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Ukraine-Krieg: Wehrpflichtige sollen im Wohnort bleiben – Selenskyj kritisiert eigene Militärführung

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Von: Helena Gries, Sandra Kathe, Tobias Utz, Tanja Banner, Nail Akkoyun, Marvin Ziegele, Christian Stör

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Die Kämpfe im Ukraine-Krieg halten an. Selenskyj drängt weiter auf Lieferung moderner Raketenabwehrsysteme. Der News-Ticker am Mittwoch, 6. Juli.

+++ 15.30 Uhr: Dieser Ticker ist beendet. Weitere Entwicklungen im Ukraine-Krieg können Sie im neuen Live-Ticker nachlesen.

Update vom Mittwoch, 06. Juli, 07.30 Uhr: Der Mittwoch ist für die Ukraine der 133. Kriegstag seit Beginn der russischen Invasion Ende Februar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Appell zur Lieferung moderner Raketenabwehrsysteme im Krieg gegen Russland bekräftigt. Die Führung in Kiew werde nicht einen Tag in ihren Bemühungen nachlassen, eine ausreichende Zahl dieser Waffen zu erhalten, sagte er am Dienstag in einer Videobotschaft.

Aus ukrainischen Orten wurde unterdessen von erneuten Raketenangriffen berichtet. Wie es in Berichten des Kyiv Independent heißt, seien im Oblast Charkiw weitere Zivilisten bei einem russischen Beschuss verletzt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft des Gebiets Charkiw beschossen russische Streitkräfte am Dienstag das Dorf Pechenihy. Dabei sei unter anderem ein Kleinkind verletzt und zahlreiche Wohngebäude zerstört worden.

Nach heftiger Kritik an Meldeauflagen für Wehrpflichtige rüffelte Selenskyj die Militärführung: „Ich verspreche dem Volk, die Sache zu klären, und bitte weiter den Generalstab, derartige Entscheidungen nicht ohne mich zu treffen.“ Zuvor hatten Armeeoberbefehlshaber Walerij Saluschnyj und der Generalstab mitgeteilt, dass wehrpflichtige Ukrainer für das Verlassen des Meldeorts eine Erlaubnis benötigen. Nach Kritik in sozialen Netzwerken hieß es, dass dies nur für das Verlassen des Regierungsbezirks notwendig sei. Grundlage sei ein Gesetz von 1992.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hat die Militärführung im Ukraine-Krieg wegen Meldeauflagen wehrpflichtiger Ukrainer kritisiert und drängt auf Lieferung moderner Raketenabwehrsysteme. (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Ukraine-News: Wehrpflichtige sollen im Wohnort bleiben – Selenskyj verspricht „Klärung“

+++ 21.55 Uhr: Nach einer militärischen Anordnung, dass wehrpflichtige Ukrainer den Regierungsbezirk ihrer Meldeadresse nicht mehr verlassen dürfen, wird die Militärführung der Ukraine nicht nur massiv aus der Bevölkerung heraus kritisiert, sondern auch von Staatsoberhaupt Wolodymyr Selenskyj. Dieser forderte Verteidigungsminister, Generalstabschef und Armeeoberbefehlshaber am Dienstagabend dazu auf, ihm bei der nächsten Generalstabs-Sitzung detailliert Bericht über ihre Entscheidung zu erstatten und versprach der Bevölkerung „die Sache zu klären“. Den Generalstab bat er im gleichen Atemzug, solche Entscheidungen künftig nicht ohne ihn zu treffen.

News zum Ukraine-Krieg: Heftige Gefechte in der Region Charkiw

+++ 21.00 Uhr: In mehreren Dörfern in der ukrainischen Region Charkiw haben ukrainische Streitkräfte russische Angriffe abgewehrt und die Angreifer zum Rückzug gezwungen. Das berichtete ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Demnach hätten die russischen Besatzer ihre Anstrengungen nun darauf konzentriert, bereits besetzte Positionen zu halten.

News zum Ukraine-Krieg: Angriff auf Marktplatz in Slowjansk – Mehrere Menschen sterben

+++ 19.35 Uhr: „Massive“ russische Raketenangriffe auf die Stadt Slowjansk haben am Dienstag mindestens zwei Menschen das Leben gekostet. Das meldete der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, über die sozialen Medien. Sieben weitere Menschen würden nach dem Angriff wegen Verletzungen behandelt. Wie der Bürgermeister Wadym Liach mitteilte, habe der Angriff dem zentralen Markt der Stadt in der Ostukraine gegolten. Dieser sei nach Berichten von Journalistinnen und Journalisten vor Ort nach mehreren Raketeneinschlägen in Brand geraten.

