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Steinmeier: Antisemitismus nie wieder ohne Widerspruch

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Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, Antisemitismus entgegenzutreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa/Archiv

Vor 80 Jahren wurden die ersten Jüdinnen und Juden nach Polen deportiert. Bundespräsident Steinmeier hat nun bei einer Gedenkveranstaltung dazu aufgerufen, Judenhass entgegenzutreten.

Berlin - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, Rassismus und Judenhass entschlossen entgegenzutreten.

„Nie wieder darf Antisemitismus einen Platz in unserer Gesellschaft haben“, sagte er laut Redemanuskript bei einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust in Berlin. „Nie wieder dürfen antisemitisches Denken und Handeln ohne Widerspruch und öffentliche Reaktionen bleiben.“ Jüdinnen und Juden hätten einen selbstverständlichen Platz in unserer Gesellschaft. „Jüdische Kultur ist nicht nur Teil der deutschen Kultur, sie hat sie zutiefst geprägt und reich beschenkt.“

Steinmeier äußerte sich bei einer Veranstaltung am Mahnmal Gleis 17 in Berlin-Grunewald, wo an den Beginn der Deportation jüdischer Menschen in Ghettos und Vernichtungslager durch die Nazis vor 80 Jahren erinnert wurde. Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Berliner „Osttransport“ mit mehr als 1000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald in Richtung Litzmannstadt (Lodz). Auch an anderen Orten im damaligen Deutschen Reich begann in jenem Monat die systematische Deportation und damit Ermordung der jüdischen Bevölkerung.

Steinmeier: Noch immer Schuld

Das Staatsoberhaupt sprach von einem „abgründigen, grauenhaften Geschehen“. „Noch immer tragen wir Deutschen an der Schuld, die Täter, Helfer, Unterstützer des planmäßigen Mordes an den europäischen Juden auf sich geladen haben“, sagte Steinmeier. „Noch immer verspüren wir die Scham darüber, dass Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Mitte der Gesellschaft ausgesondert wurden: schikaniert, entrechtet, enteignet - und schließlich auf die Fahrt in den Tod geschickt.“

Erschütternde Tatsache sei, dass sich das Verbrechen vor aller Augen ereignet habe. „Das Ausgrenzen und das Abholen geschah mitten im deutschen Alltag, das ist die grausame Wahrheit - wenn auch die eigentliche Ermordung und Vernichtung in den eroberten und besetzten Gebieten im Osten stattfand.“

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) rief dazu auf, die Erinnerung an die Shoa und die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten, um die Demokratie vor erstarkendem Rechtsextremismus zu schützen. Freiheit, Toleranz und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssten ständig verteidigt und notfalls von neuem erkämpft werden. dpa

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