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Kriegsverletzte kommen in Hamburger Kliniken – „Unsere moralische Verantwortung“

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Von: Kevin Goonewardena

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Die ersten Verletzten aus der Ukraine sind in Hamburg angekommen, die Kliniken rechnen aber mit noch mehr Patienten. Auch andere Bundesländer nehmen Verletzte auf.

Hamburg – Seit zwei Monaten tobt der russische Angriffskrieg in der Ukraine und noch ist kein Ende in Sicht. Während schon bald nach Beginn des Krieges die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine an der Elbe eintrafen, haben die Hamburger Kliniken nun mit der Aufnahme der ersten Kriegsverletzten aus der Ukraine begonnen. Dazu gehört etwa das Krankenhaus der Berufsgenossenschaft Boberg und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Das berichten unter anderem das Hamburger Abendblatt und die Wochenzeitung Die Zeit. Auch andere Städte und Kommunen Deutschlands haben in der Vergangenheit Kriegsverletzte aus der Ukraine aufgenommen. So waren etwa kürzlich Kriegsverwundete am Flughafen Nürnberg gelandet.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 1,9 Millionen
Regierungsoberhaupt:Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)

Kriegsverletzte in Hamburg: Vor allem Explosions-, Schuss- oder Brandverletzungen

Professor Dr. Karl-Heinz Frosch teilte gegenüber dem Abendblatt mit, dass es sich bei den Patienten, die im Boberger Krankenhaus versorgt werden, um „junge Männer mit Explosions-, Schuss- oder Brandverletzungen“ handele, deren Zustand „hochkritisch“ sei. Der Mediziner ist sowohl ärztlicher Direktor in Boberg, als auch als Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Hamburger Universitätsklinikum beschäftigt.

Er und seine Kollegen würden sich auf vermehrt ankommende Kriegsverletzte in Hamburg einstellen, so der Klinikdirektor weiter. Die ankommenden schwerverletzten Patienten würden aufgrund ihrer Verletzungen auch im Bereich der plastischen Chirurgie eine hoch spezialisierte Behandlung brauchen. Aufgrund des instabilen Zustands und damit einhergehenden fehlenden Transportfähigkeit würden akut lebensbedrohlich verwundete Ukrainer allerdings nicht in die Hansestadt überführt werden.

Verletzte aus Ukraine-Krieg: Bundesweite Verteilung nach Kleeblatt-Prinzip

Man stünde, man, so erzählt Professor Frosch, eng mit dem Militärkrankenhaus im ukrainischen Lwiw in Kontakt. Für den Fall, dass sich ukrainischen Krankenhäuser bei Hamburger Kliniken melden würden, könnten sich die Einrichtungen der Hansestadt untereinander bei der Verteilung der Kriegsverletzten abstimmen. Patienten, um deren Aufnahme auf offiziellem Weg gebeten werde, werden über das sogenannte Kleeblatt-Prinzip in Deutschland verteilt. Das System wurde entwickelt während der Corona-Pandemie entwickelt, um einem drohenden Kollaps der Intensivstationen hierzulande vorzubeugen. Die Kliniken in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind dabei als „Kleeblatt Nord“ zusammen gefasst.

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Ukraine: Aufnahme von Kriegsverletzten „unsere moralische Verantwortung“

Laut einem Bericht der Düsseldorfer Tageszeitung „Rheinische Post“; haben sich in NRW 219 Krankenhäuser registriert, um ukrainische Kriegsverletzte aufzunehmen. 166 Normal- und 41 Intensiv-Betten stellen die nordrhein-westfälischen Kliniken zu diesem Zweck zur Verfügung. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von einer furchtbaren Lage in der Ukraine und „als unsere moralische Verantwortung“, die Verletzten medizinisch zu versorgen.

Hamburger Kliniken wie das UKE nehmen Kriegsverletzte aus der Ukraine auf
Hamburger Kliniken wie das UKE nehmen Kriegsverletzte aus der Ukraine auf. (24hamburg.de-Montage) © Denis Vejas/imago

Laumanns Amtskollegin aus Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne (SPD), rechnet laut der „Mitteldeutschen Zeitung“ ebenfalls mit in den nächsten Wochen vermehrt in Sachsen-Anhalt ankommenden Verwundeten aus dem Kriegsgebiet. „Deren gute medizinische und pflegerische Versorgung ist für uns humanitäre Pflicht“, sagte die Ministerin. Auch in Sachsen-Anhalt werden zurzeit bereits Verwundete aus dem Ukraine-Krieg versorgt.

Kriegsverletzte in Deutschland: Weniger als erwartet

Der Sprecher des TraumaNetzwerk, das ebenfalls an der Verteilung beteiligt ist, Dr. Jakob Nüchtern, teilte mit, dass insgesamt bisher weniger Kriegsverletzte als erwartet in den innerhalb des Netzwerkes organisierten Häusern angekommen sind. Nüchtern ist als Oberarzt am Hamburger Asklepios Klinikum in Hamburg-St. Georg beschäftigt.

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