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Söder will neues Corona-Warnsystem statt Inzidenz – Tschentscher dagegen

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Von: Natalie-Margaux Rahimi

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Derzeit dient die Inzidenz immer noch als Leitfaden für die Corona-Maßnahmen. Geht es nach Markus Söder, soll sich das ändern. Warum Peter Tschentscher dagegen ist.

Hamburg – Eigentlich sollte in Deutschland längst die Hospitalisierungsrate maßgeblich für Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sein. Doch in der Realität sieht das anders aus. Noch immer gilt der 7-Tage-Inzidenzwert vielerorts als Maßstab für die Regeln. Und das, obwohl die Omikron-Variante mehrheitlich milde Krankheitsverläufe auslöst. Trotz explodierender Infektionszahlen bleibt die Zahl der Intensivpatienten stabil. Markus Söder schlägt nun ein bundesweit einheitliches Corona-Warnsystem vor, das sich an den Krankenhauszahlen orientiert. Doch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ist dagegen.

Land:Deutschland
Neuinfektionen (29. Januar 2022):189.166
Inzidenz (29. Januar 2022):1127,7

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder möchte neues bundeseinheitliches Corona-Warnsystem

Wie er der WELT am Sonntag mitteilte, halte Markus Söder die „Vorwarnwirkung“ der Inzidenzen inzwischen nicht mehr für ausreichend, um das Pandemiegeschehen zu bewerten. Das liege insbesondere an den sehr begrenzten Kapazitäten bei PCR-Tests. Die Hansestadt Hamburg hatte beispielsweise schon vor Wochen mitgeteilt, dass die Zahlen in der Stadt noch einmal deutlich über den veröffentlichten liegen dürften, weil derzeit nicht jeder die Möglichkeit hätte, sich testen zu lassen.

Peter Tschentscher und Markus Söder vor einer Maske mit einer steigenden Inzidenz-Kurve.
Markus Söder will bundeseinheitliches Corona-Warnsystem: Tschentscher dagegen. (24hamburg.de-Montage) © Sven Simon/imago, Bernd Elmenthaler/imago & Chrisitan Ohde/imago

In Anbetracht der höchstwahrscheinlich hohen Dunkelziffer bei den Neuinfektionen, schlägt Söder einen neuen Weg für die Bewertung der Pandemie-Lage vor. Sinnvoll sei aus seiner Sicht „ein neues Bewertungssystem, das sich an der Belegung der Krankenhausbetten orientieren sollte“, erklärte der bayerische Ministerpräsident der WELT am Sonntag. Nur so könne zuverlässig ermittelt werden, ob eine Überlastung des Gesundheitssystems drohe, so Söder.

Deshalb fordere er eine bundesweit einheitliche Krankenhaus-Ampel zur Bewertung der Pandemie-Lage. Wichtig sei ihm auch, dass es künftig eine Unterscheidung zwischen Menschen gebe, die lediglich mit und denen, die wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das RKI unterscheidet bei der Ermittlung der Hospitalisierungsrate nicht zwischen diesen beiden Gruppen.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher lehnt bundesweite Krankenhaus-Ampel ab – regionale Lage von Bedeutung

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher lehnt eine solche bundesweit einheitliche Krankenhaus-Ampel ab, berichtet welt.de. Maßnahmen, Regeln und Entscheidungen habe die Hansestadt immer an der „regionalen Pandemielage ausgerichtet“, sagte der Bürgermeister Hamburgs demnach. Auch Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) blickt einem neuen Corona-Warnsystem kritisch entgegen. Aus seiner Sicht sollte sich die Politik in der Pandemie um „Verlässlichkeit bemühen und nicht die Bürger durch wechselnde Maßstäbe verunsichern“, wird Weil bei welt.de zitiert.

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In Hamburg schreibt die Inzidenz fast täglich neue Rekordwerte. Die Marke von 2000 wurde längst gerissen. Inzwischen liegt der Wert bei 2197,0. Im Vergleich zu der Corona-Welle im Frühjahr vergangenen Jahres und in Anbetracht der enorm hohen Infektionszahlen müssen allerdings nur „wenige“ Menschen aufgrund ihrer Covid-19-Erkrankung auf der Intensivstation behandelt werden. Derzeit müssen 77 Patienten in Hamburg intensivmedizinisch betreut werden, im Frühjahr 2021 waren es teilweise über 120.

Das Problem mit den PCR-Tests: Wien als Vorbild für fehlende Kapazitäten?

Ein derzeit großes Problem in Deutschland sind die fehlenden Kapazitäten bei den Coronatests. Labore sind komplett überlastet, das entsprechende Testpersonal fehlt an allen Ecken und Enden. Ein mögliches Vorbild könnte Österreichs Hauptstadt Wien sein. Bei der Wiener Gurgel-PCR-Methode werden Ressourcen effizient eingespart, sodass um ein vielfaches mehr Tests möglich sind. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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