Den Angriff auf den Markt bezeichnete Kyrylenko als „Terrorismus“: „Wieder einmal zielen die Russen absichtlich auf Orte, an denen sich Zivilisten aufhalten“, warf der ukrainische Politiker dem russischen Militär vor. Slowjansk, das vor Beginn des Ukraine-Krieges 100.000 Einwohner zählte, steht bereits seit Tagen unter Raketenbeschuss. Bereits Ende Juni hatte ein Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk den UN-Sicherheitsrat auf den Plan gerufen. Der Angriff, der mehrere zivile Opfer gefordert hatte, wurde auch von Teilnehmenden des G7-Gipfels als „Kriegsverbrechen“ verurteilt.

News zum Ukraine-Krieg: Selenskyj rechnet nicht mit Kriegseintritt von Belarus

+++ 17.13 Uhr: Obwohl es „Provokationen“ vonseiten des nördlichen Nachbarlands gebe, gehe die Ukraine derzeit nicht von einem Eingreifen aus Belarus in das Kriegsgeschehen im Ukraine-Krieg aus. Das sagte der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, am Dienstag in einer übertragenen Video-Ansprache bei einer Veranstaltung der Gruppe The Economist in Griechenland.

Die Einschätzung erfolgte wenige Tage nachdem der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko – ein enger Verbündeter seines russischen Amtskollegen Wladimir Putin – dem ukrainischen Militär am Sonntag Angriffe auf Belarus vorgeworfen hatte, die von belarussischer Seite abgefangen worden wären. Die Ukraine gab ihrerseits an, es hätte bereits mehrere Angriffe aus Belarus gegeben. Dennoch glaube Selenskyj nicht, „dass Belarus sich nicht in diesen Krieg hineinziehen lassen wird.“

Russland mit neuer Mobilisierung im Ukraine-Krieg: Ukrainer müssen an Wohnort bleiben

+++ 14.30 Uhr: Das ukrainische Verteidigungsministerium hat Männern im wehrpflichtigen Alter das Verlassen ihres Wohnortes untersagt. Als Grundlage dafür nannte das Ministerium das Wehrpflichtgesetz aus dem Jahr 1992. Konkret betrifft das Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Für das Verlassen des Wohnortes ist nun eine Sondergenehmigung notwendig. An den Grenzen von Regierungsbezirken sollen fortan Kontrollen stattfinden.

+++ 13.45 Uhr: In Russlands Innenpolitik bleibt eine erneute Mobilisierung angesichts schwerer Verluste im Ukraine-Krieg eine heikle Thematik. Hintergrund ist Wladimir Putins anfängliche Kriegsprognose von 15 Tagen als Dauer der Invasion. Diese wurde bekanntermaßen bei weitem nicht eingehalten. In der Zwischenzeit hat die Duma ein Gesetz gebilligt, wonach das Maximalalter Wehrpflichtiger angehoben wird: ein Hinweis für eine neue Mobilisierung. Sergej Schoigu, russischer Verteidigungsminister, hat dem nun abermals widersprochen. Es würden keine Wehrpflichtigen zur „Spezialoperation“ in die Ukraine geschickt, diktierte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Brisant an Schoigus Aussage: Im März hatte das Verteidigungsministerium noch konträre Angaben gemacht und bestätigt, dass eine Reihe von Wehrpflichtigen in den Konfliktregionen eingesetzt worden seien.

+++ 12.30 Uhr: In der Region Donezk toben schwere Gefechte zwischen der ukrainischen und der russischen Armee. Der ukrainische Generalstab berichtet, dass mehrere Angriffe abgewehrt werden konnten. Russische Einheiten seien nördlich von Slowjansk zurückgeworfen worden. Das Wärmekraftwerk Wuhlehirsk sei zudem weiterhin umkämpft. Allerdings gebe es nicht nur Kämpfe in der Region Donezk, sondern auch in den Gebieten Charkiw, Donezk, Cherson, Saporischschja und Mykolajiw. In Mykolajiw wurden am Morgen Raketenangriffe gemeldet (s. Update v. 08.45 Uhr).

+++ 11.30 Uhr: Der Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba, hat Partnerstaaten dazu aufgefordert, Russlands Zugang zum Seeverkehr zu beschränken. „Russlands exportorientierte Wirtschaft ist stark auf den Seetransport durch ausländische Flotten angewiesen“, schrieb er am Dienstagvormittag auf Twitter.

