenzug aber mehr als doppelt so viele zerstörte Mehrfachraketenwerfer wie Kiew. Neben den zerstörten Waffen vervollständigen jedoch auch beschädigte und defekte Systeme das Bild. So klagte die ukrainische Militärführung erst Anfang Dezember über den hohen Verschleiß bei den im Krieg eingesetzten Waffen.

Ukraine-Krieg: Offensivbemühungen stagnieren auf beiden Seiten

Auch wenn die gemeldeten Zahlen nicht verifiziert werden können, passen sie zu den jüngsten Entwicklungen auf dem Schlachtfeld. Dort stagnieren aktuell die Fortschritte beider Kriegsparteien. Die russische Armee konnte seit Monaten keine erfolgreichen offensiven Aktionen mehr ausführen und beschränkt sich aktuell auf einen Beschuss der ukrainischen Energieversorgung und der Metropolen. Und auch die ukrainische Gegenoffensive ist nach großen Gebietsgewinnen in der Region Charkiw und der Rückeroberung der Großstadt Cherson ins Stocken geraten.

Auch am Donnerstag kam es erneut zu massiven Angriffen auf ukrainische Großstädte. Ukrainischen Quellen zufolge soll Russland einen Angriff mit 120 Raketen auf die ukrainische Infrastruktur ausgeführt haben. (fd)

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