1. 24hamburg
  2. Politik

Moskaus Ex-Oberrabbiner ruft Juden in Russland zur Flucht auf

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Moskaus ehemaliger Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt hat die jüdische Gemeinde in Russland zur Flucht aufgerufen und warnt vor einem „zunehmenden Antisemitismus“.

Moskau – Der Ukraine-Krieg dauert nach wie vor an. Mit dem Einmarsch Ende Februar erhoffte sich Kremlchef Wladimir Putin einen schnellen Sieg – seit nun mehr als zehn Monaten wüten die Gefechte immer noch in der Ukraine. Doch auch in Russland scheint sich die Situation zuzuspitzen.

Moskaus ehemaliger Oberrabbiner, Pinchas Goldschmidt, warnte Jüdinnen und Juden in Russland vor den Auswirkungen des Ukraine-Konflikts. Sein Appell: Jüdischen Menschen sollten schnellstmöglich die Föderation verlassen. Goldschmidt befürchtet, Russlands könne sie sonst zu Sündenböcken für die durch den Krieg verursachte Not gemacht werden.

Moskaus Ex-Oberrabbiner warnt: Jüdische Bevölkerung wird zum Sündenbock gemacht

„Wenn wir auf die russische Geschichte zurückblicken, hat die Regierung immer dann, wenn das politische System in Gefahr war, versucht, die Wut und Unzufriedenheit der Massen auf die jüdische Gemeinschaft zu lenken“, erklärte Pinchas gegenüber dem Guardian. Das habe man bereits in der Zarenzeit und am Ende des stalinistischen Regimes gesehen, berichtet fr.de.

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Vorsitzender der europäischen Rabbinerkonferenz, bei seiner Ansprache im November.
Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Vorsitzender der europäischen Rabbinerkonferenz, bei seiner Ansprache im November. © Malte Ossowski/Sven Simon/imago

Man erlebe einen „zunehmenden Antisemitismus, während Russland zu einer neuen Art von Sowjetunion zurückkehrt und sich der Eiserne Vorhang Schritt für Schritt wieder senkt“, so Goldschmidt. „Deshalb glaube ich, dass die beste Option für russische Juden darin besteht, das Land zu verlassen.“

Im Ukraine-Krieg: Fast ein Drittel der jüdischen Bevölkerung hat Russland verlassen

Goldschmidt ist Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz. Von 1993 bis Juli 2022 war er Oberrabbiner von Moskau. Nachdem er die russische Führung und die Invasion in die Ukraine kritisiert hatte, legte er sein Amt nieder und kehrte Russland den Rücken.

Mit Beginn des Ukraine-Krieges sind mehr als 25 bis 30 Prozent der verbliebenden Jüdinnen und Juden in Russland ausgereist, sagte Goldschmidt gegenüber dem Guardian. Sie haben Angst davor, zu Putins Zielscheibe zu werden. Inzwischen habe aber auch ein Großteil der jüdischen Gemeinde die Ukraine verlassen.

Jüdische Menschen sind innerhalb der vergangenen 100 Jahre zu Zehntausenden aus Russland ausgewandert. In der Sowjetunion lebten 1926 mehr als 2,6 Millionen jüdische Menschen, 59 Prozent davon in der Ukraine. Heute leben in der Föderation noch etwa 165.000 Jüdinnen und Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 145 Millionen. (kas)

Auch interessant

Kommentare