News zum Ukraine-Krieg: Britisches Verteidigungsministerium gibt Update

+++ 10.45 Uhr: Laut einer Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums kontrollieren russische Truppen mittlerweile das gesamte Gebiet Luhansk, nicht zuletzt durch die kürzliche Einnahme der Stadt Lyssytschansk. Die ukrainischen Streitkräfte hätten sich „entsprechend dem Plan“ aus der Stadt zurückgezogen, hieß es. Das Ministerium, welches auf Grundlage von Geheimdienstinformationen Aussagen über den Ukraine-Krieg trifft, rechnet zudem mit einer ähnlichen Entwicklung im Gebiet Donezk. „Mit ziemlicher Sicherheit“ gehe das russische Militär dort ähnlich vor, so die Analyse. Die Gefechte waren im Gebiet Luhansk vor allem durch zahlreiche Vorstöße und den massiven Einsatz von Artillerie gekennzeichnet. Die Informationen aus Großbritannien lassen sich jedoch nicht unabhängig prüfen. Die von Russland eingenommene Stadt Lyssytschansk gleicht mittlerweile einer Geisterstadt. Laut Angaben des ukrainischen Generalstabs sind 90 Prozent der 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner bereits geflohen.

+++ 10.00 Uhr: Die Verluste der russischen Armee im Ukraine-Krieg häufen sich. Mittlerweile sind mehr als 36.000 Soldaten gefallen. Das geht aus einer Statistik des ukrainischen Generalstabs hervor.

+++ 09.15 Uhr: Ukrainische Streitkräfte haben in der Nacht wohl ein Munitionsdepot der russischen Armee beschossen. Es liegt einem Bericht des Nachrichtenportals Nexta nahe der Stadt Stachanow im Gebiet Luhansk. Fotoaufnahmen zeigten eine große Rauchwolke über dem Gelände. Die Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig prüfen.

+++ 08.45 Uhr: Am Dienstagmorgen haben russische Truppen offenbar Mykolajiw bombardiert. Der Bürgermeister der Hafenstadt, Oleksandr Sienkevych, vermeldete mehrere Raketeneinschläge. Der Luftalarm wurde flächendeckend aktiviert, wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent weiter berichtet. Die Angaben sind nicht unabhängig prüfbar. Zuvor wurden bereits in weiten Teilen der Ukraine der Luftalarm ausgelöst (s. Update v. 06.30 Uhr).

Ukraine-Krieg: Russland baut Verwaltung nach russischem Muster auf - Flächendeckend Luftalarm

Update vom Dienstag, 05. Juli, 06.30 Uhr: In der Nacht zum Dienstag (05. Juli) wurde in fast der gesamten Ukraine erneut Luftalarm ausgelöst. Aus dem nordöstlichen Gebiet Sumy wurde Beschuss mit Raketen und Granaten gemeldet, der mehrere Menschen verletzt habe, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Darüber hinaus seien ukrainische Positionen an weiten Teilen der Front mit Artillerie, Raketenwerfern und Mörsern beschossen worden. Die russische Luftwaffe habe zudem Stellungen ukrainischer Einheiten bombardiert. Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch zeigte sich zuversichtlich, dass ukrainische Truppen nach der Aufgabe von Lyssytschansk die Verteidigungslinien an anderen Frontabschnitten stabilisieren können. Insgesamt könne man jedoch sagen, dass Russlands Militär das Gebiet Luhansk erobert habe, räumte er bei Youtube ein.

News zum Ukraine-Krieg: Geheimdienst verhaftet russische Agenten

+++ 14.00 Uhr: Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat offenbar mehrere russische Agenten verhaftet, die Standorte stationierter ukrainischer Truppen verraten haben sollen. Insgesamt soll es sich um drei Personen handeln, wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtet. Hauptaufgabe der Agenten sei es gewesen, Kampfpositionen und Bewegungen der ukrainischen Streitkräfte auszuspähen. Zudem sei auch kritische Infrastruktur geortet worden, berichtete der Geheimdienst laut Bericht. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Erstmeldung vom Freitag, 1, Juli 2022, 06.15 Uhr: Bei einem russischen Raketenangriff auf ein Wohngebäude in der südukrainischen Region Odessa sind nach ukrainischen Angaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Die ukrainischen Rettungsdienste sprachen am Freitag von 14 Toten und 30 Verletzten. Unter den Verletzten seien drei Kinder. Die Rettungsarbeiten würden andauern, sie würden aber durch ein Feuer erschwert.

Nach ukrainischen Angaben wurde das Wohngebäude durch den Angriff teilweise zerstört. Die Rettungskräfte hatten zunächst von sechs Toten und sieben Verletzten gesprochen. Später stieg die Zahl der Toten auf zehn und dann auf 14. (marv/tu/cs/tab/nak/hg mit dpa/AFP)

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