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Schluss mit 2G im Einzelhandel? Corona-Experte „würde noch abwarten“

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Von: Natalie-Margaux Rahimi

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Der Druck hinsichtlich der Lockerung der Coronaregeln auf die Politik wächst. Für Corona-Experte Lars Kaderali käme das Ende von 2G jedoch zu früh.

Hamburg – Weil andere Länder, wie Dänemark, Großbritannien und Norwegen ihre Coronaregeln lockern, wird auch der Druck auf Deutschland immer größer. Handelsverbände fordern schon lange das Ende von 2G für den Einzelhandel. Besonders, weil es deutschlandweit derzeit einen Regel-Flickenteppich gibt.

So wird 2G im Einzelhandel in Hamburg strikt kontrolliert, in Schleswig-Holstein nur stichprobenartig kontrolliert und in Niedersachsen gar nicht erst angewendet. Deshalb soll 2G im Einzelhandel möglichst schon nach dem nächsten Bund-Länder-Gipfel fallen, so die Forderung. Zu früh, sagt Corona-Experte Lars Kaderali.

Stadt:Hamburg
Neuinfektionen (6. Februar):1368
Inzidenz (6. Februar)1860,9

Experte aus Corona-Expertenrat der Bundesregierung würde mit dem Ende von 2G im Einzelhandel noch warten

Aus Sicht des Corona-Experten Lars Kaderali kommt die sich abzeichnende Aufhebung der sogenannten 2G-Regel im Einzelhandel im Nordosten des Landes zu früh. «Ich würde noch abwarten», sagte das Mitglied des Corona-Expertenrates der Bundesregierung der Deutschen Presse-Agentur.

Impfnachweis
Ein Mitarbeiter eines Kaufhauses kontrolliert am Eingang mit einem Smartphone die Einhaltung der 2G-Regel und den Impfnachweis einer Kundin. (Symbolbild) © Bernd Weißbrod/dpa

Zum einen steige die Zahl der Neuinfektionen derzeit noch an. Außerdem verlagere sich das Infektionsgeschehen zunehmend in ältere Bevölkerungsgruppen. „Es ist schon relativ klar, dass das da auch schwere Verläufe geben wird“, sagte er mit Blick auf die Omikron-Variante des Coronavirus. „Wir sehen im Moment schon bei den Hospitalisierungen so eine Trendwende. Die gehen hoch wieder“.

Ende von 2G im Einzelhandel in Schleswig-Holstein – auch Mecklenburg-Vorpommern plant Aufhebung

Bislang dürfen in Mecklenburg-Vorpommern entsprechend der 2G-Regel nur vollständig Geimpfte und Genesene Läden betreten. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien, Optiker, Apotheken oder Baumärkte. In Schleswig-Holstein fallen diese Beschränkungen zum 9. Februar weg. Im Nordosten wird mit einer entsprechenden Entscheidung auf der Kabinettssitzung am Dienstag gerechnet.

Kaderali zeigte sich überrascht von der Kehrtwende der Regierung. Er habe noch am Mittwoch mit der Regierung gesprochen. Danach war Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) vor die Presse getreten und hatte gesagt, dass der Zeitpunkt für MV noch nicht gekommen sei. Kaderali sei überrascht, dass dann kurzfristig am Donnerstag erneut beraten wurde. Danach hatte die Staatskanzlei weitere Lockerungen angekündigt. Regierungssprecher Andreas Timm hatte gesagt, die 2G-Regel werde „mehr und mehr zum Flickenteppich. Damit droht die Gefahr eines Einkaufstourismus“.

Corona-Experte: Ende der Omikron-Welle abwarten – Haltung der Bevölkerung „brandgefährlich“

Laut Kaderali gehe man davon aus, dass die Omikron-Welle zwar heftig, aber relativ kurz sein werde. Modelle sagten voraus, dass die Zahlen in der zweiten Februarhälfte zurückgehen werden. „Da fällt es mir schon schwer zu verstehen, warum man diesen Zeitpunkt nicht abwartet“. Nach Aussage des Greifswalder Bioinformatikers könnten Lockerungen im Einzelhandel auch als „Türöffner“ wirken für entsprechende Forderungen etwa seitens der Gastronomie. Das halte er für „ein schwieriges Signal zum jetzigen Zeitpunkt“.

Für „brandgefährlich“ halte Kaderali die von ihm wahrgenommene Stimmung in der Bevölkerung, „na ja, ich infiziere mich sowieso, und dann brauche ich auch nicht mehr aufzupassen“. Die Infektion verliere dann ihren Schrecken, wenn man eine gute Grundimmunisierung und einen Booster habe. „Aber für jemanden, der noch komplett ungeimpfte ist, ist das nicht der Fall“. Der Wahrnehmung, dass Omikron nur noch ein harmloser Schnupfen ist, müsse man klar widersprechen.

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Erneut bezeichnete Kaderali Impfungen als entscheidendes Mittel zur Überwindung der Pandemie. Es werde zunehmend klarer, dass eine einfache Infektion mit Omikron nicht vergleichbar mit einer Impfung ist. „Vor allen Dingen nicht mit einer vollständigen Impfung mit Boosterung“. Nach einer einfachen Infektion mit Omikron sei der Schutz vor einer Infektion nur relativ kurz. Dann brauche man noch eine Impfung als längerfristigen Schutz vor einem schweren Verlauf, so Kaderali. (Mit Material der DPA) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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