Bundessprecher der AfD

Tino Chrupalla: Schlesischer Malermeister, AfD-Bundessprecher, Pfui-Rufe ist er gewohnt

  • Vivienne Goizet
    vonVivienne Goizet
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Tino Chrupalla ist einer der beiden Bundessprecher der AfD. Neben ihm agiert Jörg Meuthen in gleicher Position für die Partei. Der gebürtige Sachse blickt auf einen wechselhaften politischen Werdegang zurück.

  • Tino Chrupalla war Mitglied der Jungen Union, bevor er zur AfD wechselte.
  • 2017 wurde er als Direktkandidat des Wahlkreises Görlitz in den Deutschen Bundestag gewählt.
  • Er hat einen Betrieb im Maler- und Lackiererhandwerk.

Berlin Tino Chrupalla (45) ist seit 2019 neben Jörg Meuthen (59) Bundessprecher der AfD. Doch der Politiker war nicht immer ein Mitglied der viel kritisierten Partei in Deutschland. In den Medien war der Direktkandidat des Wahlkreises Görlitz im März 2020 sehr präsent, nachdem Unbekannte sein Auto in Brand steckten und er bei Löschversuchen leicht verletzt wurde.

Mitglied des Deutschen BundestagesTino Chrupalla
Geboren14. April 1975 (Alter 45 Jahre), Weißwasser/Oberlausitz
ParteiAlternative für Deutschland
AmtMitglied des Deutschen Bundestages seit 2017
Noch AmtAfD-Bundessprecher neben Jörg Meuthen
Twitter@Tino_Chrupalla

Tino Chrupalla privat: AfD-Bundessprecher ist gelernter Malermeister und hat drei Kinder 

Tino Chrupallas Herkunft liegt in Sachsen, wo er am 14. April 1975 in Weißwasser geboren wurde und in Krauschwitz aufwuchs. Seine Eltern waren mittelständische Arbeiter, sein Vater war Malermeister und genauso lernte auch der Sohn nach Abschluss der Mittleren Reife im Jahr 1991 das Handwerk des Malers und Lackierers. 2003 absolvierte er schließlich selbst die Prüfung des Malermeisters. Daraufhin gründete er seinen eigenen Betrieb, den er bis heute neben seiner politischen Karriere fortführt. Chrupalla ist verheiratet und hat Familie mit drei Kindern. Im Juni 2020 wurde er bei einem Unfall mit seinem Auto am Arm verletzt.

Tino Chrupallas politische Karriere: Helmut Kohl war sein Idol – wegen Flüchtlingspolitik zur AfD gewechselt

Tino Chrupallas politische Karriere startete 1990 als Mitglied der Jungen Union. Vom Einfluss dieser Zeit spricht auch heute noch sein Geständnis: „Helmut Kohl war mein Idol.“ Nach eigenen Angaben war der geborene Sachse äußerst unzufrieden mit der Flüchtlingspolitik und den politischen Entscheidungen in der Euro-Krise. Deswegen trat er im Jahre 2015 in die vom Verfassungsschutz beobachtete Partei AfD (Alternative für Deutschland) ein, die durch Alice Weidels (41) und Alexander Gaulands (79) Führung zu großer Stärke in Deutschland gelangte. Bereits im April 2016 zog er in den Kreisvorstand Görlitz und schließlich im November des gleichen Jahres als Direktkandidat in den Deutschen Bundestag ein. In dieser Wahl setzte er sich gegen den späteren Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (45, CDU) durch.

2019 wurde er zum Bundesvorsitzenden der AfD neben Jörg Meuthen gewählt. Chrupalla wird zum rechten Flügel der Partei gezählt und namentlich in einem Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz genannt. Auffällig geworden war er durch ein Video auf YouTube, in dem er dem rechtsextremen Volkslehrer Nikolai Nerling ein Interview gab. Auch auf Facebook verbreiteten sich die Zitate des Interviews.

Konflikt zwischen Tino Chrupalle und Claudia Roth: Rücktrittsforderung gegen Grünen-Politikerin

Tino Chrupalla trat im Jahr 2018 in einen Streit mit der Politikerin der Grünen und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (65). Diese wollte einen AfD-Vorsitz im Kulturausschuss verhindern und kritisierte die rechte Partei vehement. In der Folge warf Chrupalla Roth vor, gegen das Neutralitätsgebot zu verstoßen und forderte, sie vom Amt der Bundestagsvizepräsidentin zu entheben.

Tino Chrupalla im Interview mit Theo Koll im Sommerinterview 2020

Seit Jahren ist das Sommerinterview der Sendung „Berlin direkt“ im ZDF eine der wichtigsten politischen Talk-Sendungen in Deutschland. Tino Chrupalla stellt sich in diesem Sommer den Fragen des ZDF-Moderators Theo Koll (62). Der deutsche Politiker wird sich auch auf kritische Fragen gefasst machen müssen, die sich unterem aus seinen extremen Zitaten in der Presse ergeben.

Tino Chrupalla im Bundestag nach seinem Autounfall im Juni 2020.

Zu den aktuellen Protesten in den USA und zur Gewalt gegen die schwarze Bevölkerung, die unter dem Motto „Black Lives Matter“ ausgetragen werden, äußerte sich Chrupalla äußerst rechtsextremistisch auf Twitter. Am Beispiel der USA zeige sich nach seiner Aussage, „in welcher Sackgasse multikulturelle Einwanderungsländer enden. Gewalt, Tote, bis an die Zähne bewaffnete Sicherheitskräfte“. Der Tweet sorgte für Empörung und wurde im Anschluss wieder gelöscht.

Zudem verglich der AfD-Politiker Sklaverei mit Einwanderung, die Familienpolitik mit Umvolkung und weiß auch immer etwas zu den Sanktionen gegen Russland zu sagen. Weiterhin setzt er sich für Grenzkontrollen nach Polen ein. Bisher waren in der Interview-Reihe bereits CSU Ministerpräsident Markus Söder, Die-Linke-Parteivorsitzende Katja Kipping sowie FDP-Mann Christian Lindner zu sehen. Ein besonderes Highlight war das Sommerinterview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

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